Rems-Murr-Kreis

Syntegon mit Hauptsitz Waiblingen wächst weiter – auch pandemiebedingt

Syntegon
David Teske leitet den Syntegon-Standort Waiblingen. © Gaby Schneider

Die Corona-Krise hat manch ein Unternehmen Kopf und Kragen gekostet – oder die Kassen komfortabel befüllt. Das mag vorwurfsvoll klingen, ist aber gar nicht so gemeint: Profiteur der Krise gewesen zu sein, geht im Falle Syntegon mit Positivem einher. Im Zuge der Produktion von Impfstoffen fragten pharmazeutische Hersteller Prozess-, Abfüll- und Inspektionstechnologie von Syntegon nach, wie das Unternehmen mitteilt. Der Geschäftsbereich Pharma trägt fast 60 Prozent zum Gesamtumsatz des Unternehmens bei, weshalb ein nicht unerheblicher Anteil des Umsatzwachstums mit der Pandemie zu tun hat. Sowohl Auftragseingang als auch Umsatz stiegen einer Mitteilung des Unternehmens zufolge im vergangenen Jahr: Der Auftragseingang wuchs laut Unternehmensangaben um rund 13 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz legte um fast zehn Prozent auf 1,41 Milliarden Euro zu. Zwei Drittel des Gesamtumsatzes entfielen auf den weltweiten Maschinenverkauf, das restliche Drittel auf das Serviceangebot von Syntegon.

Am Hauptsitz in Waiblingen arbeiten rund 750 Menschen

Der Umsatz des Jahres 2021 wurde laut der Mitteilung zu 35 Prozent in Europa erwirtschaftet. 30 Prozent entfielen auf Nordamerika, 35 Prozent auf Asien und „den Rest der Welt“.

Seit 2020 tritt die ehemalige Bosch Verpackungstechnik an der Stuttgarter Straße in Waiblingen losgelöst vom einstigen Mutterkonzern als Syntegon Technology GmbH auf. Hauptsitz ist Waiblingen, wo das Unternehmen rund 750 Personen beschäftigt. Selbstredend beschränkt sich das Unternehmen in seiner Pressemitteilung auf Positivnachrichten - wahr ist aber auch: Am Standort Waiblingen ging es hoch her, als Bosch nach langem Hin und Her verkündete, sich von der Verpackungssparte trennen zu wollen. Arbeitsplätze gingen verloren - mit allen Konsequenzen für die Menschen.

Am Standort Waiblingen waren früher mehr als 1000 Menschen beschäftigt. Mit großspurigen Ankündigungen versuchte man, die Belegschaft ruhig zu halten, während die Menschen sich nach Jahren der Unsicherheit und Sorgen alles andere als entspannt zurücklehnen konnten.  Als bekannt wurde, dass Syntegon einen großen Teil seines Standortes in Viersen, Nordrhein-Westfalen, an die Schweizer Rotzinger Group verkaufen werde, wuchsen die Sorgen in Waiblingen erneut.

Für das Gesamtunternehmen arbeiten aktuell an mehr als 30 Standorten in fast 20 Ländern rund 5800 Menschen. Das Unternehmen beliefert Firmen der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie mit Anlagen für die Herstellung, Verarbeitung, Abfüllung, Inspektion sowie Verpackung der jeweiligen Produkte. Das sind feste und flüssige Pharmazeutika beziehungsweise im Nahrungsmittelsegment Süßwaren, trockene Lebensmittel, Tiefkühlkost und Molkereiprodukte.

Verpackungen für Kaffee

Am Standort Waiblingen dreht sich alles um feste Medikamente wie Tabletten oder Granulate sowie um trockene Lebensmittel wie Kaffee, Mehl oder Zucker. „Wenn Sie Kaffee kaufen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass eine Verpackung von Syntegon im Spiel ist“, sagte David Teske, der Leiter des Syntegon-Standorts Waiblingen, im Januar dieser Zeitung: „Wir sind nicht nur Einzelmaschinen-Hersteller, sondern versuchen, den Kunden eine komplette Dienstleistung im Sinne einer kompletten Verpackungs- oder Prozesslinie anzubieten.“ 2021 ging in Waiblingen ein Kundencenter in Betrieb, ausgestattet mit Konferenzräumen, Trainingscenter und fünf Maschinenprüfräumen mit Reinraumcharakter.

Der Automatisierungsbedarf steigt, und kaum ein Unternehmen leistet es sich mittlerweile noch, ohne den Fokus auf Nachhaltigkeit am Markt aufzutreten. Syntegon habe seine „Bemühungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung“ im vergangenen Jahr verstärkt, heißt es in der Mitteilung weiter. Das Unternehmen habe seine erste Nachhaltigkeitsbewertung durch die globale Ratingagentur EcoVadis erfolgreich abgeschlossen. Syntegon habe sich ferner zum Ziel gesetzt, seine CO2-Emissionen bis 2025 im Vergleich zu 2019 um 25 Prozent zu senken. Ferner sollen bis Ende 2022 auf allen Maschinen des Unternehmens für Nahrungsmittel nachhaltige Verpackungsmaterialien verarbeitet werden können.

Ein Preis für eine neue, umweltfreundlichere Verpackung

Syntegon und Huhtamaki haben den Angaben zufolge eine vollständig recycelbare, papierbasierte Alternative zu Kunststoffblistern für Tabletten und Kapseln entwickelt, die mit dem deutschen Verpackungspreis für nachhaltige Verpackungen ausgezeichnet wurde.

2022 wird Syntegon sein Portfolio an digitalen Lösungen weiter ausbauen, kündigt das Unternehmen an. Die Rede ist von einer neuen, digitalen Kundenplattform „mit einer verbesserten Mensch-Maschine-Schnittstelle, die Kundinnen und Kunden aus der Nahrungsmittel- und pharmazeutischen Industrie bei der Überwachung und Optimierung ihrer Produktionsleistung unterstützt“.

Kekse müssen sorgsam behandelt werden, sonst brechen sie

Weitere Innovationen werde Syntegon auf zahlreichen Fachmessen weltweit vorstellen. Besucher/-innen der Messe Pack Expo in Chicago können demnach neue Technologien für eine laut Syntegon „noch schonendere Handhabung von empfindlichen Produkten wie Keksen und Riegeln“ in Augenschein nehmen. Auf der Achema in Frankfurt präsentiert Syntegon unter anderem seine Neuentwicklungen für Klein- und Kleinstchargen flüssiger Arzneimittel.

Die Corona-Krise hat manch ein Unternehmen Kopf und Kragen gekostet – oder die Kassen komfortabel befüllt. Das mag vorwurfsvoll klingen, ist aber gar nicht so gemeint: Profiteur der Krise gewesen zu sein, geht im Falle Syntegon mit Positivem einher. Im Zuge der Produktion von Impfstoffen fragten pharmazeutische Hersteller Prozess-, Abfüll- und Inspektionstechnologie von Syntegon nach, wie das Unternehmen mitteilt. Der Geschäftsbereich Pharma trägt fast 60 Prozent zum Gesamtumsatz des

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