Rems-Murr-Kreis

Umbruch im Rudersberger Traditionsunternehmen: Skandinavier wollen Weru übernehmen

WERU
Stefan Löbich, Geschäftsführer beim Rudersberger Fenster- und Türenhersteller Weru. © Gabriel Habermann

Im Mai noch bejubelte Weru-Geschäftsführer Stefan Löbich, dass die Zahlen im ersten Quartal 2021 „weit über Plan“ lägen und auch das Jahr 2020 trotz Corona überraschend gut gelaufen sei. So gut offenbar, dass Dovista, ein dänisches Unternehmen, das in Skandinavien, Großbritannien und Irland Fenster vertreibt, Lust auf das Rudersberger Traditionsunternehmen bekommen hat. Wie die Skandinavier mitteilen, wollen sie Weru vom bisherigen US-amerikanischen Gesellschafter H.I.G. Capital übernehmen. H.I.G. und Dovista sind sich einig, jetzt müssen noch die Wettbewerbsbehörden in Deutschland und Österreich dem Geschäft zustimmen.

Nach einigen schweren Jahren geht es wieder aufwärts mit Weru

Weru ist noch nicht lange solch ein Bonbon: Das Unternehmen schrieb einige Jahre rote Zahlen. Im Sommer 2019 dann holte der Aufsichtsrat den Heilbronner Stefan Löbich als Geschäftsführer nach Rudersberg. Seitdem ging’s aufwärts. Schon 2019 war das Ergebnis leicht positiv, 2020 stieg der Umsatz weiter. Löbich hatte den Umschwung zum einen mit sogenannten Sale-and-lease-back-Geschäften angestoßen: Firmengrundstücke wurden verkauft und zurückgemietet. Das spülte in Rudersberg mehr als 20 Millionen Euro in die Kasse. Die Kehrseite ist freilich, dass in den Folgejahren für die verkauften Immobilien Miete gezahlt werden muss.

Geschäftsführer Löbich und sein Vertriebsleiter Bernd Schlümer begannen aber auch, das Image des Fenster- und Türenherstellers der Zeit anzupassen. Es gab neue Farben und neue Kataloge, die mit Magazin-Charakter glänzten. Die Fachhändler – Weru verkauft seine Fenster und Türen traditionell über Fachhändler – scheinen’s zu goutieren.

Weru ergänzt die Produkte von Dovista und erschließt dem Unternehmen den deutschen Raum

Wird Weru nun an Dovista verkauft, werden die Rudersberger Teil eines Unternehmens, das bislang weiter nördlich, in Skandinavien, Großbritannien und Irland, Fenster aus Holz und Holz/Aluminium vertreibt. Man wolle die Weru Group „in unseren starken Verbund von unverwechselbaren Marken“ aufnehmen, erklärt Allan Lindhard Jørgensen, CEO und Präsident von Dovista, in einer Pressemitteilung. Weru ergänze Dovista geografisch als auch von den Produkten her. Die zur Weru Group gehörenden Marken Weru und Unilux stellen nämlich neben Holz- und Holz-Aluminium-Fenstern auch PVC-Fenster und -Türen her; Weru ist hier der Marktführer in Europa. „Mit der Übernahme ergänzen wir unser bestehendes Markenportfolio um eine renommierte deutsche Fenster- und Haustürgruppe mit einer 175-jährigen Erfolgsgeschichte. Die Weru Group und ihre beiden Marken Weru und Unilux verfügen über eine breite Produktpalette, die unser bestehendes Angebot gut ergänzen wird“, heißt es in der Pressemitteilung.

Dovista, so die Pressemitteilung weiter, setze auf Unternehmen mit „starker lokaler Verwurzelung, tiefer Kenntnis der lokalen Bautraditionen und engen Kundenbeziehungen“. Klingt gut, dennoch geht’s freilich ums harte Geschäft im Baugewerbe, das in der Corona-Zeit ob der vielen Sanierungen, die Häuslesbesitzer in Angriff genommen haben, beflügelt daherkommt: „Wir positionieren Dovista in Deutschland durch dieses Vorhaben“, heißt es in der Pressemitteilung weiter, auch wenn die „unverwechselbaren Marken“ stets betont werden.

Was bedeutet der Verkauf für das Rudersberger Unternehmen und seine Mitarbeiter?

Was wird der Verkauf für Weru bedeuten? Bleiben die zwei Marken Weru und Unilux erhalten? Wie wird der neue Gesellschafter Einfluss nehmen? Und müssen die insgesamt rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 380 davon arbeiten in Rudersberg, die anderen im thüringischen Triptis und in Salmtal in Rheinland-Pfalz, um ihre Arbeitsplätze bangen? Bislang sind aus Rudersberg keine Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Weder die Weru-Presseabteilung noch die Geschäftsleitung haben sich geäußert, auch vom Betriebsrat ist keine Stellungnahme gekommen.

Auf Boerse.de wird Weru-Geschäftsführer Stefan Löbich mit folgenden Worten zitiert: „Ich danke H.I.G. für die fortlaufende Unterstützung – nun freue ich mich sehr darauf, für Weru ein neues Kapitel als Teil der Dovista-Gruppe aufzuschlagen.“ Die für die Rudersberger wirklich wichtigen Themen sind mit diesem höflichen Statement nicht geklärt.

Im Mai noch bejubelte Weru-Geschäftsführer Stefan Löbich, dass die Zahlen im ersten Quartal 2021 „weit über Plan“ lägen und auch das Jahr 2020 trotz Corona überraschend gut gelaufen sei. So gut offenbar, dass Dovista, ein dänisches Unternehmen, das in Skandinavien, Großbritannien und Irland Fenster vertreibt, Lust auf das Rudersberger Traditionsunternehmen bekommen hat. Wie die Skandinavier mitteilen, wollen sie Weru vom bisherigen US-amerikanischen Gesellschafter H.I.G. Capital übernehmen.

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