Rems-Murr-Kreis

"Unverhältnismäßig", „skandalös“: Schorndorfer Kinderarzt kritisiert Dauermaskenpflicht für Schüler

Kinderärzte
Er ist definitiv kein Corona-Leugner – aber die Dauermaskierung in der Schule findet der Kinderarzt Dr. Ralf Brügel falsch. © Benjamin Buettner

Dauermaskierung für Schüler im Unterricht und dann auch noch in der Pause? „Hier stimmt die Verhältnismäßigkeit überhaupt nicht, und ich finde es geradezu skandalös, eine solche Verordnung in Kraft zu setzen.“ Dies schreibt kein Spinner, dies schreibt, argumentativ gut unterfüttert, der angesehene Schorndorfer Kinderarzt Dr. Ralf Brügel in einem Brief an Kultusministerin Eisenmann - das Echo ist gewaltig. Wir sprachen mit Brügel über die Hintergründe seines Vorstoßes.

Zur Person: Ralf Brügel und seine bisherigen Statements zu Corona

„Ich leugne in keinster Weise die Existenz und die Gefahr von Covid-Erkrankungen“, beginnt Brügel seinen Brief. Haltlose Gerüchte über Kinder, die angeblich wegen der Maske an CO2-Vergiftung gestorben seien, kommentierte er in unserer Zeitung schon vor einiger Zeit bündig: „Schwachsinn“.

Ähnlich klare Worte hat er schon oft gewählt: Schutzimpfungen? „Ich bin klassisch pro Impfen. Ich empfehle aktiv MMR“, also die Masern-Mumps-Röteln-Kombi. Querdenken711? „Sauer und sprachlos machen mich die Menschen, die in Berlin ohne Mundschutz und Abstand demonstrieren. Zum einen, weil sie uns alle gefährden mit ihrem Verhalten. Zum anderen, weil ihre Ansichten zum Teil völlig absurd sind. Das ist indiskutabel.“

Verschwörungstheorien: überhaupt nicht sein Ding.

Umso schwerer wiegt seine Intervention zur Maske in der Schule.

Corona und die Maske in der Schule: Brügels Argumentation im Detail

Brügel schreibt: „Berufsbedingt“ sehe er sich „als Anwalt der Kinder und Jugendlichen – und „ich bin frustriert und geradezu sauer darüber, wie unsauber politisch bei der Einführung der Maskenpflicht an Schulen gearbeitet wurde und wie sehr hier Politik auf Kosten derer gemacht wird, die keine Lobby haben.“

Aktuell, klagt Brügel, werde Kindern und Jugendlichen – „die nach allem, was wir wissen, eher wenig zur Infektionsausbreitung beitragen“ – Drastisches abverlangt, während „Erwachsene entweder weiterhin die Auflagen großzügig ohne Konsequenzen ignorieren dürfen oder erst gar keine so strengen Auflagen in ihrem beruflichen Alltag haben.“ Für die Kinder bedeute das: Sofern das Regelwerk korrekt umgesetzt wird, dürfen sie „vom Betreten des Schulgeländes bis zum Verlassen desselben die Maske nicht abnehmen“, auch nicht in der Pause. „Im Extremfall sprechen wir von einem Zeitraum von weit über fünf Stunden. Jetzt nennen Sie mir bitte eine einzige Berufsgruppe (mit Ausnahme von Chirurgen und neuerdings Lehrern), die unter ähnlichen Bedingungen arbeiten muss.“

Er selber zum Beispiel trage zwar in der Praxis „selbstverständlich eine FFP2-Maske“ – aber ebenso selbstverständlich gehe er „alle 45 bis 60 Minuten in unseren Sozialraum“, nehme die Maske ab, trinke etwas und erhole sich. Brügels Fazit: Kinder und Jugendliche „schlechter zu behandeln als die erwachsenen Mitglieder unserer Gesellschaft, ist ein politisches Armutszeugnis.“

Das Echo: Hunderte von Eltern melden und bedanken sich

Der Arzt hat den Text am Montagabend auch auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht – und dafür bereits bis Dienstag, 13 Uhr, 2500 Likes und mehr als 700 Kommentare geerntet. Zitate:

  • „Unsere Tochter muss mit ihren 13 Jahren die Maske von 6.30 bis etwa 18.30 tragen. In meinen Augen unzumutbar. Sie beschwert sich nicht, aber sie tut mir wirklich leid.“
  • „Ich kann nur hoffen, dass sich Ihnen vieler Ihrer Kollegen anschließen. Ich finde keine Worte, was hier mit den Kindern angestellt wird. Danke für diesen Brief.“
  • „Meine zwei Kids, 5. und 8. Klasse, hatten heute beide von 7.40 bis 16.55 Uhr Schule. Beide haben Arbeiten geschrieben und am Abend erzählt, dass die Schüler reihenweise über Kopfschmerzen klagen.“
  • „Wenn sie die Masken wenigstens in der Pause an der frischen Luft abnehmen dürften, hätten sie immerhin 15 Minuten eine Chance, durchzuatmen.“

So klingen keine wirren Corona-Leugner, so klingen schlicht Eltern, die sich darüber Gedanken machen, ob das, was ihre Kinder jetzt auf sich nehmen müssen, wirklich Sinn ergibt. Stellvertretend noch ein Zitat: „Nur gemeinsam schaffen wir es durch diese schwierige Zeit – aber es muss verhältnismäßig bleiben. Und da geraten leider immer wieder unsere Kinder unter die Räder.“

Nur ganz vereinzelt finden sich in der Kommentarspalte Empfehlungen wie diese: „nach einem Arzt suchen, der ein Attest ausstellt.“

Darauf hat Ralf Brügel auf Facebook umgehend reagiert: „Damit wir uns nicht falsch verstehen – wir stellen nicht generell Atteste aus, um Kinder vom ständigen Tragen einer Maske zu befreien. Aber es muss möglich sein, dass Kinder ab und zu – unter Wahrung der Abstandsregel – ihre Maske abnehmen dürfen.“

Lesen Sie dazu auch das folgende Interview mit Ralf Brügel.

Dauermaskierung für Schüler im Unterricht und dann auch noch in der Pause? „Hier stimmt die Verhältnismäßigkeit überhaupt nicht, und ich finde es geradezu skandalös, eine solche Verordnung in Kraft zu setzen.“ Dies schreibt kein Spinner, dies schreibt, argumentativ gut unterfüttert, der angesehene Schorndorfer Kinderarzt Dr. Ralf Brügel in einem Brief an Kultusministerin Eisenmann - das Echo ist gewaltig. Wir sprachen mit Brügel über die Hintergründe seines Vorstoßes.

Zur Person:

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