Rems-Murr-Kreis

Von Klinik-Parkhaus bis Berufsschulen: Fotovoltaik-Offensive im Rems-Murr-Kreis

Fotovoltaik
Bitte mehr davon: Fotovoltaik. © Pixabay

Klimawende – der Rems-Murr-Kreis will’s wissen: Bis 2030 sollen das Landratsamt, die Rems-Murr-Kliniken, die Berufsschulzentren und die Abfallwirtschaft klimaneutral sein. Ein ambitioniertes und teures Unterfangen; das sich auf Dauer gleichwohl lohnen könnte.

Welche Größenordnung hat die Herausforderung?

Das ist die Dimension: Es gilt, die CO2-Emissionen um mehr als 5700 Tonnen CO2 pro Jahr zu reduzieren. Das entspricht in etwa dem, was 6000 Durchschnittsbürger jährlich an Kohlendioxid verursachen. Wie ist das zu schaffen?

Das Institut für nachhaltige Energietechnik und Mobilität der Hochschule Esslingen hat fleißig in den Akten gewühlt, Gebäude für Gebäude unter die Lupe genommen, Energieverbräuche erfasst, Einsparmöglichkeiten sondiert – und kommt zum Ergebnis: Ja, Klimaneutralität der kreiseigenen Liegenschaften ist machbar. Auch ohne Kompensation mit Ökostrom oder Klimagas.

Klimaneutralität kostet in den nächsten acht Jahren zwar 50 Millionen Euro. Aber am Ende zahlen sich die Investitionen aus. Denn Energie wird teurer; und nie wieder so billig sein wie in den vergangenen Jahrzehnten, sagte Prof. Dr. Ralf Wörner am Montag im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages bei der Vorstellung der Studie „CO2- und Energiebilanzierung der Landkreisverwaltung mit kreiseigenen Schulen und Tochterunternehmen“.

Indem der Rems-Murr-Kreis in den Klimaschutz seiner Liegenschaften investiert, befreie er sich von künftigen Kostenbelastungen durch steigende Energiepreise.

Wie sieht die CO2-Bilanz des Landkreises momentan aus?

Mit fast 8000 Tonnen CO2 pro Jahr stoßen die drei Rems-Murr-Kliniken mit Abstand das meiste klimaschädliche Kohlendioxid aus. Daran lässt sich leider auch in Zukunft wenig ändern. Medizin ist nun einmal energieintensiv. Auf Platz 2 folgen die drei Berufsschulen (rund 3100 Tonnen CO2 pro Jahr) und die Ämter des Landratsamtes und der Abfallwirtschaft (1100 Tonnen CO2).

Dem stehen bereits heute die Biovergärungs- und Photovoltaikanlagen der Abfallwirtschaft gegenüber, in denen Biogas und Strom produziert und dank derer schon jetzt 6400 Tonnen CO2 eingespart werden.

Was ist zu tun, um die Bilanz zu verbessern?

Um Klimaneutralität zu erreichen, muss der Rems-Murr-Kreis bis 2030 rund 5700 Tonnen Kohlendioxid einsparen. Professor Ralf Wörner betonte, dass man niemals das Pferd von hinten aufzäumen dürfe. Beim Energiesparen müsse das Hauptaugenmerk auf Effizienzsteigerungsmaßnahmen gelegt werden. Damit ließe sich der Energiebedarf eines Gebäudes um rund die Hälfte verringern; als da wären ganz alltägliche Dinge, an die auch der Schwabe denkt, wenn er in seinem Häusle sparen will: LED-Lampen, optimierte Lüftungsanlagen, Hocheffizienzpumpen, sanierte Fenster und Fassaden sowie ein Austausch ineffizienter Geräte und last but not least die Sensibilisierung der Nutzer, das Geld nicht länger aus den Fenstern hinaus zu heizen.

