Rems-Murr-Kreis

Unsolidarische Hamsterkäufe: Sonnenblumenöl und was sonst noch rationiert wird

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Leere Sonnenblumenöl-Schachteln in einem Discounter in Weinstadt. © Leserfoto

Wer dieser Tage im Supermarkt einkauft, steht in manchen Sektionen vor geleerten Regalen. So geht etwa Sonnenblumenöl gerade weg wie warme Semmeln. Um Hamsterkäufen entgegenzuwirken, sind Supermärkte auch im Rems-Murr-Kreis dazu übergegangen, den Verkauf von Speiseölen und anderen Agrarprodukten auf so und so viel Stück pro Person zu beschränken. Gibt es infolge des Ukraine-Kriegs tatsächlich Lieferengpässe?

„5 Flaschen Öl pro Haushalt!“ steht auf einem handbeschriebenen Zettel, der am Regal über in jenem Moment leeren Sonnenblumenöl-Schachteln in einem Discounter in Weinstadt befestigt ist. In einem anderen Supermarkt im Raum Winnenden wird noch mehr rationiert: „Mehl: 3 Stück, Zucker: 2 Stück, Öl: 2 Stück, Nudeln: 3 Stück, Reis: 3 Stück, Kaffee: 4 Stück, H-Milch: 1 Karton. Die restlichen Warengruppen in einzelhandelsüblichen Mengen! Wir bitten um Beachtung, da wir jeden unserer Kunden bedienen möchten.“

Speiseöl-Vorrat geht bald zur Neige

Vor allem der Vorrat an Sonnenblumenöl geht derzeit offenbar zur Neige. „Die Vorräte reichen voraussichtlich noch für wenige Wochen“, sagte der Geschäftsführer der Ovid, des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland, Gerhard Brankatschk, der Deutschen Presse-Agentur.

Tatsächlich stammen 51 Prozent der auf dem Weltmarkt zur Verfügung stehenden Menge an Sonnenblumenöl aus der Ukraine, sagte Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Wenn „ein so wichtiger Rohstofflieferant“ ausfalle, könne das sicher nicht lange ohne Auswirkungen bleiben. Der BVLH appelliert dennoch an die Bevölkerung, von Hamsterkäufen abzusehen. Die Kunden sollten sich solidarisch verhalten und Produkte nur in haushaltsüblichen Mengen einkaufen, so Böttcher.

Auch bei Lein- und Rapssaaten könnten Lieferengpässe entstehen, teilt der Verband Ovid mit. "Fast 90 Prozent der in der EU verarbeiteten Leinsaaten werden importiert. Davon stammen 37 Prozent aus Russland und 5 Prozent aus der Ukraine. Zusätzlich importiert Deutschland 10 Prozent der hierzulande verarbeiteten Rapssaaten aus der Ukraine."

„Wir verzeichnen aktuell in unseren Filialen eine erhöhte Nachfrage insbesondere nach Sonnenblumenöl sowie Rapsöl und Olivenöl“, bestätigt Nastaran Amirhaji, Pressesprecherin von Aldi Süd. „Wir bitten unsere Kunden und Kundinnen immer, Waren nur in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen.“ Bei größeren Nachfragen behalte sich Aldi wie immer vor, die Abgabemenge pro Kunde vorübergehend einzuschränken, so Amirhaji.

Florian Heitzmann, stellvertretender Pressesprecher von Edeka Südwest, betont: „Aktuell können wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten eine ausreichende Versorgung mit allen Produkten des täglichen Bedarfs sicherstellen.“ Bei einzelnen Produkten könne es aber kurzzeitig zu Lieferengpässen kommen. „Dies betrifft insbesondere Speiseöle, die zum Teil auch aus der Ukraine stammen.“ Produktalternativen seien aber vorbereitet. Waren im Markt werden „grundsätzlich nur in haushaltsüblichen Mengen abgegeben“.

Die Agrarriesen Russland und Ukraine

Die Ukraine gilt als Kornkammer Europas. Nach UN-Daten waren Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Gerste 2020 mit insgesamt 19,1 Prozent die größte Warengruppe unter allen ukrainischen Exporten – deutlich vor Stahlprodukten (15,6 Prozent). Fette, Öle und Wachse tierischen oder pflanzlichen Ursprungs kamen mit 11,7 Prozent auf den dritten Rang der Ausfuhren.

Auch Russland ist ein großer Agrar-Exporteur. Das von Europa streng sanktionierte Putin-Regime hat im Gegenzug am Dienstag (15.3.) einen Exportstopp für Weizen, Roggen, Gerste, Mais und Mischgetreide verhängt; Geltung vorerst bis zum 30. Juni.

Russland ist laut UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der weltgrößte Weizen-Lieferant, die Ukraine liegt in der Statistik auf Rang fünf. Die kriegsbedingten Störungen der Getreideausfuhren beider Länder können nach Experten-Meinung zu massiven Preissteigerungen auf dem Weltagrarmarkt führen. Davon geht auch Europas zweitgrößter Agrarhändler Agravis Raiffeisen mit Hauptsitz in Münster aus.

Noch schlimmere Auswirkungen könnte der Ukraine-Krieg auf die Entwicklungsländer haben: Die FAO befürchtet, dass die Zahl von unterernährten Menschen weltweit in 2022/23 um 8 bis 13 Millionen steigen wird, sollte der Krieg in der Ukraine noch Monate andauern.

ADAC warnt: Kein Speiseöl statt Diesel! 

Trotz Preisanstiegs kostet der Liter Rapsöl noch weniger als der Liter Diesel. Manche Autofahrer überlegen daher, Speiseöl zu tanken. Der ADAC rät davon ab. Der Viskositätsunterschied führe zu verringerter Motorleistung und beschädige Motor und Kraftstoffsystem.

Diesel-Diebstahl im Trend

Die Zahl der Fälle von Dieseldiebstahl steigt derweil. Auch im Rems-Murr-Kreis wurden der Polizei entsprechende Fälle gemeldet. In Großerlach ereigneten sich in den vergangenen Tagen bereits zwei Fälle von Dieseldiebstahl. In der Nacht zum achten März wurden aus zwei Baufahrzeugen bei der Kreisstraße 1809 zwischen Grab und Morbach 400 Liter Diesel entwendet. Am vergangenen Wochenende erfolgte ein zweiter Diebstahl von 200 Litern bei der Kläranlage. Der Schaden beläuft sich auf 1000 respektive 500 Euro. Hinweise: Tel. 0 71 93 / 3 52.

Wer dieser Tage im Supermarkt einkauft, steht in manchen Sektionen vor geleerten Regalen. So geht etwa Sonnenblumenöl gerade weg wie warme Semmeln. Um Hamsterkäufen entgegenzuwirken, sind Supermärkte auch im Rems-Murr-Kreis dazu übergegangen, den Verkauf von Speiseölen und anderen Agrarprodukten auf so und so viel Stück pro Person zu beschränken. Gibt es infolge des Ukraine-Kriegs tatsächlich Lieferengpässe?

„5 Flaschen Öl pro Haushalt!“ steht auf einem handbeschriebenen Zettel, der

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