Rems-Murr-Kreis

Trinkwasser-Versorgung im Rems-Murr-Kreis: Wie läuft’s in Zukunft?

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Glas Wasser
Wird im Zuge des Klimawandels zu einem immer kostbareren Gut: Wasser. © Benjamin Büttner
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Rems
Die Rems in Waiblingen bei der Galerie Stihl: Niedriger Pegelstand. © Alexandra Palmizi

Rasenflächen sehen ungegossen gar nicht mehr hübsch aus, doch das lässt sich verschmerzen. Trinkwassermangel wär’ schwerer auszuhalten. Fakt ist: Der Grundwasservorrat im Rems-Murr-Kreis geht zurück. Und Messwerte an Rems und Murr, den Wasserabfluss betreffend, liegen auf unterdurchschnittlichem Niveau.

Seit Herbst 2021 erheben Ingenieurbüros in Baden-Württemberg Daten für den „Masterplan Wasserversorgung“. Es geht um Wassermengenbilanzen, Strukturen der Trinkwasserversorgung in Landkreisen und Kommunen, um Versorgungssicherheit – und eine Prognose fürs Jahr 2050. „Die Erhebung im Rems-Murr-Kreis hat noch nicht begonnen“, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage des Backnanger SPD-Landtagsabgeordneten Gernot Gruber.

Das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat jetzt eine Reihe weiterer Antworten vorgelegt zu Grubers Fragenkatalog: Wie hat sich der Grundwasservorrat im Rems-Murr-Kreis entwickelt, was lässt sich zum Wasserstand der Rems und der Murr sagen – und „wie wird die Trinkwasserversorgung in Erwartung einer Zunahme von Extremwetterereignissen im Rems-Murr-Kreis sichergestellt?“

Zukunftsfähige Wasserversorgung

Die Antwort auf die letzte Frage klingt reichlich ernüchternd. Sie bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass man jetzt auf Landesebene erst so langsam anfängt, sich über die Wasserversorgung der Zukunft Gedanken zu machen. Die Folgen des Klimawandels werden jedenfalls noch viel deutlicher zutage treten als jetzt. Klar formuliert ist bisher nur das Ziel des Masterplans Wasserversorgung Baden-Württemberg. Es geht um nichts weniger als „eine zukunftsfähige Wasserversorgung, die Trinkwasser verlässlich, in guter Qualität und zu einem angemessenen Preis zur Verfügung stellt“. Bis konkrete Handlungsempfehlungen für die Landkreise vorliegen, wird aber noch viel Zeit vergehen.

Derweil liefert das Ministerium auf Gernot Grubers Anfrage hin diese Fakten: Die Grundwasserstände im Land bewegen sich „überwiegend in einem schwach rückläufigen beziehungsweise fallenden Bereich. Zudem wurden in den letzten Jahren an einer großen Zahl von Messstellen im Land die bisher niedrigsten Werte beobachtet.“ Was die Grundwasserverhältnisse im Rems-Murr-Kreis angeht, spricht das Ministerium von einem „ ausgeprägten Niedrigwasserzustand“ im Zeitraum 2018 bis 2020. Zumindest sah’s im vergangenen Jahr besser aus. Im Juli 2022 ergaben die Messwerte zum Grundwasser aber ein nach wie vor unterdurchschnittliches Niveau.

Wasserabfluss in Rems und Murr: Unterdurchschnittlich

Zum Wasserstand und Wasserabfluss der Rems und der Murr und der Entwicklung seit dem Jahr 2000 liefert das Ministerium detaillierte Angaben. Im Zeitverlauf zeige sich „tendenziell eine Abnahme des mittleren Abflusses“. Am Pegel Oppenweiler/Murr war in den Jahren 2000 bis 2021 nur in einem einzigen Jahr ein überdurchschnittlicher Abfluss zu verzeichnen, in einem weiteren Jahr ein durchschnittlicher Wert. In allen anderen Jahren ergaben die Messungen durchweg unterdurchschnittliche Ergebnisse. Genau dasselbe gilt für den Pegel Schorndorf Rems.

