Rems-Murr-Kreis

Warum im Leutenbachtunnel auf der B14 weiterhin Tempo 60 gilt

Sicherheitsmassnahmen im Leutenbacher B14 Tunnel  werden gezeigt
Der Leutenbachtunnel auf der B14. © Gabriel Habermann

Tempo 60 auf der Bundesstraße B 14 ist echt langsam. Sogar beim Anblick des sich nähernden dunklen Tunneleingangs bei Leutenbach. Warum nur wird hier, auf der Spur in Fahrtrichtung Backnang, die Geschwindigkeit so runtergedrosselt? Und das schon eine gefühlte Ewigkeit lang? Wer kommt hier nicht zu Potte? Der Tunnel, so die lapidare, aber nicht zu ändernde Antwort, leidet an der weltweiten Chipkrise.

„Es gibt ein technisches Problem“, heißt es aus dem Landratsamt zum Leutenbachtunnel, der seit Anfang Februar zum Bremsklotz für Autofahrer geworden ist, die in Richtung Backnang unterwegs sind. Tempo 60 verlangen die digitalen Verkehrsschilder. Ein „technisches Problem“ klingt erst mal, als wäre halt jemand vonnöten, der mittels eines Schraubenziehers Wunder vollbringen kann. Beim Leutenbachtunnel allerdings braucht’s anderes. Und das ist zurzeit nicht zu bekommen.

Die Ampel am Tunneleingang kann nicht mehr angesteuert werden

Seit Anfang Februar ist die Ampel, die direkt am Tunneleingang steht, defekt. Sie kann nicht mehr über den Computer, über den sie normalerweise bedient wird, angesteuert werden. Die zweite Ampel, einige Meter vom Tunnel entfernt, funktioniert zwar noch, doch im Notfall müssen beide Ampeln innerhalb von Sekunden von Grün auf Rot geschaltet werden können. Damit niemand mehr reinrauscht ins Unterirdische. Ein Notfall wäre beispielsweise ein Verkehrsunfall im Tunnel.

Der Tunnel ist ein digital-technisches Wunderwerk und von vorne bis hinten kameraüberwacht. Doch die ganze Überwachung hilft nichts, wenn dann, in gefährlichen Situationen, nicht in den Verkehrsfluss eingegriffen werden kann. Man hätte die Tunnelröhre, um jegliche Gefahr auszuschalten, natürlich komplett schließen können. Man hätte den Verkehr in Richtung Backnang dann allerdings durch Leutenbach leiten müssen. Und das – wie sich’s ja zeigt, nicht nur einen, zwei oder drei Tage lang, sondern einen, zwei, womöglich viele Monate lang.

Das Problem, so das Landratsamt, sei eine „defekte Chipkarte“. Die muss ersetzt werden, da hilft kein noch so geschickt eingesetzter Schraubenzieher. Chips jedoch sind aktuell weltweit Mangelware, und viele Unternehmen leiden. Das Wirtschaftsphänomen hat sogar schon einen eigenen Wikipedia-Eintrag mit der Überschrift „Chipkrise“. „Wir sind mit Hochdruck dran“, heißt es aus dem Landratsamt. Doch wie lang es dauert, bis die Lieferung, die auch den Leutenbachtunnel mit dem benötigten Chip versorgt, dort ankommt, wo sie hingehört, das weiß keiner. „Es kann also durchaus noch einige Wochen dauern.“

Bei Tempo 60 – so eingehalten – können Autofahrer auf Unfälle noch reagieren

Daher sind die Autofahrer – und die Leutenbacher – vermutlich besser mit der Temporeduzierung bedient, die es möglich macht, den Tunnel trotz Ampelansteuerungsdilemma zu benutzen. Bei Tempo 60 geht man davon aus, dass – nach einem Unfall – nachfolgende Autofahrer noch rechtzeitig reagieren können. „Das ist mit dem Sicherheitsbeauftragten des Tunnels und der Verwaltungsbehörde Tunnel so abgestimmt.“ Voraussetzung ist natürlich, dass die Autofahrer sich auch wirklich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten.

Die Verwaltungsbehörde Tunnel übrigens gehört zum Regierungspräsidium Stuttgart und ist für die Sicherheit an und in Bundes- und

Landesstraßentunnels zuständig. Die Behörde war somit, gemeinsam mit dem Rems-Murr-Kreis als Tunnelbetreiber, und mit der Polizei, auch maßgeblich daran beteiligt, als im April 2021 die Höchstgeschwindigkeit im Leutenbachtunnel von 100 auf 80 Kilometer pro Stunde gesenkt wurde. Der Grund für den Eingriff: häufige, auch schwere Unfälle und die Notwendigkeit, die Bremswege der Fahrzeuge zu reduzieren.

Tempo 60 auf der Bundesstraße B 14 ist echt langsam. Sogar beim Anblick des sich nähernden dunklen Tunneleingangs bei Leutenbach. Warum nur wird hier, auf der Spur in Fahrtrichtung Backnang, die Geschwindigkeit so runtergedrosselt? Und das schon eine gefühlte Ewigkeit lang? Wer kommt hier nicht zu Potte? Der Tunnel, so die lapidare, aber nicht zu ändernde Antwort, leidet an der weltweiten Chipkrise.

„Es gibt ein technisches Problem“, heißt es aus dem Landratsamt zum Leutenbachtunnel,

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