Rems-Murr-Kreis

Update: Waiblinger Corona-Impfzentrum ist bald bereit, doch die Impfstoffe fehlen: Verfehlte Einkaufspolitik von Regierung und EU?

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Impfzentrum
Die Sportgeräte sind bereits abgebaut und eingelagert. Zunächst wurde ein neuer Boden verlegt, nun installiert ein Messebauer Impfkabinen, Anmeldestationen sowie Ruheräume und Büros in der Waiblinger Rundsporthalle. © ALEXANDRA PALMIZI
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Begutachteten am Montag den Fortschritt der Aufbau-Arbeiten für das Kreis-Impfzentrum in der Rundsporthalle in Waiblingen (von links): Oberbürgermeister Andreas Hesky, Landrat Dr. Richard Sigel und Bauleiter Veit Klausmann. © ALEXANDRA PALMIZI
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Begutachteten am Montag den Fortschritt der Aufbau-Arbeiten für das Kreis-Impfzentrum in der Rundsporthalle in Waiblingen (von links): Bauleiter Veit Klausmann, Landrat Dr. Richard Sigel und Oberbürgermeister Andreas Hesky. © ALEXANDRA PALMIZI
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Die Sportgeräte sind bereits abgebaut und eingelagert. Zunächst wurde ein neuer Boden verlegt, nun installiert ein Messebauer Impfkabinen, Anmeldestationen sowie Ruheräume und Büros in der Waiblinger Rundsporthalle. © ALEXANDRA PALMIZI
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Begutachteten am Montag den Fortschritt der Aufbau-Arbeiten für das Kreis-Impfzentrum in der Rundsporthalle in Waiblingen (von links): Oberbürgermeister Andreas Hesky, Landrat Dr. Richard Sigel und Bauleiter Veit Klausmann. © ALEXANDRA PALMIZI
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Die Sportgeräte sind bereits abgebaut und eingelagert. Zunächst wurde ein neuer Boden verlegt, nun installiert ein Messebauer Impfkabinen, Anmeldestationen sowie Ruheräume und Büros in der Waiblinger Rundsporthalle. © ALEXANDRA PALMIZI

Ab 27. Dezember sollen sich Menschen mit der höchsten Prioritätsstufe in Deutschland zunächst in den Zentralen Impfzentren (ZIZ) impfen lassen dürfen oder können von Mobilen Impfteams aufgesucht werden. Doch zu Beginn reichen die Impfstoffdosen nicht aus, um die ehrgeizigen Pläne der Landesregierung zu realisieren, wonach in den ZIZ von Beginn an 1500 bis 2500 Impfungen vorgenommen werden sollten.

Geimpft werden zunächst Impfwillige der höchsten Prioritätsstufe, so auch aus dem Rems-Murr-Kreis. Das sind: Über-80-Jährige, Pflegekräfte und medizinisches Personal in Bereichen mit hohem Ansteckungspotenzial und der vergleichsweise großen Gefahr schlimmer Covid-19-Krankheitsverläufe. In Baden-Württemberg gibt es neun ZIZ, darunter zwei in Stuttgart (Robert-Bosch-Krankenhaus und Liederhalle/Katharinen-Hospital) sowie eines in Rot am See im Landkreis Schwäbisch-Hall und eines auf dem Messegelände in Ulm. 

Erst am 15. Januar soll in den Kreis-Impfzentren (KIZ) geimpft werden. Rund 50 KIZ sind es in Baden-Württemberg. Jenes im Rems-Mur-Kreis entsteht gerade in der Rundsporthalle Waiblingen. Landrat Dr. Richard Sigel und Oberbürgermeister Andreas Hesky haben dort am Montag (21.12.) den Fortschritt der Aufbau-Arbeiten begutachtet. Die Sportgeräte sind bereits abgebaut und eingelagert. Zunächst wurde ein neuer Boden verlegt, nun installiert ein Messebauer Impfkabinen, Anmeldestationen sowie Ruheräume und Büros in der Halle.

Landrat: „Die Bürger müssen sich leider noch etwas länger gedulden“

„Mit Blick auf die Infrastruktur laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren weiter und wir bereiten uns im Rems-Murr-Kreis bestmöglich auf einen Betrieb ab Mitte Januar vor“, so Sigel. „Wir sind im Zeitplan und noch vor dem Jahreswechsel wird der Aufbau planmäßig abgeschlossen sein.“

Gleichzeitig befürchtet Sigel aber, dass sich die Bürgerinnen und Bürger trotzdem noch etwas länger werden gedulden müssten, bis der Betrieb des Kreisimpfzentrums und der Mobilen Impfteams richtig losgehen könne: „Ich habe meine Zweifel, dass pünktlich Mitte Januar ausreichend Impfstoff im Kühlschrank liegen wird, damit wir auch die angedachten rund 750 Impfungen am Tag umsetzen können“, sagt Sigel.

Tatsächlich: Die Impfstoffe sind knapp, womöglich auch wegen einer verfehlten Einkaufspolitik der Bundesregierung. Gesundheitsminister Jens Spahn musste am Sonntag (20.12.) einräumen, „anfänglich“, solle es gerade einmal nur rund 400 000 Dosen des Mittels BNT162b2 von Biontech/Pfizer für Impfungen in Deutschland geben. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat den Biontech-Impfstoff auch erst an diesem Montag (21.12.) zugelassen. Währenddessen liefert das Mainzer Unternehmen BNT162b2 bereits in alle Welt aus und der „deutsche“ Impfstoff wird dort auch schon längst geimpft (in Großbritannien, Israel, Japan, Saudi-Arabien, USA etc. pp.).

Wie kam’s? Weil sich die Bundesregierung bei ihrer Impfstoff-Einkaufspolitik an Absprachen innerhalb der EU gehalten hat, kommt auch Deutschland zunächst zu kurz. Andere Länder in der EU wollten Biontech als deutschen Hersteller nicht bevorzugen und so wurden auch Hersteller anderer Mitgliedsstaaten mit Vorbestellungen bedacht, deren Impfstoffe es jedoch immer noch nicht zur Marktreife geschafft haben.

Die Bundesregierung hat zwar nachbestellt bei Biontech. Im Januar könnten nach Angaben des Gesundheitsministeriums weitere drei bis vier Millionen Dosen von BNT162b2 zur Verfügung stehen. Doch die Impfdosen werden innerhalb Deutschlands nach Bevölkerungsanteil an die Bundesländer verteilt. Da kommt dann unten „anfänglich“ nicht mehr wirklich viel an.

Allein die Impfungen der höchsten Prio-Gruppe dauern wohl bis März

„Diesen Vorgang möchten wir als Landessozialministerium nicht bewerten“, sagt der Stuttgarter Ministeriumssprecher Pascal Murmann. Die Infrastruktur der ZIZ und der Mobilen Impfteams im Baden-Württemberg stehe, die der KIZ so gut wie. Man rechne aber erst für den Februar mit einer substanziellen Steigerung der Impfstoff-Lieferungen. „Darauf haben wir als Land keinen Einfluss.“

Baden-Württemberg ist mit 11,1 Millionen Einwohnern nach Nordrhein-Westfalen (17,9 Millionen, 21,5%) und Bayern (15,7 Millionen, 15,7%) das drittbevölkerungsreichste Bundesland, hat aber an der Gesamtbevölkerungszahl Deutschlands von 83,1 Millionen gerade einmal einen Anteil von 13,3 Prozent. Von den von Jens Spahn angekündigten anfänglichen 400 000 Impfdosen entfielen demnach nur 53 200 und von den weiteren vier Millionen Impfdosen im Januar immer noch wenig erkleckliche 532 000 auf Baden-Württemberg.

Gesetzt den Fall, auch anderen Herstellern gelingt die Marktreife und Zulassung ihrer Impfstoffe, rechnet Jens Spahn mit insgesamt elf bis 13 Millionen Impfdosen für Deutschland im ersten Quartal, also Januar bis April. Das bedeutete für Baden-Württemberg 1,73 Millionen Impfdosen.

Leider muss man die genannten Zahlen größtenteils noch halbieren. Zumindest das Präparat BNT162b2 von Biontech/Pfizer muss zweimal verabreicht werden, um einen nachhaltigen Impfschutz zu bewirken.

Ein anderer Sprecher des Landessozialministeriums hatte deshalb bereits am Freitag (18.12.) dieser Zeitung Folgendes erläutert: Allein in Baden-Württemberg gehören zu der potenziellen Impfgruppe der höchsten Priorität rund 1,2 Millionen Menschen. Bis man also mit nur dieser ersten Prio-Gruppe durch sei, benötigte man theoretisch 2,4 Millionen Impfdosen für unser Bundesland. „Das wird also alles allein für die höchste Prio-Gruppe bis weit in den Februar, wenn nicht sogar März hinein dauern, selbst wenn sich natürlich nicht alle 1,2 Millionen impfen lassen wollen, es gibt ja keine Impfpflicht.“


Aktualisierung (23.12., 9.45 Uhr): Es gibt Neuigkeiten: Ab Ende Dezember sollen zunächst 87 750 Dosen des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer pro Woche in den Südwesten geliefert werden. So steht es in einem Lieferplan des Mainzer Unternehmens Biontech, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Am Wochenende (26./27.12.) soll eine erste Tranche von 9750 Dosen im Südwesten eintreffen. Am 28. Dezember ist dann die nächste Lieferung für das Land geplant - 78 000 Dosen. Am 30. Dezember sollen weitere 87 750 folgen - diese Menge soll dann jede Woche bis auf Weiteres nach Baden-Württemberg geliefert werden. Das Impfen soll am Sonntag bereits in allen Impfzentren im Land starten", berichtet die DPA.

