Rems-Murr-Kreis

Waldbrand-Gefahr im Rems-Murr-Kreis: Trockenheit wird zum Hochrisiko

Stadtwald Waiblingen
Die Trockenheit macht dem Wald zu schaffen. © ALEXANDRA PALMIZI

Die frühjährliche Trockenheit ist besonders in Süddeutschland groß. Auch die Wälder im Rems-Murr-Kreis leiden unter dem Wassermangel. Hauptgründe sind der verhältnismäßig warme März und das Ausbleiben von Niederschlägen - aber die Ursachen reichen noch weiter zurück .... Wie groß ist derzeit die Waldbrandgefahr? Was Experten dazu sagen, klingt nicht direkt entspannend.

Ganz neu ist das Phänomen nicht – schon die Jahre 2018 bis 2020 galten als sehr trocken und heiß, sagt Hans-Joachim Bek; er ist ehrenamtlicher Fachberater Amphibien beim Nabu und Revierleiter in Oppenweiler von Forst Baden-Württemberg (ForstBW) – die Anstalt des öffentlichen Rechts bewirtschaftet insgesamt über 300 000 Hektar Staatswald und ist größter Forstbetrieb des Landes.

Die Trockenheit, sagt Bek, beeinträchtige die Naturverjüngung und die jungen Bäume, die noch keine ausreichenden Wurzeln haben. „Wir gehen deswegen immer öfter zur Herbstpflanzung über.“

Schon ein glimmender Stummel kann zur Eskalation führen

Durch die Dürre steigt in den Wäldern die Waldbrandgefahr. Die Streuschicht aus Blättern und Ästen im Wald, die am Ende des Winters am größten ist, trockne wegen der geringen Niederschläge aus, erklärt Bek. „Die Laubbäume haben noch keine Blätter, dadurch haben wir eine intensive Einstrahlung und Austrocknung der Streu und der oberen Bodenschicht“, sagt Bek über die Ursachen der hohen Waldbrandgefahr. „Auch die Bodenvegetation aus krautigen Pflanzen ist noch nicht vorhanden, die für höhere Luftfeuchte am Boden sorgt.“

Folge: „Schon ein glimmender Zigarettenstummel kann bei der derzeitigen Lage einen Waldbrand entfachen.“

Peter Hauk, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, bittet daher die Waldbesucher, besonders umsichtig zu sein. „Das wilde Grillen auf mitgebrachten Grillgeräten ist im Wald tabu. Ebenso besteht von März bis einschließlich Oktober in den baden-württembergischen Wäldern ein generelles Rauchverbot“, wird Hauk in einer Pressemitteilung seines Ministeriums zitiert.

Anfallender Müll solle entsorgt werden, um Waldböden, Gewässer und Waldbewohner nicht zu gefährden.

Noch ein weiterer Faktor treibt die Waldbrandgefahr hoch: Da es nicht nur derzeit keine Niederschläge gibt, sondern wegen fehlenden Schneefalls nach dem Winter auch bereits das Schneeschmelzwasser weitgehend wegfiel, ist der Boden sehr trocken, erklärt Kilian Knötzele vom Forstamt des Landratsamts Rems-Murr. „Zudem“, ergänzt er, „kann die Sonne durch das noch fehlende Laub ungehindert auf den Waldboden scheinen. Abgestorbene Äste, Laub, Blätter und Gräser des Vorjahres trocknen gänzlich aus und sind sehr leicht entflammbar.“

Da die steigenden Temperaturen mehr Besucher in den Wald locken, erhöhe sich das Risiko noch weiter – die meisten Waldbrände würden nun einmal durch Waldbesuchende ausgelöst.

Die Gefahr ist „gerade flächig sehr hoch“

In welchen Waldabschnitten die Brandgefahr besonders hoch ist, „kann man so pauschal nicht sagen“. Aber „südexponierte Wälder mit viel trockenem Material sind besonders gefährdet. Unterm Strich ist die Gefahr allerdings gerade flächig sehr hoch“, so Knötzele.

Durch die Trockenheit sind die Wälder zudem anfälliger für Krankheiten: „Jeder einzelne Baum, der geschwächt ist, kann sich nicht mehr in dem Maß gegen Schädlinge wie Pilze oder Insekten wehren.“

Hinter der Momentaufnahme steht ein Trend: „Da es insgesamt weniger Niederschläge gibt die letzten Jahre, werden die Trockenperioden dadurch auch länger“, sagt Knötzele.

Wie erfolgreich die Frühjahrspflanzung sein wird, werde man erst sehen. „Allerdings kann man sagen, dass unter den momentanen, sehr trockenen Bedingungen sicherlich die ein oder andere Jungpflanze vertrocknen wird. Allerdings ist es auch keine Option, nicht zu pflanzen.“

In den letzten zehn Jahren sei vermehrt eine Trockenheit in den Monaten März bis Mai festzustellen, sagt Simone Zehnder von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der LUBW, der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Ein Megatrend seit Aufzeichnungsbeginn 1881 lasse sich aber nicht ablesen. In diesem Zeitraum von rund 140 Jahren sei der Niederschlag im Frühling in Baden-Württemberg sogar leicht angestiegen, nämlich um sieben Prozent.

Auf die Frage, ob bereits Gewässer austrocknen, meint Zehnder: „Derzeit befinden sich bereits einige Landespegel in Baden-Württemberg im Niedrigwasserbereich, und in den kommenden Tagen wird ein weiterer langsamer Wasserstandsrückgang in den Gewässern erwartet.“ Aber auch wenn „für die Jahreszeit Frühling die Wasserstände sehr niedrig“ seien – „ein gänzliches Trockenfallen der Gewässer ist an den Landespegeln derzeit nicht in Sicht“.

Landwirt Escher bleibt gelassen

Für die Landwirtschaft ist die aktuelle Trockenheit noch kein Grund zur Sorge. „Man muss nicht alles negativ sehen“, sagt der Hegnacher Landwirt Volker Escher. Für die Rüben sei die Trockenheit sogar gut, erzählt er. Ob es zu Ernteausfällen kommen werde, könne man jetzt noch nicht voraussagen. „Es gibt gar keinen Grund zur Sorge“, meint er aber – eine Trockenphase im Juni wäre deutlich schlimmer.

Lediglich im Gemüsebau müsse man jetzt schon bewässern. Sollte die Trockenheit noch weitere zwei bis drei Wochen anhalten, wäre das schlecht, so Escher. „Aber bis jetzt herrscht keine Not.“ Sein zuversichtlicher Ausblick: „Die Natur gleicht das wieder aus.“

Die frühjährliche Trockenheit ist besonders in Süddeutschland groß. Auch die Wälder im Rems-Murr-Kreis leiden unter dem Wassermangel. Hauptgründe sind der verhältnismäßig warme März und das Ausbleiben von Niederschlägen - aber die Ursachen reichen noch weiter zurück .... Wie groß ist derzeit die Waldbrandgefahr? Was Experten dazu sagen, klingt nicht direkt entspannend.

Ganz neu ist das Phänomen nicht – schon die Jahre 2018 bis 2020 galten als sehr trocken und heiß, sagt Hans-Joachim

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