Rems-Murr-Kreis

Wann kommt das Ende für die berüchtigten Schlaglochpisten des Landes?

L1120  kaputt
Von Ende Mai an wird die Landesstraße L 1120 zwischen dem Ebnisee-Kreisel und der Abzweigung Hinterwestermurr (K 1802) für sieben Wochen voll gesperrt.Der rissige Fahrbahnbelag muss auf einer Länge von 1,6 Kilometern erneuert werden. © Gabriel Habermann

Die Landesstraßen zwischen Rems und Murr waren einst berüchtigte Schlaglochpisten. In den vergangenen Jahren hat sich der Zustand vieler Landesstraßen zwar verbessert - für den SPD-Landtagsabgeordneten Gernot Gruber hält das Land Baden-Württemberg seine Versprechungen jedoch nicht ein und hinkt bei den Sanierungen hinterher. „Wenn die Landesregierung ihre Zusagen nicht einhält, sorgt das in der Bevölkerung für Politikverdrossenheit“, schreibt Gruber in einer Pressemitteilung.

Acht von zehn der bis 2020 zur Sanierung vorgesehenen Landesstraßen würden nicht einmal 2021 saniert werden. Zwei Jahre hat Gruber eigenen Angaben zufolge um die Sanierungen gerungen und den Verkehrsminister zur Einhaltung des beschlossenen Sanierungsprogramms gedrängt. Zunächst seien von 26 Maßnahmen nur neun umgesetzt worden. Nach wiederholtem Nachhaken seien es jetzt immerhin 18. Trotzdem sei der Bescheid von Verkehrsminister Winfried Hermann ernüchternd: Acht bis 2020 zugesagte Sanierungen bleiben auch bis Ende 2021 offen.

Verkehrsminister Hermann will die Kritik nicht auf sich sitzenlassen

In dem Briefwechsel mit dem Backnanger SPD-Landtagsabgeordneten wollte Hermann Grubers Kritik nicht auf sich sitzenlassen. Er wies darauf hin, dass das Land sogar mehr als geplant in seine Straßen im Kreis investiert hat. Dass acht Erhaltungsmaßnahmen nicht umgesetzt und somit nur 14 der 19 Kilometer Landesstraße saniert wurden, räumt Hermann ein. Doch unterm Strich seien im Rems-Murr-Kreis viel mehr Fahrbahnen saniert worden als zunächst geplant. Zwischen 2017 und 2021 wurden aus unterschiedlichen Gründen 17 Kilometer Straßen vor der Zeit instandgesetzt. Oder weil es einfach dringend nötig war, wie zum Beispiel der nach einem Unwetter abgerutschte Hang an der L 1080 zwischen Klaffenbach und Laufenmühle. „Im Vergleich zur vorgesehenen Gesamtlänge der Erhaltungsabschnitte werden in diesem Zeitraum somit deutlich mehr Kilometer saniert.“ Wie es mit der Instandhaltung der Landesstraßen weitergeht, wird voraussichtlich im Herbst 2021 entschieden.

Seit dem Amtsantritt des grünen Verkehrsministers Hermann im Jahr 2011 lautet die Devise in der Verkehrspolitik „Erhalt statt Neubau“. Die CDU-geführten Landesregierungen hatten die Sanierung der Straßen zugunsten prestigeträchtiger Neubaustrecken vernachlässigt. Jahr für Jahr schrieben die Landräte Brandbriefe nach Stuttgart und beklagten die zu knappen Gelder für den Erhalt. Derzeit steht im Kreis keine einzige Landesstraße auf der insgesamt recht kurzen Liste der „Neubaumaßnahmen“. Die Ortsumfahrung Miedelsbach im Wieslauftal taucht immerhin als einziges Projekt in der Liste der „Neubaumaßnahme mit weit fortgeschrittener Planung“ auf. Ausbauen will das Land lediglich die L 1127 zwischen Winnenden und der Kreisgrenze sowie die L 1120 zwischen Kaisersbach und Fornsbach.

Deutlich länger war und ist die Liste der geplanten Sanierungen. Von den überfälligen zehn Sanierungsfällen sollen in diesem Jahr nur die L 1120 am Ebniseekreisel (ab Juni) und die L 1115 zwischen Aspach und Backnang (ab August) saniert werden, schreibt Gruber. „Letztere wohl mit dem Ziel, den Autobahnzubringer zu ertüchtigen, damit der Bund bereit ist, die Landesstraße zu übernehmen“, mutmaßt Gruber. Just der Zubringer (L 1115) von Backnang zur A-81-Anschlussstelle Mundelsheim ist ein Dauerbrenner in der verkehrspolitischen Diskussion im Kreis. Dem Land ist ein dreispuriger Ausbau schlicht zu teuer, weshalb es die unfallträchtige Straße dem Bund überantworten will.

Im Verbreitungsgebiet unserer Zeitungen stehen aus Sicht von Gruber vier Sanierungen aus. Und zwar 400 Meter auf der L 1153 in Alfdorf, ein Kilometer der L 1080 zwischen Alfdorf und Gschwend, 500 Meter auf der L 1150 in Welzheim sowie 260 Meter der L 1080 bei Rudersberg-Oberndorf.

Gruber befürchtet nun, dass nun wieder wie schon 2016 vom Minister zugesagte Sanierungen ganz aus Hermanns Maßnahmenliste fallen. Vor fünf Jahren betraf das die L 1119 zwischen Sechselberg und Vorderwestermurr und die L 1066 zwischen der Eisenschmiedmühle und dem Plapphof. „Die sind aus dem Sanierungsprogramm verschwunden, ohne dass sie saniert worden wären“, erinnert Gruber und fügt die Forderung an: „Gemeinden und Bürger müssen sich auf die Planungen des Landes verlassen können - sonst entsteht zu Recht Politikverdrossenheit.“

Die Landesstraßen zwischen Rems und Murr waren einst berüchtigte Schlaglochpisten. In den vergangenen Jahren hat sich der Zustand vieler Landesstraßen zwar verbessert - für den SPD-Landtagsabgeordneten Gernot Gruber hält das Land Baden-Württemberg seine Versprechungen jedoch nicht ein und hinkt bei den Sanierungen hinterher. „Wenn die Landesregierung ihre Zusagen nicht einhält, sorgt das in der Bevölkerung für Politikverdrossenheit“, schreibt Gruber in einer Pressemitteilung.

Acht von

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper