Rems-Murr-Kreis

Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie: Erster digitaler Warnstreik der IG Metall und früher Feierabend

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Warnstreik bei Stihl in Waiblingen. © IG METALL

Die IG Metall hat ihre Warnstreiks ausgeweitet. Im Rems-Murr-Kreis werden Arbeitsniederlegungen in vier Betrieben der Metall- und Elektroindustrie gemeldet, darunter bei Stihl in Waiblingen, wo rund 1000 Beschäftigte am Freitag früher Feierabend machten. Bei Bosch WaP in Waiblingen bezifferte der Betriebsratsvorsitzende Gürhan Ag die Zahl der Streikenden in der Frühschicht mit rund 150. Er erwartete, dass auch die Spätschicht am Abend früher Feierabend machte. „Die Leute ziehen mit... Es werden immer mehr!“ Die Arbeit niedergelegt haben auch wieder Beschäftigte bei Bosch in Murrhardt.

Erstmals an den Warnstreiks beteiligten sich rund 80 Beschäftigte der Winterbacher Firma Pfisterer. Der Hersteller von Verbindungstechnik für Energieversorger kam ungeschoren durch die Coronakrise. „Wenn der Arbeitgeberverband Südwestmetall etwas erreicht hat, dann ist es, die Wut bei den Menschen entfacht zu haben“, beschrieb Gewerkschaftssekretär Christian Friedrich die Stimmung vieler Beschäftigten bei Pfisterer und in anderen Betrieben.

Südwestmetall sieht eigenen Angaben zufolge erst dann die Möglichkeit für Lohnerhöhungen, wenn die M+E-Industrie im Land das Niveau vor der Krise wieder erreicht hat, also frühestens im Jahresverlauf 2022. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Erholung und die Herausforderungen der Transformation werde angestrebt, die Arbeitskosten zu senken und Betrieben individuell Möglichkeiten zu schaffen, vom Flächentarif abweichen zu können. Konkret geht es um Schichtzulagen und Pausen.

Am Freitag hat die IG Metall erstmals zu einem „digitalen Warnstreik“ aufgerufen. „Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, zusammen für unsere Forderungen einzustehen, gemeinsam Druck zu machen“, hieß es in der Ankündigung. Rund 18 500 Besucher zählte die Gewerkschaft auf den unterschiedlichen Kanälen, auf denen die zweieinhalbstündige Warnstreikshow am Freitagvormittag übertragen wurde. Es war eine Mischung aus Gesprächen mit Betriebsräten, Blasmusik von Brass2go, Einspielern sowie einer Kochschau. Zusammen mit der jungen Gewerkschafterin Nina Bäuerle bereitete der Bezirksvorsitzende Roman Zitzelsberger den Arbeitgebern ein feuriges Gericht mit viel Chili und Cayennepfeffer zu. „Was Südwestmetall bisher am Verhandlungstisch bietet, ist ziemlich fad und hat keine Würze. Deshalb brauchen wir das Feuer der Beschäftigten“, sagte Zitzelsberger zu den festgefahrenen Verhandlungen. „Mit jedem Warnstreik steigt die Erwartungshaltung der Beschäftigten“, meinte Zitzelsberger mit Blick auf die insgesamt 150 Betriebe im Land, in denen am Freitag die Arbeit niedergelegt wurde. Südwestmetall müsse sich endlich bewegen und Abschied nehmen von ihren Forderungen, wie zum Beispiel die Reduzierung von Schichtzuschlägen oder weniger Pausen. „Sonst nur eins“, kündigte Zitzelsberger, während er den Eintopf umrührte, an: „Schmoren lassen, schmoren lassen, schmoren lassen...“

Die meisten M+E-Firmen haben die Krise überwunden, berief sich Susanne Thomas, Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall Waiblingen/Ludwigsburg, auf eine Umfrage bei Betriebsräten. So seien in sechs von zehn Unternehmen bereits wieder Anträge auf Sonderschichten und Mehrarbeit gestellt worden, was auf eine gute Auftragslage hindeutet,

Die IG Metall fordert eigenen Angaben zufolge in der aktuellen Tarifrunde ein Entgelt-Volumen von vier Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit, das zur Stabilisierung der Einkommen und zur Sicherung von Beschäftigung eingesetzt werden solle. Außerdem will die IG Metall einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge schaffen und die Perspektiven für Auszubildende und dual Studierende verbessern.

Die IG Metall hat ihre Warnstreiks ausgeweitet. Im Rems-Murr-Kreis werden Arbeitsniederlegungen in vier Betrieben der Metall- und Elektroindustrie gemeldet, darunter bei Stihl in Waiblingen, wo rund 1000 Beschäftigte am Freitag früher Feierabend machten. Bei Bosch WaP in Waiblingen bezifferte der Betriebsratsvorsitzende Gürhan Ag die Zahl der Streikenden in der Frühschicht mit rund 150. Er erwartete, dass auch die Spätschicht am Abend früher Feierabend machte. „Die Leute ziehen mit... Es

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