Rems-Murr-Kreis

Vor der Landtagswahl 2021: CDU nominiert Christian Gehring, Kriminalhauptkommissar aus Rommelshausen, für den Wahlkreis Schorndorf

Christian Gehring Nominierung Landtagskandidat Wahlkreis Schorndorf 4.7.2020
Der strahlende Sieger: Im zweiten Wahlgang setzte sich Christian Gehring aus Rommelshausen durch. © Büttner

Für Ingo Sombrutzki ist es sehr, sehr bitter. 2011 unterlag der lange Jahre tief in der Schorndorfer Kommunalpolitik verwurzelte Kommunikationsberater bei der Nominierung für die Landtagskandidatur im Wahlkreis Schorndorf seinem Herausforderer Claus Paal. Der 53-jährige Unternehmer tritt nicht mehr an. Ingo Sombrutzki warf jetzt noch einmal seinen Hut in den Ring – und scheiterte erneut – denkbar knapp im zweiten Wahlgang. Nur zwölf Stimmen mehr entfielen auf Christian Gehring, dessen Rede am Samstagnachmittag in der Bronnbachhalle in Schorndorf-Weiler mit reichlich Szenenapplaus bedacht wurde. Weit abgeschlagen mit nur fünf Stimmen zog der dritte Kandidat, der Weinhändler Thomas Müller, nach dem ersten Wahlgang seine Bewerbung zurück.

Der Sieger hat keine parteiinterne Ochsentour hinter sich

Die wenn auch knappe Entscheidung für den Kriminalhauptkommissar und Referenten im Innenministerium Christian Gehring sagt viel aus übers Befinden in der Kreis-CDU. Sie hat sich für einen Kandidaten entschieden, der sich eher rechts der Mitte verorten lässt, Migrationsfragen und innere Sicherheit zuoberst in den Fokus rückt, die Grünen als „technikfeindlichen Koalitionspartner“ bezeichnet, kein Ur-Remstäler ist und in der CDU keine Ochsentour durchlaufen hat wie sein Herausforderer Ingo Sombrutzki. Der 46-jährige Schorndorfer Sombrutzki engagiert sich seit bald drei Jahrzehnten in der CDU: Junge Union, Kreisvorstand, Stadtrat in Schorndorf, Stadtverbandsvorsitzender, seit 2015 Mitglied im Landesvorstand – das volle Programm. Doch die Kreis-CDU gab einem weniger politisch Erfahrenen und bis vor kurzem weithin unbekannten Kriminalhauptkommissar den Vorzug – wie schon 2015, als die Partei den Polizisten Siegfried Lorek als Landtagskandidaten für den Wahlkreis Waiblingen ins Rennen und Matthias Pröfrock auf die Bank schickte. Lorek ist bereits im Februar erneut nominiert worden – mit 100 Prozent der Stimmen.

Klare Worte statt "verklausuliertes Geschwurbel"

Gehring trat bei seiner Rede am Samstag in Schorndorf-Weiler angriffslustiger und leidenschaftlicher auf als seine Gegenkandidaten, was ihm mehrfach Bravorufe und langanhaltenden Applaus einbrachte. „Verklausuliertes Geschwurbel“ sei fehl am Platz, sagte Gehring mit Blick auf die Krawallnacht vor kurzem in Stuttgart: Wenn Flüchtlinge gemeinsam mit deutschen Aggressoren und „linken Gewalttätern“ marodierend durch die Stadt zögen, müssten „Ross und Reiter benannt“ werden: „Wer zu uns kommt, muss unsere Werte, unsere Gesetze akzeptieren. Nur so gelingt das Zusammenleben.“ Als „moderner Konservativer“ werde er mit „scharfem Werteprofil“ in den Ring steigen. Gegen „die im grünen Trikot“ sei das Finale zu gewinnen, zog der Kandidat eine Parallele zum Fußball. Digitalisierung vorantreiben, die Landwirtschaft stärken, „endlich ein klares Konzept“ in der Flüchtlingsfrage entwickeln, das Ehrenamt fördern, die Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis stärken – diese Stichpunkte nannte der 41-jährige dreifache Familienvater und „überzeugte Christ“.

Sombrutzki: "Wir regulieren uns in  Deutschland langsam zu Tode"

Aus Ingo Sombrutzkis Sicht können nur die Christdemokraten die Aufgabe der Versöhnung von Ökonomie und Ökologie lösen. In seiner Rede legte er den Fokus auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Die „Wirtschaftspartei“ CDU müsse Wege weisen aus der Krise. Man solle „nicht weiter den Ast absägen, auf dem wir sitzen“, sagte Sombrutzki mit Blick auf eine grüne Mobilitätspolitik, die aus seiner Sicht zu einseitig auf Elektroantrieb setze. „Wir regulieren uns in Deutschland langsam zu Tode. Damit muss endlich Schluss sein“, so der 46-Jährige. Um die Krawallnacht in Stuttgart ging es in seiner Rede am Rande: „Das dürfen wir uns nicht bieten lassen.“

Die Versammlung vernahm die Reden und schwieg: Niemand machte vom Angebot Gebrauch, mit den Kandidaten zu diskutieren oder ergänzende Fragen zu stellen.

Für die CDU war’s die mit rund 200 Teilnehmern erste große Veranstaltung seit Beginn der Corona-Krise. Viel Zeit investierten die Helfer im Vorfeld und während der Veranstaltung, um Laufwege zu markieren, genügend große Abstände zwischen den Stühlen zu gewährleisten, am Einlass auf den Mundschutz zu achten und dergleichen mehr.

Für Ingo Sombrutzki ist es sehr, sehr bitter. 2011 unterlag der lange Jahre tief in der Schorndorfer Kommunalpolitik verwurzelte Kommunikationsberater bei der Nominierung für die Landtagskandidatur im Wahlkreis Schorndorf seinem Herausforderer Claus Paal. Der 53-jährige Unternehmer tritt nicht mehr an. Ingo Sombrutzki warf jetzt noch einmal seinen Hut in den Ring – und scheiterte erneut – denkbar knapp im zweiten Wahlgang. Nur zwölf Stimmen mehr entfielen auf Christian Gehring, dessen Rede

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