Rems-Murr-Kreis

Warum das Konzert von Andrea Berg wissenschaftlich begleitet wird

Andrea Berg
So ähnlich wie hier beim Gartenkonzert im September 2020 wird die „Bühne“ aussehen, nur größer und ausgeschmückter: Auf einem Strohballenwagen wird es sich Andrea Berg gemütlich machen – mit einem Sofa, Kerzen und einem großen Traumfänger. © privat

Der Countdown läuft – am Freitag ist es so weit: Der erste von vier Konzertabenden unter dem Motto „Steh auf und tanz – Das besondere Heimspiel 2021“ startet als Modellvorhaben des Rems-Murr-Kreises. Sängerin Andrea Berg wird am 9., 16., 17. und 24. Juli in der „WIRmachenDRUCK“- Arena in Aspach auf die Bühne zurückkehren. Mit diesen Veranstaltungen möchte der Landkreis Erkenntnisse gewinnen, wie Großveranstaltungen künftig möglich sein können, und diese für andere Veranstaltungen im Landkreis nutzbar machen (wir berichteten).

Auch Andrea Berg ist im Endspurt-Modus und kann es kaum erwarten, ihre Fans wieder zu sehen: „Es ist schön, wieder ein bisschen Leichtigkeit zu spüren.“ Ganz, ganz klein und langsam fange man an. Normalerweise kommen rund 30.000 Schlagerfans an einem Juliwochenende nach Aspach, um ihr Idol zu feiern. Nun wird alles im Kleinen stattfinden – und zwar unter diversen Auflagen, um Neuinfektionen mit dem Coronavirus möglichst zu vermeiden. Die vier besonderen Heimspiel-Abende von Andrea Berg werden mit jeweils 2000 Besuchern durchgeführt.

Wissenschaftliche Studie über Verhalten beim Konzert

Zudem werden die Konzerte unter Beobachtung stehen: Der Landkreis begleitet das Modellvorhaben mit einer wissenschaftlichen Studie. Unter anderen sollen das Verhalten und Wohlbefinden der Menschen untersucht werden. Zudem ist ein Wissenstransfer mit den Kommunen im Landkreis geplant. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt Beate Kegler, die auch an der Uni Hildesheim lehrt. Ihr Fokus wird sich dabei nicht auf den Infektionsschutz richten: Die Kulturwissenschaftlerin „wird beim Heimspiel untersuchen, wie die Besucher die unterschiedlichen Sicherheitsmaßnahmen wahrnehmen“. Außerdem sollen Vertreter von Landkreis, Städten und Gemeinden sich das Gelände ansehen können, um Erkenntnisse für eigene Veranstaltungen zu gewinnen.

Ganz schön aufgeregt sei sie, gibt Andrea Berg zu, als sie kürzlich am Morgen zu Gast im Radio bei SWR 4 war. Es werde ein ganz anderes, intimeres Konzertgefühl sein: „Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir das in Kooperation mit dem Landkreis hinbekommen haben. Wir sind sehr gewissenhaft und uns der Verantwortung bewusst.“

Die Konzertreihe hat das Ministerium für Soziales und Integration als sogenanntes Selbstläufervorhaben eingestuft. Ausreichend Platz für die Einhaltung von Abstandsregelungen und Erfahrungen bei der Vorbereitung von Großveranstaltungen brachten die spontane Idee zur Zusammenarbeit mit Andrea Berg. Bereits 2019 hat der Landkreis zusammen mit einer der erfolgreichsten Künstlerinnen Deutschlands ein bisher wohl einmaliges Inklusionskonzert unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann durchgeführt. Wie schon 2019 können auch in diesem Jahr wieder Menschen mit Behinderung aus stationären Einrichtungen des Rems-Murr-Kreises an den Veranstaltungen teilnehmen. Sie sind wieder eingeladen, und zwar zu den ganz regulären Konzerten, Einladung der Einrichtungen sowie deren Anmeldungs-Koordinierung laufen über das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises. „Wir wollen auf 2019 aufbauen und im Rahmen des Modellvorhabens sozusagen Inklusion 2.0 erlebbar machen“, so Landrat Dr. Richard Sigel. „Menschen mit und ohne Behinderung sollen nach den vielen Monaten des Verzichts ein Konzert in ganz besonderer Atmosphäre genießen können. Damit macht auch das Thema Inklusion wieder einen Schritt nach vorne und das trotz Corona“, freut sich der Landrat.