Landrat: „Man hat hohe Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden“

„Wenn dem so ist, dann wäre das wirklich nicht optimal“, sagt Landrat Dr. Richard Sigel. „Ob es eine verfehlte Einkaufspolitik der Bundesregierung oder der EU war, kann ich aber nicht beurteilen.“ Jedenfalls hätten aber sowohl Bundes- als auch Landesregierung mit ihren Ankündigungen, dass in den ZIZ ab Ende Dezember 1500 bis 2500 Impfdosen pro Tag und in den Kreis-Impfzentren ab Mitte Januar 750 Impfdosen pro Tag verabreicht werden könnten, „große Erwartungen in der Bevölkerung geweckt, die jetzt wohl enttäuscht werden“, sagt Sigel. „Wir bereiten alles so vor, dass wir am 15. Januar in der Waiblinger Rundsporthalle impfen können. Wenn dann aber nur 500 Impfdosen pro Woche anstatt der angekündigten 750 pro Tag geimpft werden können, dann ist das schon enttäuschend.“

Waren viele der Vorbereitungen im Rems-Murr-Kreis umsonst?

Derweil laufen im Hintergrund die Vorbereitungen für das Kreis-Impfzentrum im Rems-Murr-Kreis schon seit mehreren Wochen, auch schon bevor Waiblingen den Zuschlag für die Rundsporthalle bekommen hatte. Geplant war der Betrieb bisher gemeinsam mit den Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz und Malteser Hilfsdienst auf Kreisebene sowie mit den Rems-Murr-Kliniken. Sie hatten sich bereiterklärt, unter Federführung des DRK den medizinischen Betrieb des Kreisimpfzentrums für den Landkreis mit medizinischem Fachpersonal zu gewährleisten. Eine umfangreiche Personal-Akquise über ein Online-Portal wurde bereits gestartet.

Am Wochenende hat das Land Baden-Württemberg zudem eine überraschende verbindliche Zusage gemacht. Und zwar, dass es im Hinblick auf den Betrieb des Kreis-Impfzentrums und der Mobilen Impfteams im Rahmen des Möglichen sicherstellen werde, dass Ärztinnen und Ärzte und das sonstige medizinische Fachpersonal in der dafür vorgesehenen Anzahl zu den relevanten Betriebs- und Öffnungszeiten zur Verfügung stehen werden. Daher wird es seitens des Landkreises und der Hilfsorganisationen auf Kreisebene zunächst nicht mehr geplant, dass der medizinische Betrieb des Kreis-Impfzentrums von den Hilfsorganisationen des Kreises übernommen wird. Freiwillige, die sich bereits zahlreich gemeldet hätten, sollen nun an das Land vermittelt werden.

„Umsonst waren all diese Vorbereitungen nicht. Die Hilfsorganisationen im Kreis stehen bereit, falls das Land doch noch Hilfe braucht beim Betrieb des Impfzentrums in Waiblingen“, sagt Landrat Sigel.

Wer impft in den Pflegeheimen?

Details zur Organisation der Mobilen Impfteams seien noch nicht vom Land bekanntgegeben worden. Pro Kreis-Impfzentrum sind zwei Mobile Impfteams geplant, die vor Ort impfen sollen. Im Rems-Murr-Kreis gibt es 65 Senioren- und Pflegeheime mit 4127 Bewohnerinnen und Bewohnern, die wie auch die vielen Pflegekräfte potenziell zur höchsten Prio-Gruppe gehören.

Aktualisierung (23.12., 9.45 Uhr): Dem Vernehmen nach sind die Mobilen Impfteams des ZIZ vom Robert-Bosch-Krankenhaus für die Kreise nördlich von Stuttgart zuständig, also für den Landkreis Ludwigsburg, den Rems-Murr-Kreis und den Ostalbkreis. Insgesamt gibt es in diesen drei Kreisen 207 Senioren-Einrichtungen mit 11896 Bewohnern.

Ab 27. Dezember sollen sich Menschen mit der höchsten Prioritätsstufe in Deutschland zunächst in den Zentralen Impfzentren (ZIZ) impfen lassen dürfen oder können von Mobilen Impfteams aufgesucht werden. Doch zu Beginn reichen die Impfstoffdosen nicht aus, um die ehrgeizigen Pläne der Landesregierung zu realisieren, wonach in den ZIZ von Beginn an 1500 bis 2500 Impfungen vorgenommen werden sollten.

Geimpft werden zunächst Impfwillige der höchsten Prioritätsstufe, so auch aus dem

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