Rems-Murr-Kreis

Verhandlung am Landgericht: Wer ist der mutmaßliche Millionenbetrüger aus Urbach?

Geld
Ein Urbacher soll Kredite in Höhe von rund zehn Millionen "ergaunert" haben. © pixabay

In Deutschland Kredite in Höhe von rund zehn Millionen ergaunert, nach Brasilien abgetaucht und dort wegen Tötung eines seiner Stiefkinder sehr lange Zeit im Gefängnis gewesen: Um diese Eckdaten herum wollte die Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts jetzt wissen, was sie mit dem Geschäftsmann aus Urbach für einen Menschen vor sich hat. Die Geschäfte liefen fast immer über gute Freunde und es gab zwei Familienbildungen mit Tötung eines Stiefkindes, wofür der Mann in Brasilien zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Kontakte und Geschäfte

Der Vorsitzende Richter, Günter Necker, bat den Angeschuldigten (wir berichteten), welcher dieses Jahr 60 Jahre alt wird, seinen Lebenslauf vorzutragen. Zusammen mit seinem Bruder in Winterbach aufgewachsen, lernte er Karosseriebauer, leistete seinen Wehrdienst ab und arbeitete zwei bis drei Jahre in seinem Beruf.

Geliebäugelt mit dem Kaufmännischen hat der Urbacher damals schon. Also beteiligte er sich an einem Motorradgeschäft, fand über einen guten Freund eine Tätigkeit als eine Art Versicherungsvertreter und machte sich aus Urlauben heraus in Brasilien mit einem Sägewerk selbstständig.

Das Konzept Bäder-Oase mit Messerücklauf-Ware

Über Kontakte zu Hamburger Geschäftsleuten, erzählte der Beschuldigte, habe er dann auch Geschäfte mit Spanien gemacht und im Zuge derer „zufällig einmal eine Duschkabine gekauft“, die sich im Nachhinein als Grundstein für die Bäderoase im Remstal entpuppte.

Lagerraum in Schorndorf mieten, Sprinter kaufen, und ab ging die Post mit den „guten und günstigen“ Duschen, die bei einem offenen Sonntag der Gemeinde als „Messerückläufer“ weggingen wie warme Semmeln. Ein mit dem Angeklagten befreundeter Zahnarzt stieg mit ins Geschäft ein, und das „Konzept Oase“ war geboren.

„Es war fast eine kleine Sensation“, erinnerte sich der Angeklagte vor Gericht. Es kamen Finanzberater mit ins Boot, die gute Kontakte zu Banken hatten, sowie ein einflussreicher Geldgeber, für den es kein Problem war, neben der Verbesserung seines Handicaps auf dem Golfplatz mal eben schnell eine Million Euro in die Sanitäranlagen GmbH zu schießen. Expansion war angesagt bis zum geplanten Börsengang.

Sicherheiten für Millionenkredite mutmaßlich gefälscht

Nun war es der bisherigen Beweisaufnahme zufolge aber so, dass der Angeklagte in die eigene Tasche wirtschaftete, Sicherheiten für Millionenkredite von Banken gefälscht hat und bereits 1988 nach Brasilien abgetaucht ist, bevor die anderen die GmbH-Pleite und den schweren Kreditbetrug, für den er mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde, überhaupt bemerkten. In Brasilien, sagte er, habe er einen Deutschen kennengelernt und Holz veredelt, um dieses nach Paraguay zu verkaufen.

1990 heiratete der Angeklagte eine Brasilianerin, die zwei Kinder mit in die Ehe brachte. Eines davon, so sagt ein rechtskräftiges Urteil aus Brasilien, hat er getötet. Zu dem Tötungsdelikt befragt, das vor dem Stuttgarter Landgericht auch als Mord bezeichnet wurde, meinte der Urbacher, das hätte ihm die Justiz im brasilianischen Joinville „so ausgelegt“, nachdem er 2003 verhaftet worden war. In der Prozessakte, die plötzlich verschwunden sei, würde stehen: „Herr X hatte überhaupt keine Schuld.“

Zu 15 Jahren Haftstrafe in Brasilien verurteilt

„Ich wurde zu 15 Jahren verurteilt“, schilderte der Urbacher seine Zeit in brasilianischen Gefängnissen. „Wenn ich das Kind umgebracht hätte, dann hätte ich lebenslänglich bekommen und würde heute nicht hier sitzen“, beteuerte er vor Richter Necker. Und wenn ihn Brasilien nicht rechtzeitig zum Stuttgarter Prozess ausgeliefert hätte, dann wäre der Millionenbetrug aus dem Jahr 2002 womöglich noch verjährt. Um seine Kinder von zwei Frauen, sagte der Angeschuldigte, hätten sich während seiner Haftzeit sein Bruder und seine Eltern gekümmert.

Momentan habe er „keine ernsthafte Beziehung“. Brasilianische Haftbedingungen, über die sich der Urbacher schon zu Beginn des Betrugsprozesses beklagt hatte, beschrieb er so: „Das ist jenseits Ihrer Vorstellung.“

Zum Glück habe er im Gefängnis zum „Küchenchef“ avancieren können und als Belohnung eine Zwei-Mann-Zelle für sich alleine im Verwaltungstrakt bekommen. Einen Herzinfarkt habe er auch erlitten, er komme aber mit seinen Stents im Untersuchungsgefängnis Stuttgart-Stammheim gut zurecht.

Ansonsten bereue er seine Taten, stehe zu diesen und wolle seine Strafe in Deutschland absitzen.

In Deutschland Kredite in Höhe von rund zehn Millionen ergaunert, nach Brasilien abgetaucht und dort wegen Tötung eines seiner Stiefkinder sehr lange Zeit im Gefängnis gewesen: Um diese Eckdaten herum wollte die Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts jetzt wissen, was sie mit dem Geschäftsmann aus Urbach für einen Menschen vor sich hat. Die Geschäfte liefen fast immer über gute Freunde und es gab zwei Familienbildungen mit Tötung eines Stiefkindes, wofür der Mann in Brasilien zu

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