Oberste Priorität: Sicherheit

Die Abstimmung des Hygienekonzeptes zwischen Gesundheitsamt, Gemeinde Aspach und Veranstalter erfolge sehr eng, denn das Thema Sicherheit werde großgeschrieben. Wie sehen also die Regeln für einen Besuch des diesjährigen Heimspiels aus? Sofern die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis nicht wieder plötzlich in die Höhe schießt, ist der Besuch für Geimpfte, negativ Getestete und Genesene kein Problem. Um die entsprechenden Nachweise zu kontrollieren, ist 50 Meter vor dem eigentlichen Einlass eine Station eingerichtet. Das DRK wird, unterstützt durch die Rems-Murr-Kliniken, bei den vier Berg-Abenden eine Teststation bereitstellen. Wer kein aktuelles Testergebnis hat, kann sich direkt vor Ort testen lassen. Das Ergebnis kann mit der App RMK-Cosima direkt auf dem Mobiltelefon hinterlegt oder vor Ort in gedruckter Form vorgelegt werden.

Anreise auf gut Glück macht keinen Sinn

Die Kontaktnachverfolgung bei Großveranstaltungen ist ein weiterer wichtiger Baustein. Besucher sollen sich an ihren Plätzen mittels der Luca-App einchecken. Im Freien ist – Stand jetzt– auf den Sitzplätzen keine Maskenpflicht geplant. Lediglich beim Einlass, der Essensausgabe und beim Besuch der Sanitäranlagen ist das Tragen einer medizinischen Maske erforderlich. Besonderheit des Vorhabens ist auch, dass es keine Platzordnung gibt. „Wir setzen auf die Achtsamkeit und Rücksicht der Konzertgäste“, so der Landrat. Lediglich Hinweise, Sitzplätze zwischen Besuchergruppen frei zu lassen, sollen aufgestellt werden. Sollte dieses Modell nicht funktionieren, werden Ordner nachsteuern.

Bei den Veranstaltungen wird es keine Tageskasse geben. Auch eine Anreise auf gut Glück ergibt keinen Sinn. Die nur im Vorverkauf vertriebenen, personalisierten Tickets sind nicht übertragbar. „Es ist nur noch ein geringes Restkontingent verfügbar“, sagt Thomas Deters, Geschäftsführer der AFM Consulting, die als Veranstalter fungiert. Auch er ist froh, dass es wieder losgeht. Zweimal war er, wie berichtet, im Aspacher Gemeinderat zugegen, um sich generell für Veranstaltungen im Fautenhau starkzumachen. Für die gebeutelte Kulturbranche sei es wichtig, ein Zeichen zu setzen – nicht nur für die Künstler, sondern auch für diejenigen, die im Hintergrund arbeiten – Dienstleister, Techniker, Caterer, Tänzer und und und. Thomas Deters fügt hinzu: „Endlich können wir der gesamten Branche wieder eine Perspektive geben. Wir werden beweisen, dass es funktioniert, mit all den Maßnahmen und Regeln, die es einzuhalten gilt.“

Musikerin singt vom Traktoranhänger

Auch was den Bühnenaufbau angeht, werde dieses Heimspiel „besonders“, verspricht Deters. Trotz all des Sicherheitsabstands können die Fans Andrea Berg nahe kommen. Denn die letzte Reihe bei den diesjährigen Konzerten wird von der Bühne nur so weit entfernt sein wie die vierte Reihe bei den bisherigen. Außerdem wird es neben den Sitzplätzen auf der Tribüne auch im Innern der Arena die Möglichkeit geben, sich auf Strohballen oder auf Stühlen an Tischen Platz zu nehmen. Für die Sängerin wird es zudem ein anderes Bühnenfeeling sein: Andrea Berg wird es sich auf einem Traktoranhänger, auf dem normalerweise die Strohballen transportiert werden, gemütlich machen – ähnlich wie beim Gartenkonzert im September 2020 (wir berichteten), nur größer und ausgeschmückter. Sie bringt ihr Sofa von zu Hause mit, dekoriert den Anhänger mit einem großen Traumfänger und schafft damit eine intime Wohnzimmeratmosphäre. Die Sängerin wird gegen 20.30 Uhr ihr Programm beginnen. Ab 22 Uhr werde es dann wieder still werden, denn: „Dann müssen wir wieder leise sein.“

Still – das war es für die 55-Jährige auch rund um das Hotel Sonnenhof, das die Familie Ferber betreibt: „Ich war in den letzten Monaten beschäftigter als sonst, da es viel zu organisieren gab“, sagt die Musikerin im Radiointerview. Auf die Frage nach einem neuen Album weicht Berg aus. Natürlich habe sie sich der Musik gewidmet – schließlich wird ihre Mosaik-Live-Arena-Tour im kommenden Jahr fortgesetzt –, aber sie habe ebenso viel für ihr Chaletdorf „s’Dörfle“ gewerkelt: „Ich habe dort die ganze Bepflanzung gemacht und auch neue Lampenschirme genäht.“ Richtig Ruhe, nein, das habe sie nicht gehabt: „Es war immer eine gewisse Unruhe spürbar“, gibt die gelernte Arzthelferin zu und ergänzt: „Nicht deshalb, weil ich nicht auf die Bühne konnte, sondern weil an unserem Hotelbetrieb mit vielen Mitarbeitern auch Existenzen hängen. Da macht man sich viele Gedanken und muss sich kümmern.“

Italienische Sommernacht und Disco-Revival-Abend

Jetzt zähle für sie eins: „Das Wichtigste bei uns Menschen ist die Begegnung untereinander und das gemeinsame Leben und das habe ich wahnsinnig vermisst. Ich darf die Menschen bei den Konzerten zwar noch nicht in den Arm nehmen, werde das aber von der Bühne aus tun. Wir dürfen wieder anfangen, das Leben zu feiern.“

Zur Konzertreihe gehören auch noch die Auftritte von „Night Fever – The very best of The Bee Gees“ (10. Juli) und Giovanni Zarrella & Band (23. Juli) mit maximal 999 Besuchern. Auch da schwärmt Berg: „Mit Giovanni wird es eine italienische Sommernacht geben und Night Fever ist eine tolle Truppe – die kann man von dem Original nicht unterscheiden. Das wird ein Disco-Revival-Abend.“ Die Band habe sie ihrem Mann Uli vor fast zwei Jahren zum 60. Geburtstag engagiert, „weil er ein großer Bee-Gees-Fan ist“. Und deshalb steht für Andrea Berg fest: „An diesem Abend werde ich mit Uli schwofen und die Zeit genießen.“

Shuttlebus zur Arena

An allen vier Veranstaltungstagen des besonderen Heimspiels wird ein kostenloser Shuttlebus-Verkehr eingerichtet. Abfahrt ist jeweils um 17.30 und 18.30 Uhr ab Backnang ZOB Bussteig 2 zur Arena. Die Rückfahrten starten jeweils um 22.15 und 22.30 Uhr ab Haltestelle Arena. Ab Backnang bestehen folgende Anschlussmöglichkeiten: Verbindungen von Backnang nach Stuttgart – 22.38 Uhr Regionalexpress RE 90 ab Backnang; 22.41 und 23.11 Uhr S-Bahn S 3; Verbindung S-Bahn S 4 von Backnang über Marbach-Ludwigsburg-Stuttgart Hauptbahnhof um 23.03 Uhr.

Der Countdown läuft – am Freitag ist es so weit: Der erste von vier Konzertabenden unter dem Motto „Steh auf und tanz – Das besondere Heimspiel 2021“ startet als Modellvorhaben des Rems-Murr-Kreises. Sängerin Andrea Berg wird am 9., 16., 17. und 24. Juli in der „WIRmachenDRUCK“- Arena in Aspach auf die Bühne zurückkehren. Mit diesen Veranstaltungen möchte der Landkreis Erkenntnisse gewinnen, wie Großveranstaltungen künftig möglich sein können, und diese für andere Veranstaltungen im

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