Rems-Murr-Kreis

Warum sinkt die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis langsamer als anderswo? Ab wann sind Lockerungen möglich?

Click und Meet
Unter Hygieneauflagen öffnen dürfen neben den Geschäften des täglichen Bedarfs bei einer stabilen Inzidenz von unter 100 auch die Baumärkte. Der restliche Einzelhandel darf unbeschwerteres Einkaufen als Termin-Shopping (Click & Meet) anbieten. Im Artikel erklären wir, wie das dann ablaufen kann. © ALEXANDRA PALMIZI

Warum sinkt die Inzidenz in Baden-Württemberg und im Rems-Murr-Kreis weniger schnell als anderswo? Die Frage stellen sich viele angesichts der Grenzmarke 100, die dieser Tage teils im Zickzack-Kurs unter- und wieder überschritten wurde. Wie ist nun also die Lage im Rems-Murr-Kreis, bei unseren Nachbarn und im gesamten Land?

Die landesweite Inzidenz betrug am Dienstag (25.5.) laut Landes-Gesundheitsamt 59. Über 100 liegen nur noch der Zollernalbkreis (125), die Landkreise Tuttlingen (121) und Rottweil (106,5) sowie der Stadtkreis Heilbronn (110).

Im Rems-Murr-Kreis war am Mittwoch (19.5.) Erleichterung und Vorfreude bei allen Verantwortlichen der Pandemiebekämpfung und bei den Einzelhändlern zu spüren. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfizierten je 100.000 Einwohner war auf 97 und damit auf unter 100 gesunken. Erste Planrechnungen wurden gemacht, ab welchem Tage Öffnungen folgen könnten und zum Beispiel im Einzelhandel wieder unbeschwerteres Einkaufen erlaubt wäre. Doch jäh folgte die Enttäuschung. Die Inzidenz stieg am Donnerstag (20.5.) auf 101 und am Freitag (21.5.) auf 107.

Erst ab einer stabilen U-100-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen dürfen Lockerungen in Kraft treten. Das Rechnen und Planen im Rems-Murr-Kreis geht also von vorne los. Samstag (22.5.) zählt mit einer Inzidenz von 97 nunmehr als Tag eins. Sonn- und Feiertage werden nicht mitgerechnet. Somit ist Dienstag (23.5.) mit einer Inzidenz von 58 Tag zwei.

Bliebe die Inzidenz auch am Mittwoch, Donnerstag und Freitag bei unter 100, hätten wir fünf Tage am Stück erreicht. Frühestens möglicher „Öffnungstag“ für den Rems-Murr-Kreis wäre dann der Montag, 31. Mai, bestätigt Leonie Ries, Sprecherin des Landratsamtes. „Wir würden dann am kommenden Samstag bekanntmachen, dass die Inzidenz stabil unter 100 liegt und die Öffnungen ab Montag ankündigen.“

Warum die bundesweit nach unten verlaufende Inzidenz-Entwicklung im Rems-Murr-Kreis und Baden-Württemberg langsamer und schwankender erfolgt als anderswo, ist völlig unklar, sagt Leonie Ries. „Wir hatten nicht etwa größere Corona-Ausbrüche oder Ähnliches. Die Infektionslage ist weiterhin diffus. Viele Ansteckungen finden im privaten Umfeld statt.“

Stimmen aus den beiden Kreisen mit „hohen“ Inzidenzen

Selbst in zwei der vier verbliebenen „Hochinzidenz-Kreisen“ Baden-Württembergs ist nicht zu ermitteln, warum die Infiziertenzahlen vergleichsweise langsam sinken.

Im Zollernalbkreis lag die Inzidenz am Dienstag (25.5.) bei 125. Die Landkreisverwaltung analysiert seit Wochen im Detail und engmaschig das Infektionsgeschehen: „Um mögliche Infektionsherde schnell zu identifizieren, drehen wir praktisch jeden Stein um“, so Landrat Günther-Martin Pauli in einer Mitteilung. Die Aufschlüsselung der Neuinfektionen nach einzelnen Städten und Gemeinden zeige, dass der gesamte Landkreis betroffen ist – ein sehr diffuses Infektionsgeschehen. Es gebe keine besonderen Häufungen in bestimmten Ortschaften. Nach wie vor liege eine Vielzahl der Infektionen im privaten Bereich.

