Rems-Murr-Kreis

Vereiste Scheibe? Tödlicher Unfall in Erbstetten: Hinweise auf mögliche Ursache

Tödlicher Unfall, Nellmersbacher Str., Burgstetten-Erbstetten, 19.01.2023.
Der Unfallort. Rechts im Vordergrund: einer der Papiercontainer, die geleert werden sollten. © Benjamin Beytekin

Es geschah auf gerader, übersichtlicher Strecke: Wie konnte dieser Unfall passieren? Am Donnerstag ist in Erbstetten ein Arbeiter der Schäf Städtereinigung beim Entladen eines Papiercontainers ums Leben gekommen, weil ein von hinten auffahrendes Auto den geparkten Entsorgungslaster rammte. Noch läuft die Spurensuche – aber eine denkbare Unfallursache scheint sich zu konkretisieren.

Der Unfallhergang wirft Fragen auf

Ein Zwei-Mann-Team der Firma Schäf parkte am Donnerstagmorgen seinen Lastwagen auf dem rechten Fahrstreifen der Nellmersbacher Straße, beim Gelände der SKG Erbstetten. Sie hätten „den Warnblinker angemacht“, berichtet ihr Chef Edgar Schäf, hörbar aufgewühlt, am Telefon, und seien ausgestiegen, um einen der beiden blauen Zwei-Kubikmeter-Rollcontainer, die bei der Sportanlage unweit des Straßenrandes standen, ans Heck des Lasters heranzuschieben und das Papier umzufüllen.

Die Nellmersbacher Straße verläuft in diesem Bereich zwischen dem nördlichen Ortskern und dem weiter südlich gelegenen Gewerbegebiet über etwa 200 Meter hinweg fast schnurgerade zwischen Feldern hindurch und ist, abgesehen von der Sportanlage mit Vereinsgaststätte, nicht von Bebauung flankiert. Die Straße ist nicht schmal, sondern von Mittelstreifen in zwei Spuren getrennt. Von einer unübersichtlichen oder beengten Konstellation kann eigentlich nicht die Rede sein.

Gegen 9.15 Uhr nahte aus nördlicher Richtung ein VW Caddy, unterwegs Richtung Nellmersbach – der 74-Jährige am Steuer fuhr mit seinem Wagen von hinten auf das Müllfahrzeug auf. Der 57-jährige Arbeiter, der gerade hinter dem Laster stand, wurde erfasst und so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Sein Kollege blieb unverletzt.

Ursachensuche: „Sicht beeinträchtigt“?

Warum es zu diesem vorderhand schwer erklärlichen Unfall kam, bedürfe noch der Klärung, sagt Rudolf Biehlmaier, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Aalen. Gesichert scheint bislang, dass es sich nicht um einen Auffahrunfall handelte, bei dem der Müll-Laster noch gerollt und dann abgebremst worden sei. Im Gegenteil „er muss schon eine Weile gestanden haben“, als der Caddy kam.

Wurde der Unfallfahrer von der Sonne geblendet? Der Himmel über Erbstetten war zwar bewölkt am Donnerstagvormittag, aber eine plötzliche „Lichteinstrahlung“ könne womöglich durchgebrochen sein. Auch „gesundheitliche Probleme“ – etwa eine Kreislaufschwäche – des Caddy-Fahrers seien in Erwägung zu ziehen. Oder schlichtweg „Unachtsamkeit“? Das gehört routinemäßig immer zu den denkbaren Hypothesen bei einem Unfall.

Zu einem weiteren Erklärungsmodell führen mehr als nur rein hypothetische Überlegungen: Es gebe, sagt Biehlmaier, „relativ konkrete Hinweise, dass die Sicht“ des Caddy-Fahrers „beeinträchtigt war durch teilweise vereiste Scheiben. Das wurde vor Ort von den Beamten festgestellt nach dem Unfall.“ Er könne sich nicht festlegen, aber es handle sich natürlich um einen „möglichen Grund“.

Ein Sachverständiger klärt die Details

Unklar ist momentan, ob der Mann im Caddy den drohenden Zusammenprall noch erkannte und zu verhindern versucht hat oder ungebremst aufgefahren ist. Ebenfalls derzeit noch offen: mit welcher Geschwindigkeit der Pkw auf den Lastwagen geprallt ist.

„All diese feineren Umstände gilt es natürlich festzustellen“, sagt Biehlmaier. Dies sei nun der „Auftrag des Sachverständigen“. Der habe die Lage vor Ort bereits begutachtet und möglicherweise den einen oder anderen provisorischen Schluss gezogen, aber das sei noch nicht spruchreif. Bis der schriftliche Bericht vorliege, könne es Wochen dauern.

Zur Ermittlungsarbeit wird natürlich auch die Befragung des 74-jährigen Caddy-Fahrers gehören. Er erlitt einen Schock, musste notfallmedizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht werden.

Edgar Schäf: „Ein ganz zuverlässiger Mann“

Er bitte um Entschuldigung, sagt Firmenchef Edgar Schäf am Telefon, es falle ihm schwer, momentan etwas dazu zu sagen. Er wolle abwarten, zu welchen Ergebnissen die Polizei komme, und keine ungesicherten Vermutungen in den Raum stellen.

Ein netter Mensch sei der verstorbene Mitarbeiter gewesen, „er ist immer gerne ins Geschäft gekommen. Ein ganz zuverlässiger Mann, immer picobello“, erzählt Schäf. „Er musste unschuldig sein Leben lassen. Für uns ist es ganz schlimm. Wirklich eine Katastrophe.“

Es geschah auf gerader, übersichtlicher Strecke: Wie konnte dieser Unfall passieren? Am Donnerstag ist in Erbstetten ein Arbeiter der Schäf Städtereinigung beim Entladen eines Papiercontainers ums Leben gekommen, weil ein von hinten auffahrendes Auto den geparkten Entsorgungslaster rammte. Noch läuft die Spurensuche – aber eine denkbare Unfallursache scheint sich zu konkretisieren.

Der Unfallhergang wirft Fragen auf

Ein Zwei-Mann-Team der Firma Schäf parkte am

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