Rems-Murr-Kreis

Trotz Warnung des Landrats aus dem Ostalbkreis: Niedrige Corona-Zahlen im Raum Stuttgart, auch an Rems und Murr

Abstrich
Positiver oder negativer Corona-Befund? Ein Abstrich ist schnell gemacht. © Benjamin Büttner

Eine Pressemitteilung aus dem Ostalbkreis ließ am Freitag aufhorchen: Landrat Klaus Pavel zeigte sich alarmiert wegen der Corona-Fälle, die sich in den vorangegangenen beiden Wochen verdreifacht hatten. Allerdings ging’s dabei wohl vor allem darum, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Denn wirklich besorgniserregend sind die Zahlen weder im Ostalbkreis noch in den weiteren Landkreisen im Raum Stuttgart.

Niemand will sich nachsagen lassen, eine Gefahr unterschätzt zu haben. Insofern hat Pavel alles richtig gemacht, als er auf die Zahlen im Ostalbkreis hinwies. Am Freitag, 26. Juni, gab es 40 aktive Fälle, am 16. Juni waren es lediglich 16 gewesen.

Deshalb sei er „in größter Sorge“, wurde der Landrat in der Pressemitteilung zitiert. Er erinnerte an die Brennpunkte in Deutschland: „Wir alle haben vor Augen, wie schnell die Situation wieder kippen kann und die Corona-Zahlen exponentiell steigen können. Niemand von uns möchte zurück in einen Lockdown!“

Hat der Landrat nur die Pferde scheu gemacht?

Stimmt. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, Pavel habe die Pferde über Gebühr scheu gemacht. Denn erst wenn es binnen sieben Tagen mehr als 50 neue Fälle pro 100 000 Einwohner gibt, schrillen die Alarmglocken und die Corona-Regeln werden wieder verschärft.

Laut Robert-Koch-Institut, dessen Zahlen zwar aufgrund von Meldeverzögerungen von denen der Landratsämter abweichen, aber nur auf niedrigem Niveau, lag der Sieben-Tage-Wert für den Ostalbkreis zuletzt bei 5,4. Erlaubt wären bei rund 314 000 Einwohnern aber 157 Neuinfektionen. Und die aktuellen Daten aus dem Landratsamt lesen sich wie eine Entwarnung: Insgesamt nur noch 32 aktive Fälle, also inklusive Neuinfektionen, wurden am Montag vermeldet.

Klaus Pavel war nach vermeintlichem Fall in Kindertagesstätte besorgt

Was also trieb den Landrat um? Pressesprecherin Susanne Dieterle sagt, es sei ein vermeintlicher Fall in einer Kindertagesstätte in Schwäbisch Gmünd gewesen. Weil die Mutter des positiv getesteten Kleinkindes selbst in einer solchen Einrichtung arbeitet, wurden gleich beide Tagesstätten vorsorglich und kurz geschlossen. Doch inzwischen gebe es Entwarnung, ein neuerlicher Test beim Kind sei negativ gewesen.

Zweitens habe sich Pavel wegen eines Falls im Rahmen einer Privatfeier in Ellwangen Sorgen gemacht. Wieder ging es glimpflich aus: Zwar seien inzwischen weitere Neuinfektionen gemeldet worden, doch deutlich weniger als befürchtet, so Dieterle.

Corona-Statistik ändert sich wegen Einzelfällen

Auch in den anderen Landkreisen im Raum Stuttgart geht es ruhig zu. Im Rems-Murr-Kreis ist ein Rekord eingestellt worden. Zuletzt wurde an drei Tagen in Folge kein einziger neuer Fall gemeldet. Das hat es erst einmal gegeben: vom 31. Mai bis 2. Juni. Allerdings: Erfahrungsgemäß werden Einzelfälle nachgemeldet, womit sich die Tagesstatistiken in geringem Maß ändern können.

In den vergangenen sieben Tagen sind bislang nur 14 Neuinfektionen bekanntgeworden. Angesichts von rund 426 000 Einwohnern ergibt das heruntergerechnet auf 100 000 Einwohner gerade mal 3,3 Neuinfektionen (50 erlaubt). In den beiden Sieben-Tage-Abschnitten zuvor waren die Zahlen trotz nachgetragener Testergebnisse nur geringfügig höher: 22 Fälle vom 16. bis 22. Juni (5,2 pro 100 000 Einwohner) und 17 Fälle vom 9. bis 15. Juni (4,0).

In Esslingen liegt der Sieben-Tage-Wert Stand diesen Montag bei 2,1, in Böblingen bei 3,3 und in Göppingen, Spitzenreiter auf sehr niedrigem Niveau, bei 7,36.

Weitgehende Lockerungen von Mittwoch, 1. Juli, an

Angesichts dieser Zahlen ist klar, dass die Zeit für neue Corona-Lockerungen gekommen ist. Sehr weitgehende wird es in Baden-Württemberg von Mittwoch, 1. Juli, an geben. Hier sind die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

  • Im öffentlichen genauso wie im privaten Raum dürfen sich wieder 20 Personen treffen. Es werden also keine Unterschiede mehr gemacht.
  • Für private Feiern muss kein Hygienekonzept mehr aufgestellt werden. Allerdings nur, sofern nicht mehr als 100 Personen teilnehmen. Auch Tanzen ist wieder erlaubt.
  • Spiele in Mannschaftssportarten wie Handball, Fußball, Volleyball und Basketball sind wieder ohne jegliche Abstandsregeln möglich. Allerdings gilt fürs Training die Höchstgrenze von 20 Personen. Zugelassen sind außerdem wieder Kontaktsportarten wie Ringen, Judo, Boxen und Kickboxen. Auch Wettkämpfe sind erlaubt, es gilt die maximale Teilnehmerzahl von 100 Sportlern und die gleiche Höchstgrenze für Zuschauer. Bei fester Sitzordnung dürfen sogar 250 Personen zuschauen.
  • Wieder stattfinden dürfen Kulturveranstaltungen, Vereinstreffen oder Mitarbeiterversammlungen mit bis zu 250 Personen. Den Teilnehmern muss aber für die gesamte Zeit ein fester Platz im Raum zugewiesen sein und die Veranstaltung zudem nach einem vorher festgelegten Plan ablaufen.
  • Für maximal 20 Personen gleichzeitig dürfen Schwimmkurse stattfinden. Duschen ist wieder möglich, auch in der Sauna.
  • In Pflegeeinrichtungen sind die Besuchszeiten nicht mehr begrenzt. Es sind aber pro Bewohnerin und Bewohner nur bis zu zwei Besuche pro Tag erlaubt. Es gelten weiterhin Maskenpflicht sowie Mindestabstand.

Eine Pressemitteilung aus dem Ostalbkreis ließ am Freitag aufhorchen: Landrat Klaus Pavel zeigte sich alarmiert wegen der Corona-Fälle, die sich in den vorangegangenen beiden Wochen verdreifacht hatten. Allerdings ging’s dabei wohl vor allem darum, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Denn wirklich besorgniserregend sind die Zahlen weder im Ostalbkreis noch in den weiteren Landkreisen im Raum Stuttgart.

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Niemand will sich nachsagen lassen, eine Gefahr unterschätzt zu haben.

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