Rems-Murr-Kreis

Urbacher Millionenbetrug: Das Geld ist weg, die Banken sind die Gelackmeierten

Geldscheine
Geldscheine. © pixabay

„Bankmitarbeiter mit dem Hubschrauber zum Rostbraten zu fliegen“ war mit den Worten des Pflichtverteidigers Stefan Holoch gesprochen nicht das Einzige, was dem Betrüger aus Urbach den Zugang zu Millionenkrediten erleichtert hat. Für den 59-Jährigen, der rechtzeitig vor der Pleite seines Bädergeschäftes nach Brasilien abgetaucht war, hat die Staatsanwaltschaft vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts jetzt drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte auf drei Jahre und drei Monate Haft.

Dubiose Geschäftspartner

Staatsanwalt Thomas Böttger bescheinigte dem Urbacher, der kurz vor der Verjährung seines Kreditbetrugs von Brasilien an Deutschland ausgeliefert wurde, eine gehörige Portion kriminelle Energie. Zugutehalten konnte er dem Angeklagten lediglich, dass dieser beim Ergaunern seiner Bankkredite von Baden-Württemberg bis Österreich Unterlagen über angebliche Sicherheiten nicht selbst gefälscht hat, sondern seine dubiosen Geschäftspartner hat fälschen lassen.

Als der großangelegte Betrug aufflog, war der Urbacher längst nach Brasilien abgetaucht. Seinem superreichen Hauptgeldgeber, der für ihn wie ein Sechser im Lotto war, schlotterten die Knie, bis er vor Gericht erklären konnte, dass es nicht seine Unterschrift ist, die da auf einer mit dem gestohlenen Stempel eines verstorbenen Steuerberaters als notariell beglaubigt geltend sollenden Bürgschaft und anderen angeblichen Sicherheiten prangt. Der 78-jährige Geldgeber war derjenige, dessen persönliche Anwesenheit der Angeklagte in einem Hotelzimmer in Stuttgart mit einem seiner Geschäftspartner vortäuschen ließ.

Der Geschäftspartner kam mit einer Maskenbildnerin aus der Schweiz eingeflogen, die ihn auf Alt schminkte. Als das falsche Spiel des Urbacher Geschäftsmannes einem Banker aus dem österreichischen Linz seltsam vorkam, waren andere Banker schon längst im geleasten Hubschrauber mitgeflogen.

Banken fielen drauf rein

Warum sind zahlreiche andere Bankangestellte im Gegensatz zu dem aus Linz nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, dem Urbacher auf den Zahn zu fühlen? Sie beeindruckte nicht nur der Hubschrauber, der Flitzer aus der deutschen Tourenwagenmeisterschaft und das schöne Wohnhaus des Angeklagten. Sie witterten selbst Geschäfte, mit denen sie ihr Bankangestelltengehalt hätten aufbessern können.

Von den zehn Millionen Euro, um die der Urbacher laut Anklage mehrere Banken geprellt haben soll, kann die Staatsanwaltschaft nur etwas über die Hälfte versuchen wieder einzutreiben. Denn sie konnte dem „erfolgreichen Geschäftsmann“, als der er im Prozess von Zeugen immer wieder dargestellt wurde, nicht nachweisen, dass er den ganzen Betrag privat verprasst hat. Weg gewesen, sagte der Angeklagte selbst, sei das Geld schnell und heute leider keins mehr da.

Für den Angeschuldigten kämpfen durften im Landgerichtsprozess der Wunsch-Anwalt Stephan Keller und der Pflichtverteidiger Stefan Holoch. „Sein Talent war das Vertrauen der Leute“, meinte Keller, sein Mandant habe bei der Riesenexpansion mit seiner Remstäler Bäder-Oase keine Ahnung von Buchhaltung gehabt. Es erstaune ihn, mit welcher Leichtigkeit der Urbacher an die Millionenkredite der Banken gekommen sei. Dafür, dass dieser in Brasilien wegen eines Tötungsdeliktes an einem seiner Stiefkinder zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde und dort wegen der Auslieferung an Deutschland vom Freigang gleich wieder in eine unzumutbare Zelle habe müssen, möge sich die Stuttgarter Justiz nun einen Härteausgleich überlegen.

Der klassische Fehler des Urbachers aus der Sicht des Pflichtverteidigers: „Einen Laden zu groß aufziehen mit nicht vorhandenem Eigenkapital“. Finanziell werde der Urbacher jetzt nicht mehr froh, denn er könne das, was der Staat von ihm eintreiben will, auch nicht bezahlen, wenn er 120 Jahre alt würde. Außerdem habe der Mann seine Familie ruiniert, die sich anfänglich noch an seiner Sanitäranlagen-GmbH beteiligt habe. Die Erben des Urbachers trifft das Ganze nicht mehr, denn sie können ihr Erbe ausschlagen.

„Bankmitarbeiter mit dem Hubschrauber zum Rostbraten zu fliegen“ war mit den Worten des Pflichtverteidigers Stefan Holoch gesprochen nicht das Einzige, was dem Betrüger aus Urbach den Zugang zu Millionenkrediten erleichtert hat. Für den 59-Jährigen, der rechtzeitig vor der Pleite seines Bädergeschäftes nach Brasilien abgetaucht war, hat die Staatsanwaltschaft vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts jetzt drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte auf drei

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