Rems-Murr-Kreis

„Unsinnig, inakzeptabel“: Gaby Schröder, Alexander-Stift, zur Pflege-Impfpflicht

Gaby Schröder
Gaby Schröder, Geschäftsführerin des Alexander-Stifts, redet Tacheles. © THOMAS WAGNER

Die für den Herbst in Aussicht gestellten Corona-Regeln seien unzureichend, die einrichtungsbezogene Impfpflicht sei ein Dauer-Ärgernis: Gaby Schröder, Geschäftsführerin des Pflegeheim-Trägers Alexander-Stift, wird deutlich. Vor allem die „Ungleichbehandlung der Pflegekräfte“ sei „inakzeptabel“. Es gebe viel schlüssigere Schutzkonzepte als die "unsinnige" Teil-Impfpflicht.

Die Anfang August von den Bundesministern für Gesundheit und Justiz vorgestellten Corona-Regeln für den Herbst sind aus Sicht des Alexander-Stifts – und auch weiterer diakonischer Altenhilfe-Träger in Württemberg – nicht überzeugend. „So fehlen etwa Informationen zum weiteren Umgang mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht im neuen Regelkatalog.“ Diese Impfpflicht gilt nämlich eigentlich nur noch bis zum 31. Dezember. Sie kann indes verlängert werden – aber ob es so kommen wird, lässt das neue Regelwerk offen.

Klar ist jedoch, dass bereits ab Anfang Oktober verschärfte Vorgaben zum erforderlichen Immunstatus gelten. Ab diesem Datum gelten Mitarbeitende der Einrichtungen nur noch dann als vollständig geimpft, wenn sie eine Booster-Impfung erhalten haben oder zweimal geimpft und einmal genesen sind.

„Personalsituation ohnehin schon zum Zerreißen angespannt“

Kritik gibt es schon lange, auch der Zeitungsverlag Waiblingen zweifelt stark am Konzept - für Gaby Schröder ist das politische Festhalten an der einrichtungsbezogenen Impfpflicht und ihre Verschärfung „nicht nur ungerecht, sondern aus mehreren Gründen unsinnig: Unsere Personalsituation ist durch den Fachkräftemangel und durch Corona-Quarantänen ohnehin schon zum Zerreißen angespannt. Durch die Verschärfung und bei einer möglichen Verlängerung müssen wir mit weiteren Kündigungen rechnen. Oben drauf bekommen wir noch zusätzliche Probleme, Fachkräfte und Auszubildende zu finden. Abgesehen davon ist die Impfpflicht völlig wirkungslos und unsinnig, wenn sie nur für die Mitarbeitenden und nicht für die Bewohner und Besucher gilt. Der Schutz vulnerabler Gruppen in unseren Einrichtungen und Diensten kann mit dieser eher symbolischen Regelung nicht gewährleistet werden.“

Bündel von Schutzmaßnahmen statt einrichtungsbezogener Impfpflicht

Hinzu kommt: Im Alexander-Stift sind sowieso über 95 Prozent der Mitarbeitenden mindestens zweimal geimpft.

Einen wirkungsvollen Infektionsschutz, findet Schröder, leiste „eine Kombination aus hoher Impfquote bei Mitarbeitenden und Bewohnern, lückenloser Testung, konsequentem Maskentragen und medizinischer Kompetenz der Fachkräfte“.

Schröder folgert: Die einrichtungsbezogene Impfpflicht müsse „so schnell wie möglich ausgesetzt“ und dürfe „keinesfalls verlängert“ werden, „die völlig überzogene Ungleichbehandlung unserer Pflegekräfte ist inakzeptabel. Jeder weiß, dass eine Impfung eine Weitergabe des Virus nicht verhindert. Warum müssen sich Pflegekräfte impfen lassen, nicht aber die betreuten Senioren oder die Bevölkerung?“

„Gezwungen, ganze Pflegebereiche zeitweise zu schließen“

Das Festhalten an der einrichtungsbezogenen Impfpflicht habe auch schwerwiegende Folgen für die Senioren mit Pflegebedarf und ihre Familien. „In der momentanen Situation sehen wir uns nicht in der Lage, die Versorgung nachhaltig sicherzustellen. An einigen Stellen sind wir trotz hoher Nachfrage gezwungen, freie Pflegeplätze oder ganze Pflegebereiche zeitweise zu schließen, weil uns das Fachpersonal fehlt.“ Die unklare Situation bringe „für uns als Einrichtungsträger auch enorme wirtschaftliche Risiken mit sich. Wir brauchen dringend einen neuen Rettungsschirm für die Pflege, um diese Risiken abzufedern.“

Mit ihrer Forderung nach einem Ende der einrichtungsbezogenen Impfpflicht und einem Rettungsschirm für die Pflege weiß Schröder die Geschäftsführungskollegen der mehr als 250 Pflegeheime der Diakonie in Württemberg hinter sich, die derzeit allerorten mit gleichlautenden Forderungen ebenfalls an die Öffentlichkeit gehen.

Auch die im Württembergischen Evangelischen Fachverband für Altenhilfe (WEFA) zusammengeschlossenen Träger stationärer Einrichtungen und der Landesverband der Diakonie und Sozialstationen warnen vor Personalengpässen: „In der momentanen Situation sehen wir uns nicht in der Lage, die Versorgung nachhaltig sicherzustellen, und sind gezwungen, die ambulante Versorgung und die Belegung in den stationären Einrichtungen an die vorhandenen Kapazitäten anzupassen. Dies kann nur durch Aufnahmestopp und temporäre Schließung von einzelnen Pflegeplätzen oder ganzen Bereichen erfolgen.“

Die für den Herbst in Aussicht gestellten Corona-Regeln seien unzureichend, die einrichtungsbezogene Impfpflicht sei ein Dauer-Ärgernis: Gaby Schröder, Geschäftsführerin des Pflegeheim-Trägers Alexander-Stift, wird deutlich. Vor allem die „Ungleichbehandlung der Pflegekräfte“ sei „inakzeptabel“. Es gebe viel schlüssigere Schutzkonzepte als die "unsinnige" Teil-Impfpflicht.

Die Anfang August von den Bundesministern für Gesundheit und Justiz vorgestellten Corona-Regeln für den Herbst

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