Rems-Murr-Kreis

Trotz Impfung krank? Corona Rems-Murr: Daten zum Thema Impfdurchbrüche

Impfung
Symbolfoto. © ZVW/Alexandra Palmizi

Immer wieder gischtet dieses Gerücht hoch: Eine Impfung schütze im Grunde gar nicht vor Infektion, es gebe Unmengen sogenannter "Impfdurchbrüche" - das Virus dringe sozusagen durch die Vakzin-Schutzmauer. Was ist da dran, was geben die vorliegenden Daten aus dem Rems-Murr-Kreis dazu her? Und: Sind wir schon auf dem Weg zur Drittimpfung? Eine Lage-Analyse mit erstaunlich aussagekräftigen Befunden ...

Thema Drittimpfung: Der Kurs der Rems-Murr-Kliniken

Die Rems-Murr-Kliniken werden im September offiziell damit beginnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich gegen Corona haben impfen lassen, eine Auffrischimpfung anzubieten. Bringt so eine Drittimpfung überhaupt etwas?

„Erfreulicherweise haben in den vergangenen Monaten viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Corona-Impfangebot für Erst- und Zweitimpfungen innerhalb der Rems-Murr-Kliniken in Anspruch genommen“, sagt Dr. Torsten Ade, Chefarzt der Notaufnahme Rems-Murr-Klinikum Winnenden und Klinikhygieniker. „Um dieses Angebot weiter auszubauen, bieten wir ihnen ab September 2021 die Möglichkeit der Auffrischimpfung mit dem Biontech-Vakzin.“

Innerhalb der Impfzentren fallen aktuell regelmäßig Impfdosen an, die für einen „Off-Label-Use“ genutzt werden können und für eine dritte Impfung verfügbar sind, so Ade. Diese Situation entsteht, wenn einzelne Impfdosen aufgezogen wurden und verfallen würden, zum Beispiel, weil Termine nicht wahrgenommen wurden. „Die reguläre Impfkampagne wird dadurch nicht beeinflusst“, sagt Ade.

Da zum jetzigen Zeitpunkt noch keine offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für eine Drittimpfung vorliegt, werde diese Impfung lediglich freiwillig und nach umfangreicher Beratung durchgeführt. „Über einen zweistufigen Prozess erhalten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunächst einen Termin zur Impfberatung, um ausführlich über mögliche Risiken aufgeklärt zu werden. Erst im Anschluss erhalten sie einen Impftermin nach Verfügbarkeit.“

Ermutigende Daten für eine „Booster-Impfung“

Studien der Israelis legen nahe, dass eine dritte Corona-Impfung nach sechs Monaten angeraten ist. Eine Zulassung für eine dritte „Booster-Impfung“ gibt es jedoch noch nicht, weder in der EU noch den USA. Auch ist die Frage offen, ob die Impfstoffe modifiziert werden müssten, insbesondere wegen der Virusvarianten. Biontech/Pfizer haben jedoch bei einer angelaufenen Studie zu einer Booster-Impfung „ermutigende Daten“ beobachtet. Bei 10 000 Teilnehmern, von denen die eine Hälfte den Impfstoff erhalte und die andere ein Placebo, sei die Zahl der Antikörper bei den Geimpften um das Fünf- bis Zehnfache höher als nach den ersten beiden Impfungen.

Rems-Murr-Kliniken nur zwei Fälle von Impfdurchbrüchen bekannt

Und Infektionen trotz Impfung? „Im Rahmen des Infektionsgeschehens der Corona-Pandemie sind uns zwei Fälle bekannt, bei denen eine Infektion mit einem milden beziehungsweise asymptomatischen Krankheitsverlauf nach abgeschlossener Immunisierung durch zwei Impfungen festgestellt wurde“, sagt Dr. Torsten Ade. So weit die Wahrnehmung aus Kliniksicht - sie klingt beruhigend, ist aber natürlich nicht repräsentativ. Deshalb: Anfrage an die Kreisverwaltung ...

