Rems-Murr-Kreis

Tempo 80 im Leutenbachtunnel erregt die Gemüter: Bürgermeister Jürgen Kiesl fühlt sich überrumpelt

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Ein Aufreger. Tempo 80! © Willy Baireuther

Die Pressemitteilung zum Tempo 80 im Leutenbachtunnel am Mittwoch war eine Überraschung. Allen voran für Bürgermeister Jürgen Kiesl. Schließlich verläuft der Tunnel zu 97 Prozent über die Leutenbacher Gemarkung. Doch in die Entscheidung für ein Tempolimit waren weder das Rathaus noch der Gemeinderat eingebunden. Dabei hätten sie eine Menge dazu zu sagen gehabt. Denn Kiesl befürchtet, dass die Lärmbelastung der Anwohner zunimmt, wenn die ausgebremsten Autofahrer nach dem Tunnel stärker aufs Gas drücken, um von 80 auf 120 km/h zu beschleunigen.

Tempo 80 hat jedoch nicht nur Jürgen Kiesls Puls emporschnellen lassen. Wie zu erwarten war, wird das Thema heiß diskutiert. „Es hat gedauert, doch diese Entscheidung war richtig, die Geschwindigkeit im Tunnel auf 80 km/h zu begrenzen“, kommentierte Wolfgang Klenk den Bericht in der Onlineausgabe unserer Zeitung (www.zvw.de). Und Achim Buhl hält den Hinweis in dem Bereich auf einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss zwischen Waiblingen und Backnang für „sehr bedenkenswert“. „Ich finde sehr wohl, dass es 80 km/h auf der gesamten Strecke sein können: Immerhin geht’s bergan, und zumindest bei meinem Auto ist das ein bemerkenswerter Verbrauchsunterschied, ob ich 80 oder 120 fahre.“

Viel Kritik auf Facebook

Auf Facebook überwiegen eher die Kommentare gegen ein Tempolimit - doch es gibt auch Kontra. Silke Engelhardt schrieb: „Mit 100 bis 120 fährst Du auf beiden Spuren ganz geschmeidig durch... Fahr den Tunnel jeden Tag dreimal seit Jahren.“ Und Maren Schwarz-Plodek pflichtete ihr bei: „Nur weil wieder 'n paar net fahren können... Ich bin wirklich kein Raser, aber der Tunnel is easy mit 120 befahrbar.

Georg Bischoff entgegnete: „Easy? In welchem Tunnel ist das in Deutschland überhaupt erlaubt?“ Danny Johnson versucht’s indes mit Ironie: „Ich wäre für 30 km/h. Bei über 35 km/h habe ich immer das Gefühl, aus der Kurve zu fliegen.“

„Mön Bön“ findet: „Immer diese Kollektivstrafen wegen ein paar sehr wenigen Unfähigen, die mal lieber Bahn fahren sollten...“ Auf seiner Linie ist auch der Kommentator, der sich „Florianonkel Charliemoser“ nennt: „Wer da nicht mit 120 durchkommt ohne Probleme, sollte echt seinen Führerschein abgeben.... Lauter Spackos und Deppen, die zur Zeit unterwegs sind! Und dann ohne Grund im Tunnel 80 oder 60 km schalten - einfach so zu Spaß.“

Christian Strehle geht in seinem Kommentar auf die Tatsache ein, dass der Tunnel ursprünglich für 80 km/h konzipiert war. „Es war mir immer ein Rätsel, warum da so viele Unfälle passieren! Aber jetzt ist’s ja klar, liegt an den 20 km/h zu viel.“

Und „Jasi La“ rät: „Einfach mal das Handy weglegen! Dann passieren vielleicht auch weniger Unfälle.“

Holger Aldinger hingegen vermutet, „dass es im Tunnel jetzt erst recht scheppert. Bestes Beispiel B 14 nach dem Kappelbergtunnel Richtung Stuttgart: Seit da 80 gilt, kracht’s häufiger. Und das alles, weil die Leute einen alten Opa mit Bürstenhaarschnitt sympathisch finden?“

In Leutenbach umstritten

Bei der Beurteilung des Tempolimits ringt sich der Leutenbacher Bürgermeister Jürgen Kiesl mit Blick auf die Unfallzahlen zu einer staatsmännischen Formulierung durch: „Insofern ist die Entscheidung für mich nachvollziehbar.“ Allerdings, fügt er an, sei ein Tempolimit im Gemeinderat durchaus umstritten. Als Ursache für die vielen Unfälle im Tunnel vermutet Kiesl jedoch weniger die zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Schuld seien vielmehr Raser, also einige wenige unter den Zehntausenden von Autofahrern, die täglich durch den Tunnel fahren, oder aber unaufmerksame Fahrer, die sich beispielsweise vom Handy ablenken lassen. Das könne schlimme Folgen haben. Denn die Straße im Tunnel wird von Bordsteinen begrenzt. Ein Unding! Wenn nämlich ein Auto von der Fahrbahn abkommt und den Bordstein touchiert, wird es regelrecht in die Luft katapultiert.

Sorgen bereitet Kiesl das Tempolimit aus zweierlei Gründen. Zum einen der Lärm. Der könnte für die Anwohner aufgrund des Tempolimits zunehmen, wenn hinter dem Tunnel erst recht Gas gegeben wird. Und zum zweiten der Schleichverkehr durch Leutenbach. Wenn’s wegen Tempo 80 durch den Tunnel auf der B 14 nicht mehr so schnell läuft, könnten noch mehr Autofahrer wie bisher verführt werden, ihr Glück auf Nebenstraßen und durch die Ortschaften zu versuchen.

Winnenden stimmt Tempo 80 zu

Kiesls Kollege Hartmut Holzwarth aus der großen Nachbarstadt Winnenden war in die Pläne für ein Tempolimit eingeweiht. „Das Ordnungsamt der Stadt Winnenden war als Straßenverkehrsbehörde im Februar beteiligt worden, da ein ganz kleiner Abschnitt des Tunnels über Winnender Markung läuft“, teilt die Pressestelle der Stadt Winnenden auf Anfrage mit. „Dem Vorschlag des Rems-Murr-Straßenbauamts für Tempo 80 haben wir zugestimmt.“ Die Stadt Winnenden könne allerdings keine Beschilderung anordnen, weist die Pressestelle auf einen Fehler in der Mitteilung des Landratsamtes, über den sich auch Kiesl geärgert hat. „Dies macht das Landratsamt als für den Streckenabschnitt insgesamt zuständige Straßenverkehrsbehörde und das Straßenbauamt stellt die Schilder durch die Straßenmeisterei Weinstadt dann auf.“

So mancher Autofahrer ist jedoch überzeugt, dass es überhaupt keines generellen Tempolimits auf 80 bedarf. Häufigere Kontrollen oder Blitzer hätten es auch getan.

So unkte Holger Aldinger auf Facebook: „Jede Wette, da kommen dann demnächst auch weitere Blitzer.“ Und die hat das Landratsamt tatsächlich auch angekündigt, sollten sich Autofahrer nicht an 80 halten und es weiterhin Unfälle geben.

Die Pressemitteilung zum Tempo 80 im Leutenbachtunnel am Mittwoch war eine Überraschung. Allen voran für Bürgermeister Jürgen Kiesl. Schließlich verläuft der Tunnel zu 97 Prozent über die Leutenbacher Gemarkung. Doch in die Entscheidung für ein Tempolimit waren weder das Rathaus noch der Gemeinderat eingebunden. Dabei hätten sie eine Menge dazu zu sagen gehabt. Denn Kiesl befürchtet, dass die Lärmbelastung der Anwohner zunimmt, wenn die ausgebremsten Autofahrer nach dem Tunnel stärker aufs

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