Rems-Murr-Kreis

Todeswütigem Ehemann drohen Gefängnis und Abschiebung in den Irak

Justiz[1]
Wie wird Justitia enttscheiden? Nächste Woche fällt vor dem  Landgericht das Urteil.

Dem 35-jährigen Iraker, der sich wegen versuchten Totschlags an seiner Ehefrau vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten muss (wir berichteten), drohen eine lange Gefängnisstrafe und die Abschiebung in den Irak. Staatsanwalt Thomas Hochstein hat in seinem Plädoyer vier Jahre und fünf Monate Haft gefordert.

Eine zeitweise Unterbringung in einer Entziehungsanstalt kann das Gericht Hochsteins Meinung nach anordnen, weil der Angeklagte einen Hang zum Alkohol hat. Dessen Rechnung, er könne mit der Angabe, vor der Tat etwa 15 Bier getrunken zu haben, zu einer verminderten Schuldfähigkeit oder gar zur Schuldunfähigkeit kommen, ging vor Gericht jedoch nicht auf. Der Gerichtspsychiater Nenad Vasic aus Göppingen stufte ihn als „voll schuldfähig“ ein.

Vor der Tat zwölf Bier getrunken?

Nach den Berechnungen, welche die Tübinger Gerichtsmedizinerin, Dr. Adina Schweickhardt mit den Angaben des Beschuldigten anzustellen hatte, hätte dieser rund vier Promille Alkohol im Blut haben müssen, als er am Abend des 25. Juni vergangenen Jahres zwischen der Haselsteinschule und dem Lessing-Gymnasium mit einem abgebrochenen Flaschenhals auf seine Frau einstach. Das hätte erstens nicht zu den Aussagen des Opfers, der jungen Leute, die der Frau das Leben gerettet haben und der Polizeibeamten gepasst und zweitens nicht zu den objektiven Beweismitteln. Der Mann hat seiner 34-jährigen Ehefrau angekündigt, dass er sie töten will und dazugesagt, dass er so lange keine Ruhe geben würde, bis sie tot ist. Aus der Sicht der Anklage war die Tat geplant und die Stiche mit dem Flaschenhals in den Kopf und in den Körper des Opfers waren zielgerichtet. Der Mann, der seine Frau fast skalpierte, wie die zu Gericht mitgebrachten Haare zeigten, konnte auch noch flüchten, bevor ihn die Polizei in derselben Nacht gegen 2 Uhr festnahm.

Ehemann hat in der Türkei eine andere Irakerin geheiratet

Der Ankläger schilderte in seinem Plädoyer die angespannte Lage der Familie mit acht Kindern, nachdem die Frau von ihrem Bruder erfahren habe, dass ihr Ehemann in der Türkei eine andere Irakerin geheiratet hat. „Die Beziehung war von Anfang an von Gewalt geprägt“, stellte Thomas Hochstein fest. Er ging davon aus, dass der Mann, welcher vorher telefonisch ausgekundschaftet hat, wo die Frau mit fünf der acht gemeinsamen Kinder ist, eine Bierflasche zerschlagen und mit der so entstandenen Waffe auf die Heimkehr seiner Familie vom Spielplatz gewartet hat. Selbst als die Frau schon stark am Kopf blutete, so Thomas Hochstein, mussten junge Leute schlagen und treten, damit der Angreifer von ihr abließ.

Der gerichtsmedizinischen Untersuchung nach hätte die Frau an Gehirnblutungen oder einer Lungenembolie sterben können, wenn sie keiner gerettet hätte. Sie hätte auch an ihrem eigenen Blut ersticken können. Die Rechnung des Angeklagten, mit seinen etwa 15 Bier zur eingeschränkten Schuldfähigkeit zu kommen, ging auch deshalb nicht auf, weil Professor Nenad Vasic in der Blutentnahme nach der Verhaftung nur „Werte im Normbereich“ und damit keine Anhaltspunkte für chronischen Alkoholmissbrauch beim Angeklagten fand.

Stellt der Iraker eine Gefahr für die Allgemeinheit dar?

Die Frage von Richter Winkelmann, ob der Iraker eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und deshalb in die Psychiatrie zwangseingewiesen werden sollte, verneinte der Psychiater, bezöge sich doch dessen Aggression auf das familiäre Umfeld. Verteidigerin Svenja Kiefer hielt drei Jahre und zehn Monate Gefängnis für ausreichend und fügte hinzu, ihrem Mandanten, der seine Ehe mit dem Opfer weiterführen wolle, drohe die Abschiebung in den Irak. Der Angeklagte selbst macht seit dem Prozessauftakt von seinem Schweigerecht Gebrauch. Er hatte auch im letzten Wort vor der Urteilsverkündung am Dienstag, 23. März, nichts zu sagen.

Dem 35-jährigen Iraker, der sich wegen versuchten Totschlags an seiner Ehefrau vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten muss (wir berichteten), drohen eine lange Gefängnisstrafe und die Abschiebung in den Irak. Staatsanwalt Thomas Hochstein hat in seinem Plädoyer vier Jahre und fünf Monate Haft gefordert.

Eine zeitweise Unterbringung in einer Entziehungsanstalt kann das Gericht Hochsteins Meinung nach anordnen, weil der Angeklagte einen Hang zum Alkohol hat. Dessen Rechnung, er

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