Rems-Murr-Kreis

Viele PCR-Tests: Droht Laboren im Rems-Murr-Kreis wegen Omikron die Überlastung?

C66A7386
Sieht hochtechnologisch aus: Momentaufnahme aus der Covid-Abteilung im Labor der Rems-Murr-Kliniken. © Benjamin Büttner

Die Omikron-Welle breitet sich rasant aus, analog zur Inzidenz steigt die Nachfrage nach PCR-Tests. Die Labore arbeiten am Limit. „Lagen wir in Kalenderwoche eins noch bei einer Auslastung von um die 60 Prozent, sind die Kapazitäten nunmehr fast vollständig ausgelastet“, sagt ein Sprecher des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration. Die Anzahl der durchgeführten Tests habe sich von rund 140.000 Tests in der ersten Woche des Jahres auf circa 219.000 Tests in Kalenderwoche zwei erhöht. Aktuell betrage die Laborkapazität in Baden-Württemberg in etwa 243.000 PCR-Tests pro Woche.

Rems-Murr-Kliniken: Bis zu 480 Proben am Tag analysieren

Im klinikinternen Labor der Rems-Murr-Kliniken können bis zu 480 Proben pro Tag ausgewertet werden. Das Labor arbeitet derzeit mit zwei unterschiedlichen Testplattformen. Für Eil- und Notfälle gibt es einen sogenannten Kassettentest. „Dieser wird zum Beispiel vor der stationären Aufnahme, vor einer Operation oder einer Entbindung gemacht. Hier beträgt die reine Testzeit in der Maschine 40 Minuten. Das heißt, mit Probentransport ins Labor und Auswertung liegt dem behandelnden Arzt das Ergebnis nach circa einer Stunde vor“, erklärt Stefan Kath, Chefarzt der Labormedizin.

Für die sogenannte Routinetestung nutzt das Labor eine automatisierte PCR-Testung, bei der mehrere Proben parallel abgearbeitet werden können. Dabei beträgt die Testzeit in der Maschine 150 Minuten, mit Transport und Auswertung dauert es also drei bis fünf Stunden, bis das Ergebnis vorliegt. „Die Befunde für die Tests des Kreistestzentrums für Bürgerinnen und Bürger am Rems-Murr-Klinikum liegen in der Regel noch am gleichen Tag vor.“ Die Kassettentests sind laut Kath derzeit zu etwa 70 Prozent ausgelastet, die Routinetests zu circa 50 Prozent, er rechnet mit einer weiteren Zunahme. Priorität haben aktuell PCR-Tests für Patienten, Mitarbeitende und externe Dienstleister der Rems-Murr-Kliniken.

In zwölf Sars-CoV-2-Kompetenzzentren wird der überwiegende Teil der PCR-Tests analysiert

Die Testkapazitäten wurden im Lauf der Pandemie kontinuierlich erhöht, vor allem seit Stefan Kath im April 2021 als Chefarzt für Labormedizin und Labor- und Transfusionsmedizin angestellt wurde. Auch wurden zusätzliche Medizinisch-Technische Laborassistenten eingestellt, weitere sollen folgen. Nicht zuletzt planen die Rems-Murr-Kliniken in diesem Jahr, das Labor in Schorndorf zu modernisieren. „Wir entlasten durch die Kapazitätserweiterung unseren externen Dienstleister Synlab, der zu Beginn der ersten Welle ausschließlich genutzt wurde“, sagt Kath.

Synlab ist als Dienstleister für Labordiagnostik bundesweit tätig, in zwölf Sars-CoV-2-Kompetenzzentren wird der überwiegende Teil der PCR-Tests analysiert, zurzeit rund 250.000 pro Woche. Die Labore in Leinfelden-Echterdingen und Ettlingen sind zwei dieser zwölf Standorte. Noch könnten alle Proben in der Regel innerhalb von 24 Sunden oder weniger untersucht werden, sagt eine Sprecherin, bei temporären oder regionalen Nachfragespitzen könne es bis zu 48 Stunden dauern, bis der Befund übermittelt werde.

„Bei Synlab haben wir schon zu Beginn der Pandemie unsere Testkapazitäten für Sars-CoV-2 deutlich ausgebaut, weshalb nun ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen, um auch die derzeit hohe Nachfrage zu decken.“ Das Unternehmen habe bereits Fachkräfte eingestellt und werde das auch in Zukunft tun – wenn möglich: „Qualifiziertes Personal bleibt weiterhin der limitierende Faktor für die Erweiterung der Kapazitäten“, so die Sprecherin.

Risikogruppen zuerst: Labore priorisieren Proben

Doch was passiert, wenn die Kapazitätsgrenzen der Labore erreicht sind oder gar überschritten werden? Sollten die Kapazitäten nicht mehr ausreichen, muss die Auswertung der Proben laut Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration priorisiert werden. Die Labore priorisieren dabei gemäß der nationalen Teststrategie des Robert-Koch-Instituts (RKI): „Für Proben von symptomatischen Patienten haben wir bereits, gemeinsam mit unseren Zuweisern und angelehnt an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, eine Proben-Priorisierung eingeführt, die in diesen Fällen eine Befundrücklaufzeit von unter 24 Stunden ermöglicht“, sagt die Synlab-Sprecherin.

Der Fokus liege dabei auf Tests für Risikogruppen, bei denen die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs besonders hoch ist, den Beschäftigten im Gesundheitsbereich, Testungen an Schulen und anderen systemrelevanten Einrichtungen. „Wenn sich eine Priorisierung nicht durch den Einsender wie zum Beispiel ein Krankenhaus oder Altenpflegeheim ergibt, ist für die Priorisierung eine entsprechende Kennzeichnung durch den einsendenden Arzt nötig.“

Natürlich halten sich auch der Rems-Murr-Kreis sowie die Rems-Murr-Kliniken an diese nationale Teststrategie. Aktuell sind laut dem Landratsamt im Rems-Murr-Kreis zahlreiche PCR-Testtermine frei, buchbar unter www.rems-murr-kreis.de/schnelltest. Sollten die Kapazitäten eng werden, könnte der Rems-Murr-Kreis mit seinem eigenen PCR-Testzentrum, das an das Labor der Kliniken angebunden ist, mögliche Lücken in der Versorgung abdecken: Je nach Bedarf im Landkreis könnten im Winnender Testzentrum etwa vorrangig Tests für Schülerinnen und Schüler und Mitarbeitende der kritischen Infrastruktur angeboten werden. Bei Bedarf werden diese Gruppen übrigens bereits jetzt vorrangig getestet.

Die Omikron-Welle breitet sich rasant aus, analog zur Inzidenz steigt die Nachfrage nach PCR-Tests. Die Labore arbeiten am Limit. „Lagen wir in Kalenderwoche eins noch bei einer Auslastung von um die 60 Prozent, sind die Kapazitäten nunmehr fast vollständig ausgelastet“, sagt ein Sprecher des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration. Die Anzahl der durchgeführten Tests habe sich von rund 140.000 Tests in der ersten Woche des Jahres auf circa 219.000 Tests in Kalenderwoche zwei

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper