Rems-Murr-Kreis

Warum die Hagelabwehr sinnvoll ist, obwohl sie gegen zu geballte Naturgewalten machtlos ist

Hagelabwehr
Ein Rauchgas-Generator im Einsatz. © FK Aviation

Am Abend des 27. Juni 2020 wütete ein Gewitter über dem Remstal und richtete schwere Schäden in den Weinbergen in Strümpfelbach an. Gegen solch geballte Naturgewalten waren die vier Hagelflugzeuge machtlos, die stundenlang versucht hatten, die Wolken mit Silberjodid zu impfen und zum Abregnen zu bringen. Einzelne Schadensfälle wie diese sind im Rems-Murr-Kreis noch lang kein Grund, grundsätzlich am Sinn und Zweck der Hagelabwehr zu zweifeln. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages hat am Montag einstimmig die Fortsetzung der Hagelabwehr beschlossen.

Diese Hagelabwehr hat im Remstal Tradition und vor mehr als vier Jahrzehnten mit dem ersten Hagelflugzeug ihren Anfang genommen. Inzwischen sind zwischen Bodensee und Odenwald sieben Flugzeuge im Einsatz. Es waren aber die Remstäler Obstbauern und Wengerter, die es damals leid waren, dass ihnen die Gewitter regelmäßig die Ernten verhagelten, und auf Abhilfe sannen. An Anfeindungen, ob und wie sinnvoll die Impfung von Gewitterwolken denn nun sei, hat es seit jeher nicht gemangelt. Zuletzt sorgte der Wetterexperte Jörg Kachelmannn für knallige Schlagzeilen. Statt Silberjodid könnten die Flugzeuge gleich die Geldscheine aus dem Fenster werfen, schlug er ketzerisch vor.

Ein Wengerter wie Werner Hundt lässt sich von solchen Unkenrufen nicht mehr beirren. Der CDU-Kreisrat ist überzeugt vom Nutzen der Hagelabwehr. Im Umwelt- und Verkehrsausschuss hielt er ein Plädoyer, mit der Hagelabwehr bis 2026 fortzufahren - selbst wenn die Flugzeuge gegen schwere Gewitter wie das vom 27. Juni 2020 machtlos sind. Silberjodid kann Gewitter zwar nicht verhindern, es sorgt jedoch dafür, dass die Wolkentürme früher abregnen, die Hagelkörner nicht zu groß werden und somit am Boden weniger Schaden anrichten.

Klimawandel sorgt für mehr Extrem-Hagelereignisse

Im vergangenen Jahr waren die Hagelflugzeuge über dem Rems-Murr-Kreis siebenmal im Einsatz. Im gewitterträchtigen Jahr 2019 notierten die Piloten hingegen mehr als 20 Einsatztage. Meteorologen sind sich darüber einig, dass aufgrund des Klimawandels der Anteil an Extremhagelereignissen zunehmen wird, begründet das Landratsamt die Hagelabwehr. Die Region Stuttgart zähle zu den hagelträchtigsten Regionen in Deutschland. In den letzten Jahren sei es zu keinen größeren Hagelereignissen im Schutzgebiet gekommen, wo seit 2007 zwei Hagelflieger im Einsatz sind. 2015 wurde das Schutzgebiet erweitert und die Qualität des Impfprozesses durch die meteorologische Intensivbetreuung verbessert. Seit 2018 werden die Piloten laufend informiert, wo und wie stark sich die Gewitter aufbauen, so dass sie ihre Einsätze zielgenauer angehen können. Darüber hinaus seien die Hagelflieger seit der Hagelabwehrsaison 2020 mit neuen Generatoren ausgestattet, was zu einer weiteren Optimierung der Einsätze geführt habe.

Das Beispiel Hagelabwehr in der Region Stuttgart hat Schule gemacht. Inzwischen sind in weiteren Regionen in Baden-Württemberg Hagelabwehrorganisationen entstanden, unterstützt durch die Geschäftsstelle Hagelabwehr im Landwirtschaftsamt Rems-Murr-Kreis. Um für alle Beteiligten Planungssicherheit zu erhalten, wurden seit 2007 fünfjährige Projektzeiträume für die Hagelabwehr eingeführt. Der jetzige Projektzeitraum endet 2021. Auf der Tagesordnung des Ausschusses stand, für den neuen Projektzeitraum 2022 bis 2026 die Fortführung zu beschließen. Finanziert wird die Hagelabwehr von einer Solidargemeinschaft aus Landwirtschaft, Wirtschaft und der öffentlichen Hand. Die Ausgaben belaufen sich auf jährlich fast 400 000 Euro. Zahler sind Landkreise und die Stadt Stuttgart (140 000 Euro), Wein- und Obstgärtner (188 000 Euro), Firmen und Versicherungen (30 000 Euro) sowie die Versicherung WGV (34 000 Euro).

Der Rems-Murr-Kreis zahlt jährlich 50 000 Euro

Der Weinbauverband hat bereits seine Unterstützung zugesagt. Der Anteil des Rems-Murr-Kreises an der Hagelabwehr ist seit 2007 gleichbleibend bei 50 000 Euro pro Jahr. Auch für den neuen Projektzeitraum soll dieser Anteil nicht erhöht werden.

Bei der Kalkulation der Ausgaben wird von steigenden Aufwendungen beim Flugbetrieb ausgegangen. Höhere Ausgaben entstünden auch durch den Einsatz von neuen Techniken wie Fackeln, um die Hagelabwehr zu optimieren.

 

Am Abend des 27. Juni 2020 wütete ein Gewitter über dem Remstal und richtete schwere Schäden in den Weinbergen in Strümpfelbach an. Gegen solch geballte Naturgewalten waren die vier Hagelflugzeuge machtlos, die stundenlang versucht hatten, die Wolken mit Silberjodid zu impfen und zum Abregnen zu bringen. Einzelne Schadensfälle wie diese sind im Rems-Murr-Kreis noch lang kein Grund, grundsätzlich am Sinn und Zweck der Hagelabwehr zu zweifeln. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages

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