Ansatzpunkt Nummer zwei sind neue Heizungs- und Kälteerzeugungsanlagen. Mit diesen ließe sich die Effizienz um weitere 20 bis 40 Prozent verbessern.

Erst wenn diese Hausaufgaben erledigt sind, sollte über die Installation von Fotovoltaikanlagen, grünen Strom oder den Kauf von CO2-Zertifikaten nachgedacht werden.

Im Fall der Kreisliegenschaften schätzt das Institut für nachhaltige Energietechnik und Mobilität, dass sich der CO2-Ausstoß an den Schulen und in den Ämtern mehr als halbieren lässt und auf den Dächern die Potenziale für PV-Anlagen verstärkt genutzt werden können.

Die Krankenhäuser sind und bleiben hingegen Energiefresser Nummer eins, so dass dort der Hebel bei der Erzeugung von regenerativen Energien angesetzt werden muss: mit Hilfe von Fotovoltaikanlagen.

Wie sieht die Fotovoltaik-Offensive des Kreises genau aus?

Schon heute betreibt der Landkreis eine Reihe von PV-Anlagen auf Schulen, Straßenmeistereien und vor allem auf der Deponie Lichte in Kaisersbach, der mit 650 KwPeak mit Abstand größten. Bis heute wurden PV-Anlagen mit über 1800 kWp errichtet. Weitere Anlagen über 700 kWp sind beschlossen oder befinden sich bereits in der Umsetzung.

So errichten die Rems-Murr-Kliniken auf dem Dach des neuen Parkhauses in Winnenden eine starke Fotovoltaikanlage; Leistung: 500 kWp. Damit können bis zu zehn Prozent des Energiebedarfs der Kliniken am Standort Winnenden gedeckt werden.

Ferner werden die Verwaltungsneubauten Rötestraße und Erweiterungsbau am Alten Postplatz 10 mit Fotovoltaikanlagen – Gesamtleistung rund 200 kWp – geplant.

Die vom Umwelt- und Verkehrsausschuss am Montag beschlossene Fotovoltaik-Strategie sieht vor, insgesamt 25 Fotovoltaikanlagen mit fast 8000 kWp bis zum Jahr 2030 zu installieren, rund 7,3 Wh/Jahr Strom zu produzieren und somit rund 4300 Tonnen CO2 einzusparen.

Knifflig für die Verwaltungsspitze war die Frage, wer eigentlich diese Fotovoltaikanlagen (11,4 Millionen Euro) beschaffen, errichten und bewirtschaften soll. Dabei galt es, betriebswirtschaftliche und steuerrechtliche Aspekte abzuwägen. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist, Investition und Betrieb nicht zentral vorzunehmen, sondern für jede Liegenschaft durch den jeweiligen Eigentümer. Beschaffung und Bewirtschaftung der Fotovoltaikanlagen sollten jedoch an einer Stelle gebündelt werden.

Klimaschutz: Was plant der Landkreis sonst noch?

In seiner Sitzung am Montag in Schorndorf hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss das mittlerweile 4. Kimaschutz-Handlungsprogramm auf den Weg gebracht. Es trägt den Titel „Miteinander.Handeln.Jetzt.“ und soll vom kommenden Jahr an verstärkt Städte und Gemeinden, die Bürgerinnen und Bürger wie auch Unternehmen in die Klimaschutz-Projekte des Rems-Murr-Kreises einbeziehen.

Klimawende – der Rems-Murr-Kreis will’s wissen: Bis 2030 sollen das Landratsamt, die Rems-Murr-Kliniken, die Berufsschulzentren und die Abfallwirtschaft klimaneutral sein. Ein ambitioniertes und teures Unterfangen; das sich auf Dauer gleichwohl lohnen könnte.

Welche Größenordnung hat die Herausforderung?

Das ist die Dimension: Es gilt, die CO2-Emissionen um mehr als 5700 Tonnen CO2 pro Jahr zu reduzieren. Das entspricht in etwa dem, was 6000 Durchschnittsbürger jährlich an

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