Rems-Murr-Kreis

Tod zweier Fußgänger im Rems-Murr-Kreis: Wie konnte das passieren?

Rettungswagen
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Innerhalb einer Woche sind zwei Fußgänger/-innen bei Unfällen im Rems-Murr-Kreis tödlich verletzt worden. Ein 61-jähriger Mann starb am Freitagabend, nachdem ein 87-jähriger Fahrer eines Daewoo ihn in Backnang mit seinem Wagen erfasst hatte. Der Fußgänger hatte die Etzwiesenstraße im Bereich der Einmündung zur Schlachthofstraße überqueren wollen. Der Autofahrer war in Richtung Bahnhof unterwegs gewesen und hatte laut Polizei den querenden Fußgänger übersehen. Ein Notarzt versorgte den Schwerverletzten, bevor er in ein Krankenhaus gebracht wurde. Ein paar Stunden später starb der Mann.

Erst vor einer Woche, am Dienstag, 22. Februar, war eine 45-jährige Fußgängerin nach einem Unfall in Schorndorf ihren Verletzungen erlegen. Ein 65-jähriger Fahrer eines Mercedes-SUV hatte die Frau mit seinem Wagen erfasst. Auch sie wurde zunächst von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht, wo sie einige Zeit später ihren schweren Verletzungen erlag. Kurz vor 14 Uhr an jenem Dienstag war der Polizei gemeldet worden, eine Person sei auf einem Parkplatz in Schorndorf verletzt worden. Zunächst war unklar, wie es zu dem folgenschweren Unfall gekommen war.

Vermutlich lag die Frau am Boden

Inzwischen wissen die Ermittler/-innen mehr: Vieles deutet darauf hin, so Polizeipressesprecher Rudolf Biehlmaier, dass die Frau am Boden lag, als der Wagen sie erfasste. Warum das allem Anschein nach so gewesen ist, weiß man nicht. Vielleicht war die Frau gestolpert oder wegen eines medizinischen Problems hingefallen oder was auch immer. An jener Stelle in der Gmünder Straße, recht nah an der Kreuzung zur Theodor-Körner-Straße, war der SUV-Fahrer offenbar in den Kurvenbereich eines parallel zur Gmünder Straße verlaufenden Privatweges eingebogen. An jener Stelle befinden sich auch Parkplätze. Dort hat der SUV offenbar die mutmaßlich liegende Frau erfasst. Die Unfallermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, so Rudolf Biehlmaier, doch habe man zunächst den Unfallhergang anhand der Spurenlage relativ gut rekonstruieren können. Die Polizei hat auch Zeugen befragt, die allerdings nur recht vage Angaben machen konnten.

Sachverständiger prüft jetzt

Um die näheren Umstände des tödlichen Unfalls in Backnang zu klären, hat die Polizei einen Sachverständigen hinzugezogen. An jener Stelle an der Etzwiesenstraße ganz in der Nähe des Sozialen Warenhauses überqueren offenbar recht häufig Fußgänger die Straße, obwohl der sicherere Weg über eine Fußgängerampel nicht weit entfernt ist.

Ob der 87-jährige Unglücksfahrer in irgendeiner Weise beeinträchtigt und dadurch in seiner Fahrtüchtigkeit eingeschränkt war, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Die Polizei hat den Führerschein des Mannes zunächst einbehalten. Inwieweit ihn eine Schuld trifft, ob er sich gar einer fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat, wird später ein Gericht zu klären haben.

Infrastruktur zu sehr an Autofahrer/-innen orientiert

Laut der Unfallforschung der Versicherer (UDV) sind rund die Hälfte der Fußgänger/-innen, die im Straßenverkehr zu Tode kommen, über 65 Jahre alt. In ihrem allerdings schon ein paar Jahre älteren Bericht mit dem Titel „Innerörtliche Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern“ kritisiert die UDV, die Verkehrsinfrastruktur sei innerorts insbesondere an stark befahrenen Straßen oft auf den Kfz-Verkehr ausgerichtet. Sogenannte „schwache Verkehrsteilnehmer/-innen“ wie Fußgänger/-innen und Radfahrer/-innen seien deshalb besonders gefährdet. Als häufigste Fehler von Autofahrer/-innen identifizierte die UDV Fehler beim Abbiegen und Nichtbeachten des Vorranges von Fußgängern und Radfahrern. Der Untersuchung zufolge sind folgenschwere Fehler etwa zu gleichen Teilen den Fußgängern und Radfahrern auf der einen und Autofahrern auf der anderen Seite zuzurechnen.

Im Lauf der Jahre sind die Straßen sicherer geworden

Dem Statistischen Landesamt zufolge waren im Jahr 2020 in Baden-Württemberg 2629 Fußgänger/-innen an Unfällen beteiligt. 48 von ihnen starben.

Im Laufe der Jahrzehnte sind die Straßen für Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, sicherer geworden. Im Jahr 1955 starben im Straßenverkehr in Baden-Württemberg 460 Fußgänger/-innen. Im Jahr 1980 waren es 389, im Jahr 1990 dann 205, im Jahr 2010 starben 59 Fußgänger/-innen.

Seit längerem fordert die Unfallforschung der Versicherer verstärkten Einsatz von Fahrerassistenzsystemen, um die Zahl der Unfälle weiter zu senken.

Innerhalb einer Woche sind zwei Fußgänger/-innen bei Unfällen im Rems-Murr-Kreis tödlich verletzt worden. Ein 61-jähriger Mann starb am Freitagabend, nachdem ein 87-jähriger Fahrer eines Daewoo ihn in Backnang mit seinem Wagen erfasst hatte. Der Fußgänger hatte die Etzwiesenstraße im Bereich der Einmündung zur Schlachthofstraße überqueren wollen. Der Autofahrer war in Richtung Bahnhof unterwegs gewesen und hatte laut Polizei den querenden Fußgänger übersehen. Ein Notarzt versorgte den

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