Rems-Murr-Kreis

Tempolimit: Abgeordnete aus dem Rems-Murr-Kreis von CDU und FDP sind dagegen

Autobahn
Symbolbild. © Pixabay

Mittels Tempolimit auf Autobahnen ließe sich der CO2-Ausstoß verringern. Zwar nicht in großem Ausmaß, doch immerhin. Einzelne Abgeordnete der CDU rückten jüngst angesichts der Energiekrise von der bisherigen christdemokratischen Linie ab und zeigten sich offen für ein zumindest befristetes Tempolimit. Die Waiblinger CDU-Bundestagsabgeordnete und Vize-Generalsekretärin Christina Stumpp zählt nicht zu dieser Gruppe: Sie spricht von „reiner Symbolpolitik“. Ähnlich äußert sich der FDP-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Waiblingen, Prof. Stephan Seiter. Beide lehnen ein Tempolimit klar ab. Ihre Statements:

„Die prognostizierten Einsparungen von Erdöl bei einem generellen Tempolimit sind bezogen auf den Kraftstoffgesamtverbrauch mit lediglich 1,6 Prozent marginal und helfen uns in der Gas- und Stromkrise definitiv nicht weiter“, schreibt Christina Stumpp, und weiter: „Vielmehr handelt es sich bei der Forderung nach einem Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen um reine Symbolpolitik. Nun wird seitens der SPD und der Grünen versucht, dies unter dem Vorwand der aktuellen Krise durch die Hintertüre einzuführen.“ – „Einen „Kuhhandel“, Laufzeitverlängerungen bei Atomkraftwerken gegen ein generelles Tempolimit, wie aktuell von der Ampel-Koalition diskutiert, halte ich für falsch. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Stattdessen muss die Politik nun konsequent alle Möglichkeiten nutzen, um zu erreichen, dass im kommenden Winter kein einziger Kubikmeter Gas mehr verstromt werden muss, sondern zum Heizen und für das produzierende Gewerbe zur Verfügung steht.“

„Anreize für ein klimaschonendes Mobilitätsverhalten“

„Zur Senkung des CO²-Ausstoßes im Verkehrsbereich“, schreibt Christina Stumpp weiter, „setze ich stattdessen auf Anreize für ein klimaschonendes Mobilitätsverhalten sowie auf die Förderung von innovativen Technologien, wie zum Beispiel das automatisierte und vernetzte Fahren und die Förderung von alternativen Antrieben. Kohlendioxidemissionen lassen sich am effektivsten dort vermeiden, wo sie entstehen, nämlich bei der Verbrennung von fossilen Treibstoffen im Motor.“

Stephan Seiter beruft sich auf den Koalitionsvertrag, in welchem festgelegt ist, „dass es kein Tempolimit geben wird.“ Seine Stellungnahme im Wortlaut: „Dass es allenfalls eine symbolische Geste ist, lässt sich nachrechnen: Zehn Millionen Liter Benzin und Diesel seien zu sparen, sagt die Umwelthilfe. Der Trick mit der großen Zahl lebt davon, dass auf einmal in Litern gerechnet wird, nicht in der Standardgröße Tonnen. Bei rund fünf Millionen Tonnen Importtreibstoffen aus Russland bewegen wir uns nämlich mit 8000 Tonnen Einsparungsmenge im Promillebereich (= 1,6), wenn wir ein durchschnittliches Gewicht von 800 Gramm je Liter zugrunde legen. Warum also solche Zahlenspielchen? Fakt ist, Verkehr ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, Zeit mal Weg ist eine wichtige Größe und 'Stau weg' würde weitaus mehr Treibstoff sparen, als es ein Tempolimit je könnte. Zehn Millionen Liter verblasen eine Million Autos, die nicht richtig vorwärtskommen, in sieben bis zehn Stunden. Denn niedrige Gänge sind bekanntlich die schlimmsten Spritfresser. Wir brauchen modernen Verkehr inklusive einem besseren ÖPNV-Angebot. Wir brauchen eine sichere Energieversorgung, wobei die Gas- und die Stromversorgung im Mittelpunkt stehen müssen. Ein Tempolimit hilft da wenig.“

Es wäre kostengünstig und kurzfristig realisierbar

Das Umweltbundesamt sieht es anders. Ein Tempolimit auf Autobahnen hilft beim Klimaschutz, es reduziert die Anzahl der Verkehrstoten, und „die Mehrheit der Bevölkerung ist der Ansicht, dass derzeit zu wenig unternommen wird, um Treibhausgase, Luftschadstoffe und Verkehrslärm zu reduzieren und die Sicherheit im Straßenverkehr zu steigern. Ein Tempolimit würde zu diesen gesellschaftlichen Zielen beitragen.“ Das entsprechende Papier trägt das Datum 14. Oktober 2021, ist also noch vor Beginn des Ukraine-Krieges entstanden. Das Umweltbundesamt schlägt vor, „kurzfristig“ ein Tempolimit einzuführen – und zwar nicht 130 km/h, wie seit Jahren diskutiert, sondern 120 km/h.

Begründung Nummer eins: Der Spritverbrauch sinkt. Autobahnen machen zwar laut Umweltbundesamt nur knapp 1,5 Prozent des deutschen Straßennetzes aus. Trotzdem sei der Verkehr auf Autobahnen für mehr als 40 Prozent der CO2-Emissionen von Pkw in Deutschland verantwortlich: „Dies liegt sowohl an der intensiven Nutzung der Autobahnen wie auch den hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten der Fahrzeuge auf Autobahnen, denn je höher die Geschwindigkeit, desto höher der Luftwiderstand und desto größer die benötigte Menge an Kraftstoff. So verbraucht ein durchschnittlicher Pkw bei einer Geschwindigkeit von 150 km/h pro gefahrenen Kilometer etwa ein Drittel mehr Kraftstoff als bei 120 km/h und etwa die Hälfte mehr als bei 100 km/h.“

PS-starke Fahrzeuge weniger attraktiv

Begründung Nummer zwei: „Mittel- und langfristig könnte ein Tempolimit auf Autobahnen über die direkte Minderung hinaus auch einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Fahrzeugflotte haben. Wenn die Leistung sehr PS-starker Pkw nicht voll ‚ausgefahren‘ werden kann, könnten diese auch weniger attraktiv für Käufer/-innen werden. Sollten sich sparsamere Fahrzeuge am Markt durchsetzen, könnte somit auch der Verbrauch auf allen Strecken zurückgehen.“

„Prinzipiell denkbar“ sei ferner, „dass durch die längeren Reisezeiten infolge eines Tempolimits Pkw-Fahrten auf die Schiene verlagert werden und dadurch weitere Klimavorteile erreicht werden können.“

Begründung Nummer drei: „Überhöhte Geschwindigkeit ist die häufigste Unfallursache auf deutschen Autobahnen. Ein Tempolimit von 130 km/h würde Menschenleben retten und die Anzahl der Verletzten deutlich reduzieren.“

Begründung Nummer vier: Die Lärmbelastung verringert sich.

Begründung Nummer fünf: Ein Tempolimit würde, so schreibt das Umweltbundesamt weiter, „maßgeblich zur Luftreinhaltung und zur Einhaltung der nationalen Emissionshöchstmengen für Luftschadstoffe beitragen.“

Das Fazit des Umweltbundesamtes: „Eine Geschwindigkeitsbegrenzung wäre eine kostengünstige und kurzfristig realisierbare Möglichkeit, um den Kraftstoffverbrauch und somit die Treibhausgas- und Schadstoffemissionen zu senken.

Mittels Tempolimit auf Autobahnen ließe sich der CO2-Ausstoß verringern. Zwar nicht in großem Ausmaß, doch immerhin. Einzelne Abgeordnete der CDU rückten jüngst angesichts der Energiekrise von der bisherigen christdemokratischen Linie ab und zeigten sich offen für ein zumindest befristetes Tempolimit. Die Waiblinger CDU-Bundestagsabgeordnete und Vize-Generalsekretärin Christina Stumpp zählt nicht zu dieser Gruppe: Sie spricht von „reiner Symbolpolitik“. Ähnlich äußert sich der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper