Rems-Murr-Kreis

Waiblinger beklagt schlechte Pflege: Falsche Tabletten, verbale Aggression

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Nette Gesten oder Worte hat ein Waiblinger in Krankenhaus und Rehaklinik vermisst. © pixabay

Im Dezember 2019 veränderte sich Georg Müllers Leben auf einen Schlag komplett. In der Waiblinger Innenstadt brach er zusammen. Ein Schlaganfall. Der Rentner wurde ins Rems-Murr-Klinikum Winnenden eingeliefert, danach hatte er einen Reha-Aufenthalt in einer Klinik in Bad Wimpfen. Eine Zeit, die ihn bis heute prägt. Und das liegt nicht nur an der halbseitigen Lähmung, mit der er seither leben muss. Bis heute wühlt ihn die Zeit auf, die er in den beiden Kliniken verbracht hat. Nachdem er in der Zeitung ein Interview über das Problem der Gewalt in der Pflege gelesen hat, möchte er seine Erlebnisse schildern. Aus Angst vor Konsequenzen möchte er seinen Namen nicht öffentlich nennen, weshalb wir ihn geändert haben.

„Vorab möchte ich sagen, dass es auch positive Erfahrungen gab“, sagt Müller. Das ist ihm wichtig. Sowohl mit jungen Pflegekräften als auch mit Ergo- und Physiotherapeuten sowie dem Deutschen Roten Kreuz habe er gute Erfahrungen gemacht, sei kompetent und freundlich behandelt worden.

Patient klagt über mangelnde Körperpflege

Doch diese positiven Erlebnisse werden überlagert von Erinnerungen, die ihn schmerzen. Es strengt ihn sichtlich an, darüber zu sprechen. Knapp drei Wochen hatte er zunächst im Krankenhaus verbracht und an vielen Tagen habe sich niemand um ihn gekümmert. „Ich wurde in dieser Zeit nie geduscht, die Körperpflege war gleich null.“ Viele Pflegekräfte seien zudem verbal sehr aggressiv gewesen. „Wie beim Militär“ sei der Tonfall oft gewesen, wenn er um Hilfe beim Schneiden von Essen oder Wiederaufrichten im Bett gebeten habe, was er wegen seiner Lähmung nicht alleine schaffte. „Einmal wurde ich über den Zimmerlautsprecher angeschnauzt, was ich glaube, wer ich bin, und dass ich nicht alleine sei, als ich geläutet habe“, schildert Müller ein Beispiel. Sein Zimmernachbar habe sich nicht einmal mehr getraut, überhaupt zu klingeln, und sei aus dem Bett gefallen beim Versuch, allein zur Toilette zu gehen. „Es war alles andere als menschlich, nicht einmal frohe Weihnachten wurde mir an Heiligabend gewünscht.“

In der Reha-Klinik sei es ähnlich gewesen. „Es wurden Tabletten verwechselt, beim Aufstehen hat man mir fast den Arm ausgerissen“, sagt Müller. Auch dort sei die Körperhygiene vernachlässigt worden, nette Worte habe er kaum gehört. Jede Hilfestellung, egal ob es um das Schälen einer Orange, das Öffnen einer Flasche oder das Verschieben des Nachtkästchens gegangen sei, sei den meisten Pflegekräften zu viel gewesen. „Das trifft mich bis heute“, sagt der Senior.

Fachkräftemangel in der Pflege

Die Erlebnisse des Waiblingers zeigen, dass das Pflegepersonal häufig an der Belastungsgrenze arbeitet oder sogar darüber hinaus geht. Fachkräftemangel ist in diesem Bereich schon lange ein Problem, durch die Pandemie hat es sich noch verschärft.

Auch um darauf hinzuweisen, ist es gut, dass Menschen wie Georg Müller nicht schweigen, sondern den Mund aufmachen. Müller hat sich sowohl bei der Reha-Klinik in Bad Wimpfen als auch bei den Rems-Murr-Kliniken beschwert und von beiden Einrichtungen Entschuldigungen erhalten. Man nehme die Rückmeldung sehr ernst und arbeite die Hinweise mit den Mitarbeitern auf, teilten die Rems-Murr-Kliniken ihm schriftlich mit. Während des Aufenthalts sei das Patientenaufkommen hoch gewesen und bei hoher Arbeitsbelastung gelinge es den Mitarbeitern nicht immer, allen Patienten mit gleichbleibender Umsicht und Freundlichkeit zu begegnen. Aber man habe mit den Mitarbeitern gesprochen und es sei ein bewussterer Umgang erreicht worden, woran man überdies ständig auch in innerbetrieblichen Fortbildungen arbeite.

Andere ermutigen, sich zu wehren und über Erlebnisse zu sprechen

Georg Müller möchte seine Geschichte nun dennoch erzählen, will anderen Mut machen, ebenfalls nicht still zu sein. Deshalb hat er auch beim sogenannten Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums angerufen, dessen Nummer im Artikel im Politikteil angegeben war. Der Anruf sei in Kiel entgegengenommen worden, wo man ihm nicht habe helfen können, beklagt er. Allerdings habe er über diesen Umweg zumindest auch Kontakte zu Stellen in der Region erhalten, an die er sich wenden könne und unter anderem von der Sozialstation Waiblingen auch prompt einen Rückruf auf seine Anfrage.

Im Dezember 2019 veränderte sich Georg Müllers Leben auf einen Schlag komplett. In der Waiblinger Innenstadt brach er zusammen. Ein Schlaganfall. Der Rentner wurde ins Rems-Murr-Klinikum Winnenden eingeliefert, danach hatte er einen Reha-Aufenthalt in einer Klinik in Bad Wimpfen. Eine Zeit, die ihn bis heute prägt. Und das liegt nicht nur an der halbseitigen Lähmung, mit der er seither leben muss. Bis heute wühlt ihn die Zeit auf, die er in den beiden Kliniken verbracht hat. Nachdem er in

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