Rems-Murr-Kreis

Volksbank: Das Geschäft brummt wie nie

Volks- und Raiffeisenbanken
Stefan Zeidler, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Stuttgart. © ALEXANDRA PALMIZI

Es ziemt sich nicht für einen Volksbank-Chef, Jubelgesänge anzustimmen, doch Grund dafür hätte Stefan Zeidler: Die Volksbank Stuttgart hat vergangenes Jahr im Kundengeschäft „Rekordwerte“ erzielt. Von Kreditausfällen blieb die Bank verschont, sagte der Vorstandschef am Montag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Die Menschen sparen unterdessen, was das Zeug hält, am Geld fehlt’s ganz offensichtlich nicht – und sie schichten ihre Vermögen um, sonst knabbert die Inflation das Ersparte an wie die Maus den Käse. Entsprechend sind die Provisionsüberschüsse der Bank in die Höhe geschossen. An so ziemlich allen wichtigen Stellen steht in den Geschäftszahlen fürs Jahr 2021 ein Plus, was Zeidler als „für uns sehr zufriedenstellend“ einstuft.

Selbstverständlich hat der Bankchef nicht ausschließlich Grund zum Freuen. Es herrschen unsichere Zeiten; die Ukraine-Krise macht Sorgen. Die Wirtschaft und auch die Volksbank selbst stecken in einer Umbruchphase, die allen Beteiligten noch eine Menge Mut zur Veränderung abverlangen wird, Stichwort digitale Transformation. Und „wir haben eine unsichere Zinspolitik vor Augen“, so Zeidler: Zu seinem „Lieblingstag“ werde er jenen küren, an welchem die EZB ihre Zinsen wieder ins Positive bringe.

Negativzinsen: Betroffen sind besonders Vermögende

Momentan müssen vermögende Kund/-innen Negativzinsen zahlen, also, das klingt schöner, ein „Verwahrentgelt“ dafür berappen, dass die Bank das Geld für sie aufbewahrt. Davon betroffen sind aber nur ein paar Hundert Kunden; die Freibeträge sind hoch, und die Volksbank handelt mit dem entsprechenden Kundenkreis in Einzelgesprächen die Details aus. Viele von ihnen entscheiden sich dann ohnehin dafür, das Geld umzuschichten und lieber in Immobilien, Aktien oder dergleichen zu stecken.

Wegen ihres neuen Hausbankmodells respektive dessen Umsetzung war die Volksbank Stuttgart vergangenes Jahr in die Kritik geraten. Es ging um Kontogebühren und darum, welches Kundenverhalten als Zustimmung zu neuen, ungünstigeren Bedingungen gewertet werden kann. Etwa 60 000 Euro Gebühren erstattete die Volksbank 2021 an Kunden zurück, die sich beschwert hatten. Rund 600 Kunden lehnten das neue Modell der Volksbank ab und wechselten zu einem anderen Kreditinstitut.

Nur die vergleichsweise hohe Dividende kassieren?

Verloren hat die Volksbank auch Mitglieder – zum Teil auf eigenen Wunsch: Rund 800 Mitglieder wurden ausgeschlossen, hieß es bei der Pressekonferenz. Die Bank trennt sich von Personen, die Mitglieder der Bank sind, um von einer vergleichsweise attraktiven Dividende zu profitieren, ihre Bankgeschäfte aber woanders abwickeln. Die Dividende für 2021 wird jedenfalls den Vorjahreswert von zwei Prozent nicht unterschreiten, so viel konnte Stefan Zeidler schon sagen.

Mehr und mehr nutzen Kunden digitale Kanäle, das ist nichts Neues. Es wurden bereits Filialen geschlossen, und ob weitere nächstes Jahr folgen, ließ Zeidler offen, wenngleich er dieses Versprechen abgab: „Wir werden in 2022 keine Filiale schließen.“

Unterdessen nimmt der Beratungsbedarf zu, und die Ansprüche wachsen: Kund/-innen kommen heute „immer besser informiert“ zum Gespräch. „Wir brauchen immer mehr Fachspezialisten“, sagt Zeidler. In Bereichen, die automatisiert werden können, werden in Zukunft Stellen wegfallen, während im hoch qualifizierten Bereich mehr Personal gefragt ist. Offenbar hat die Volksbank ihrer Größe und Bekanntheit wegen keine Probleme, entsprechendes Personal zu finden. Den Beschäftigten mehr Verantwortung zu übertragen, das spiele in Zeiten von Home-Office und Digitalisierung „eine ganz zentrale Rolle – und Vertrauen“.

Junge Berater/-innen kümmern sich um junge Kund/-innen

Einer Gruppe von Nachwuchskräften hat die Bank jetzt besondere Verantwortung übertragen: Ein Team aus neun Finanzscouts mit sechs jungen Frauen und drei Männern kümmert sich speziell um Jugendliche und junge Erwachsene. Man duzt sich, gibt auf Instagram Tipps zu Finanzfragen – und fördert, so die Hoffnung der Bank, vielversprechende Zukunftskund/-innen.

Das Stichwort „Nachhaltigkeit“ fehlt nie, auch nicht bei der Volksbank, deren auf langfristige Kundenbindung aufbauendes Geschäftsmodell an sich als nachhaltig zu bewerten sei. Merklich verändert hat sich der Fokus der Kund/-innen: Mehr als 70 Prozent halten Nachhaltigkeit bei der Entscheidung, welche Geldanlage sie wählen, für wichtig oder sehr wichtig.

Firmengründer/-innen, und darunter fallen auch Nachfolger/-innen, widmet die Bank besondere Aufmerksamkeit: Speziell geschulte Berater/-innen kümmern sich in den ersten paar besonders sensiblen Jahren nach dem Start extra intensiv um die Belange dieser Klientel.

Es ziemt sich nicht für einen Volksbank-Chef, Jubelgesänge anzustimmen, doch Grund dafür hätte Stefan Zeidler: Die Volksbank Stuttgart hat vergangenes Jahr im Kundengeschäft „Rekordwerte“ erzielt. Von Kreditausfällen blieb die Bank verschont, sagte der Vorstandschef am Montag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Die Menschen sparen unterdessen, was das Zeug hält, am Geld fehlt’s ganz offensichtlich nicht – und sie schichten ihre Vermögen um, sonst knabbert die Inflation das Ersparte an wie

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