Unterdessen wirft Gernot Gruber die Frage auf, ob man nicht in Hochwasserrückhaltebecken Wasser speichern könnte, das Landwirte dann in Trockenperioden für die Beregnung ihrer Felder nutzen könnten?

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft ist nicht sonderlich angetan von der Idee. Der Grund: In Trockenwetterphasen kommt es gar nicht selten zu heftigen Gewittern. Wo genau und wie heftig Starkregen niedergeht, lässt sich nicht exakt vorhersagen, selbst kurzfristig nicht. Deshalb könnte es böse enden, wenn die Hochwasserrückhaltebecken auf Vorrat gespeichertes Wasser enthalten – dann aber zusätzlich mit Starkregen konfrontiert sind.

Zahl der heißen Tage hat sich mehr als verdoppelt

Fehlt noch die Frage, wie sich die Zahl der Hitzetage und die Intensität von Trockenperioden entwickelt hat. Das Ministerium zieht Messdaten der Station Stuttgart-Schnarrenberg heran, weil nur diese einen Vergleich von 30-jährigen Klimazeiträumen erlauben. Im Rems-Murr-Kreis waren früher vier Messstationen des Deutschen Wetterdienstes in Betrieb, und zwar in Welzheim, Waiblingen, Winterbach und Murrhardt. Sie sind aber alle längst abgeschaltet. Derzeit liefert nur noch die Station Großerlach-Mannenweiler Messdaten aus dem Rems-Murr-Kreis, doch erst seit 2005.

Um Klimaveränderungen festzustellen, ist der Zeitraum seit 2005 zu kurz, weshalb das Ministerium einen Vergleich der Daten heranzieht, welche die Station Stuttgart-Schnarrenberg seit Jahrzehnten liefert. Das Ergebnis: Die Zahl der heißen Tage hat sich von gut fünf auf knapp 13 Tage mehr als verdoppelt. Der Vergleich bezieht sich auf die beiden Klimazeiträume 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020. Als „heiß“ gilt ein Tag laut Deutschem Wetterdienst dann, wenn die Lufttemperatur 30 Grad oder mehr erreicht.

Trockenperioden: Keine Auswertung der Daten in dieser Richtung

Es handelt sich jedenfalls um einen „enormen Anstieg in klimatisch gesehen recht kurzer Zeit“. Insbesondere nach 2000 habe die Anzahl an heißen Tagen deutlich zugenommen, so dass bereits acht der zehn heißesten Jahre, also der Jahre mit der höchsten Anzahl an heißen Tagen, für die Station Stuttgart-Schnarrenberg nach 2000 aufgetreten sind, teilt das Ministerium weiter mit: Die höchste Anzahl an heißen Tagen wurde in Stuttgart-Schnarrenberg im Jahr 2018 mit 29, gefolgt von 2003 mit 28 und 2015 mit 27 solcher Tage erhoben. An der Station Großerlach-Mannenweiler seien seit 2005 zwar durchschnittlich deutlich weniger heiße Tage aufgetreten als an der Station Stuttgart-Schnarrenberg, „jedoch stechen auch hier die besonders heißen Jahre 2018 und 2015 mit elf beziehungsweise 19 heißen Tagen deutlich hervor“.

Zu Trockenperioden im Rems-Murr-Kreis liefert das Ministerium keine Infos: Eine speziell auf Trockenperioden ausgerichtete Auswertung der Daten existiert bisher ganz einfach nicht.

Rasenflächen sehen ungegossen gar nicht mehr hübsch aus, doch das lässt sich verschmerzen. Trinkwassermangel wär’ schwerer auszuhalten. Fakt ist: Der Grundwasservorrat im Rems-Murr-Kreis geht zurück. Und Messwerte an Rems und Murr, den Wasserabfluss betreffend, liegen auf unterdurchschnittlichem Niveau.

Seit Herbst 2021 erheben Ingenieurbüros in Baden-Württemberg Daten für den „Masterplan Wasserversorgung“. Es geht um Wassermengenbilanzen, Strukturen der Trinkwasserversorgung in

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