Die Anzahl der im Rems-Murr-Kreis registrierten „Impfdurchbrüche“ lag mit Stand vom 25. Juli bei 48 Fällen, teilt Juliane Jastram von der Pressestelle des Landratsamts mit. Rechnet man die Zahl mit den bis zu diesem Datum 197.220 vollständig Geimpften im Landkreis gegen, so lag die „Impfdurchbruch-Quote“ bei 0,024 Prozent. Das ist ausgesprochen wenig, wobei natürlich mit einer Dunkelziffer zu rechnen ist: Wenn Impfdurchbrüche symptomlos bleiben, werden sie nicht erkannt beziehungsweise gemeldet.

Laut RKI liegt die Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna bei 95 Prozent (14 Tage nach der zweiten Impfung). Bei den sogenannten Vektor-Impfstoffen ist die Wirksamkeit ein wenig geringer: Bis zu 80 Prozent sind es bei dem Impfstoff von Astrazeneca. Johnson & Johnson gibt für sein Vakzin eine Wirksamkeit von 66 Prozent an.

„Impfstoffe gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 verhindern, an Covid-19 zu erkranken, und bieten einen hochwirksamen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen“, erläutert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

In seinem Situationsbericht vom 14. Juli listet das RKI 5374 deutschlandweit registrierte Fälle von Impfdurchbrüchen seit Anfang Februar auf. 676 Betroffene mussten im Krankenhaus behandelt werden, davon waren 614 älter als 60 Jahre. Zum Vergleich: Bis 21. Juli waren bundesweit knapp 40 Millionen Menschen vollständig geimpft.

Warum Impfstoffe bei Älteren tendenziell „schlechter“ wirken als bei Jüngeren

Warum es gerade in Pflegeheimen trotz vollständiger Impfung der Bewohner zu Corona-Ausbrüchen kommen kann, hat die Berliner Charité untersucht. Die Effizienz und Wirksamkeit von Impfstoffen hängt auch vom Alter der Geimpften ab. Mit dem Alter lasse bei vielen die Immunreaktion nach. Diese sei nach der Impfung „deutlich verzögert“ und erreiche nicht das Niveau von Jüngeren, teilte die Charité mit.

Defizite bei der Immunantwort gibt es laut Ständiger Impfkommission (Stiko) mitunter aber auch bei Jüngeren – etwa wenn das eigene Immunsystem nach einer Organtransplantation mit Medikamenten gezielt unterdrückt wird.

Daten aus verschiedenen Studien belegen, dass die in Deutschland zur Anwendung kommenden Covid-19-Impfstoffe Infektionen (symptomatisch und asymptomatisch) in einem erheblichen Maße verhindern. „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, ist bereits niedrig, aber nicht null“, so das RKI.

Können Geimpfte eine Corona-Infektion trotz Impfung weitergeben?

In welchem Maß die Impfung darüber hinaus die Übertragung des Virus weiter reduziere, könne derzeit nicht genau quantifiziert werden. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei aber davon auszugehen, dass die Viruslast bei Personen, die trotz Impfung mit Sars-CoV-2 infiziert werden, „stark reduziert und die Virusausscheidung verkürzt ist“.

In der Summe sei daher das Risiko einer Virusübertragung stark vermindert. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass einige Menschen nach Kontakt mit Sars-CoV-2 trotz Impfung (asymptomatisch) PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden.

„Dieses Risiko muss durch das Einhalten der Infektionsschutzmaßnahmen zusätzlich reduziert werden“, betont das RKI. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), auch nach Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen (Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten, Lüften) weiterhin einzuhalten.

Immer wieder gischtet dieses Gerücht hoch: Eine Impfung schütze im Grunde gar nicht vor Infektion, es gebe Unmengen sogenannter "Impfdurchbrüche" - das Virus dringe sozusagen durch die Vakzin-Schutzmauer. Was ist da dran, was geben die vorliegenden Daten aus dem Rems-Murr-Kreis dazu her? Und: Sind wir schon auf dem Weg zur Drittimpfung? Eine Lage-Analyse mit erstaunlich aussagekräftigen Befunden ...

Thema Drittimpfung: Der Kurs der Rems-Murr-Kliniken

Die Rems-Murr-Kliniken

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper