Rems-Murr-Kreis

Wann ist ein Kind bereit für die Schule? Worauf Eltern achten sollten

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Die Einschulung ist ein wichtiger Tag für Kinder und Eltern und sollte zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. © Gaby Schneider

Die neuen Erstklässler sind gerade in den Schulen angekommen. Das bedeutet auch eine Veränderung für diejenigen, die nun die Ältesten in den Kindertageseinrichtungen sind. Sie sind jetzt die Maxis, die Vorschulkinder – je nachdem, wie diese Gruppe in der jeweiligen Einrichtung genannt wird. Doch nicht immer ist es eindeutig, wann ein Kind eingeschult und damit ein solches Maxi- oder Vorschulkind wird. Vor allem bei Kindern, die in den Sommermonaten Geburtstag haben, stellt sich für viele Eltern die Frage, was das Beste für ihr Kind ist: Eine frühe Einschulung mit gerade einmal oder vielleicht sogar knapp sechs Jahren? Oder sollte das Kind doch lieber erst mit sieben Jahren in die Schule kommen?

Möglich ist vieles, sagt Sabine Wecht. Die Schulrätin leitet beim Staatlichen Schulamt Backnang den Fachbereich Grundschule, der Übergang von der Kita in die Schule ist einer ihrer Arbeitsschwerpunkte. „Kinder sind sehr unterschiedlich. Um herauszufinden, welches Bedürfnis das Kind hat und welches Bedürfnis die Schule hat, ist es entscheidend, dass sich pädagogische Fachkräfte in den Kitas, Eltern und Lehrkräfte an den Schulen austauschen und vernetzen, gegebenenfalls kann auch ein Kinderarzt dabei sein, etwa wenn Uneinigkeit besteht oder es um eine sehr frühe Einschulung oder eine Rückstellung geht.“

In den meisten Fällen sind so ausführliche Gespräche nicht nötig. Grundsätzlich hilft Eltern, die unsicher sind, bei der Entscheidung der Austausch mit Erzieherinnen und Erziehern in den Kitas sowie gegebenenfalls die Kontaktaufnahme zu den Kooperationslehrkräften, also den Lehrern der Grundschule, die die Kitas ohnehin ab und zu besuchen. Außerdem gibt es viele Dinge, auf die Eltern zunächst selbst achten können, um den richtigen Zeitpunkt für die Schulanmeldung zu finden.

Welcher Stichtag gilt?

Der Stichtag ist aktuell der 30. Juni. Das bedeutet: Alle Kinder, die bis zum 30. Juni sechs Jahre alt sind, sind vom kommenden Schuljahr an schulpflichtig. Der Stichtag wurde im Lauf der letzten Jahre sukzessive jeweils um einen Monat verschoben.

Was sind Kann-Kinder?

Der Begriff Kann-Kinder wird nicht mehr benutzt. Stattdessen gibt es nun einen sogenannten Einschulungskorridor, der eine vorzeitige Einschulung ermöglicht. Dieser Korridor beginnt am 1. Juli und endet am 30. Juni. Für Kinder, die innerhalb dieses Zeitraums sechs Jahre alt werden, besteht noch keine gesetzliche Schulpflicht. Sie können aber von den Eltern an der Schule angemeldet werden, die Anmeldung löst dann die Schulpflicht aus. Je nachdem, wann das Kind Geburtstag hat, kommt es bei einer vorzeitigen Einschulung also schon mit fünf Jahren in die Schule.

Was ist mit den Einschulungsuntersuchungen?

Es gibt zwei Einschulungsuntersuchungen, erklärt Sabine Wecht. Die erste findet im zweitletzten Kitajahr statt, vor der Corona-Pandemie war diese Untersuchung in den Kindertageseinrichtungen automatisch und standardisiert. „Coronabedingt musste dies zurückgefahren werden, die Untersuchung kommt aber wieder, die Strukturen werden zurzeit nach und nach wieder aufgebaut“, so Wecht. Die Einschulungsuntersuchung zwei erfolgt, wenn überhaupt, vor dem Schuleintritt und wurde von jeher nur nach Bedarf durchgeführt. Die Kindertageseinrichtungen konnten diesen Bedarf für Kinder anmelden, bei denen pädagogische Fachkräfte und Eltern unsicher waren, wann der richtige Einschulungszeitpunkt ist.

Wann erfolgt die Schulanmeldung im Rems-Murr-Kreis?

Die Schulanmeldung erfolgt an den Grundschulen im Rems-Murr-Kreis bis zum 1. März.

Wie definieren Experten Schulreife?

„Man spricht nicht mehr von Schulreife, sondern von Schulbereitschaft“, sagt Wecht. Grundsätzlich gelte es, vier Kompetenzbereiche zu berücksichtigen. Im sogenannten emotional-sozialen Bereich werden Aspekte berücksichtigt wie etwa die ausreichende Selbstständigkeit des Kindes, seine Fähigkeit, mit Misserfolgen und eigenen Impulsen umzugehen. Der motivationale Bereich berücksichtigt die Freude des Kindes auf den Wechsel, seine Lernbereitschaft und die Zuversicht des Kindes, das zu schaffen.

Im motorischen Kompetenzbereich spielt beispielsweise die Augen-Hand-Koordination ebenso eine Rolle wie feinmotorische Fähigkeiten im Umgang mit Stift und Schere. Im kognitiven Bereich schließlich geht es unter anderem um Sprachkompetenz, ein Kind sollte auch den Zahlenraum bis mindestens sechs erfassen können und sich fünf bis zehn Minuten auf eine Sache konzentrieren können. Dies sind nur einige Beispiele. Grundsätzlich gilt: „Es muss nicht hinter jedem Punkt ein Haken gesetzt werden können, es geht darum, was überwiegt. In allen Kompetenzbereichen sollte eine Grundbereitschaft vorhanden sein, drei Bereiche gut ausgeprägt sein“, sagt Wecht. Seien mehrere Bereiche auffällig, müssten Eltern und pädagogische Fachkräfte aus Kita und Schule eine Entscheidung zum Wohl des Kindes treffen.

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn solche Auffälligkeiten bestehen?

Es gibt die Möglichkeit einer Rückstellung, das bedeutet: Obwohl ein Kind vom Alter her schulpflichtig wäre, bleibt es in der Kita. Für eine solche Rückstellung müssen die Eltern einen Antrag bei der Schulleitung stellen. Eine andere Möglichkeit ist es, das Kind in einer sogenannten Grundschulförderklasse anzumelden.

Wer unsicher ist: Wo kann man professionelle Hilfe und Einschätzung bekommen?

Das Wichtigste ist es, im Gespräch zu sein, sagt Sabine Wecht. Das schließe Eltern, Kindertagesstätten und Schulen ein. Die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas haben viel Erfahrung und kennen die Kinder gut, noch besser kennen die Eltern ihre Kinder. Die Kooperationslehrkräfte haben zwar deutlich weniger Zeit mit den Kindern, können aber auch gezielt gebeten werden, einen professionellen Blick auf ein einzelnes Kind zu werfen. „Ist die Unsicherheit sehr groß, können beispielsweise auch schulpsychologische Beratungsstellen oder das Gesundheitsamt hinzugezogen werden“, sagt Sabine Wecht.

Die neuen Erstklässler sind gerade in den Schulen angekommen. Das bedeutet auch eine Veränderung für diejenigen, die nun die Ältesten in den Kindertageseinrichtungen sind. Sie sind jetzt die Maxis, die Vorschulkinder – je nachdem, wie diese Gruppe in der jeweiligen Einrichtung genannt wird. Doch nicht immer ist es eindeutig, wann ein Kind eingeschult und damit ein solches Maxi- oder Vorschulkind wird. Vor allem bei Kindern, die in den Sommermonaten Geburtstag haben, stellt sich für viele

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