Der Mercedes-Benz UCI Mountain Bike World Cup am 8. und 9. Mai in Albstadt sei kein „Problem“ gewesen. Bei dem Cup waren keine Zuschauer zugelassen. Die Teilnehmer sowie deren Teams wurden im Rahmen des Hygienekonzepts täglich vor Betreten des Veranstaltungsgeländes getestet. Auch das Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan habe bislang keinen bedeutenden Einfluss auf die Inzidenzentwicklung.

Die am stärksten von Corona-Neuinfektionen betroffene Gruppe ist im Zollernalbkreis die Altersklasse zwischen 20 und 40 Jahren. Viele davon stehen im Berufsleben. „Wir empfehlen daher dringend, dass Betriebe ihren Mitarbeitenden nicht nur Selbst- und- Schnelltests zur Verfügungen stellen, sondern diese verstärkt verpflichten, Tests durchzuführen“, so Gesundheitsamtsleiterin Gabriele Dr. Wagner.

Natürlich macht das Coronavirus nicht vor administrativen Grenzen halt, sagt Brigitte Stein, Pressesprecherin des benachbarten Landkreises Rottweil, der ebenso wie der weitere Nachbarkreis Tuttlingen noch eine Ü-100-Inzidenz hat. „Das Infektionsgeschehen ist und bleibt diffus. Wir haben keine Hotspots. Die meisten Infektionen geschehen im privaten Bereich und auf der Arbeit, die sich dann natürlich auch gegenseitig bedingen“, sagt Brigitte Stein.

Wie sieht’s in den Nachbarkreisen aus in puncto Lockerungen?

Ein Wechselbad der Gefühle wegen schwankender Inzidenzzahlen mussten direkte Nachbarkreise des Rems-Murr-Kreises erleben. So hatte man sich im Landkreis Ludwigsburg eigentlich schon auf Öffnungen ab dieser Woche gefreut, doch am Pfingstsamstag (22.5.) gab es einen Ausreißer der Inzidenz über die 100er-Marke: 105,6. Mit einer Inzidenz von 66,7 am Dienstag (25.5.) wird nun auch die erste Juniwoche als Öffnungswoche anvisiert.

Im Ostalbkreis und im Landkreis Schwäbisch Hall sieht’s ähnlich aus: Die Inzidenzen gehen rauf und runter. Dienstag (25.5.) wäre mit einer Inzidenz von unter 100 (86 beziehungsweise 90,5) Tag eins der erneut zu beginnenden Fünf-Tage-Zählungen und die erste Juniwoche wäre eigentlich jeweils Öffnungswoche. Aktualisierung (Stand: 28.5.): Der Ostalbkreis prescht vor und "öffnet" schon ab Samstag. 29. Mai.

Der Landkreis Heilbronn ist in der Riege der Nachbarn des Rems-Murr-Kreises noch am weitesten hintendran. Die Inzidenzen der drei Tage des verlängerten Pfingstwochenendes: 135, 143 und 96. Am Dienstag (25.5.) lag die Inzidenz bei 96,4. So könnte für den Landkreis Heilbronn also ebenso die erste Juniwoche Öffnungswoche sein.

Die Landkreise Esslingen und Göppingen könnten schon Ende der laufenden Woche öffnen. Seit Mittwoch (19.5.) liegt die Inzidenz stabil unter 100. Am Dienstag (25.5.) betrug sie im Landkreis Esslingen 74,6 und im Landkreis Göppingen 71,7.

In Stuttgart sind weitreichende Lockerungen bereits an diesem Donnerstag (27.5.) möglich, denn bereits am 18. Mai war die Inzidenz in Stuttgart unter 100 gefallen und ist seither stabil dort geblieben. Sie betrug am Dienstag (25.5.) 81,6.

Welche Lockerungen es bei einer stabilen U-100-Inzidenz gibt

Das Land Baden-Württemberg hat die Regelungen der Bundesnotbremse zum 14. Mai um ein dreistufiges Verfahren für Öffnungen und Lockerungen in Abhängigkeit der lokalen, kreisweiten Inzidenzen ergänzt. Aktuell und relevant ist zunächst der erste Öffnungsschritt. Demnach gilt bei einer lokalen Inzidenz von unter 100 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen in einem Stadt- oder Landkreis unteren anderem:

Dann gibt es keine nächtliche Ausgangssperre mehr. Zudem können wieder mehr Sozialkontakte gepflegt werden. Treffen dürfen sich dann im öffentlichen und privaten Raum zwei Haushalte, maximal fünf Personen. Kinder der beiden Haushalte bis einschließlich 13 Jahre sowie genesene und geimpfte Personen werden nicht mitgezählt. Paare, die nicht zusammenleben, zählen als ein Haushalt. Dies gilt auch für private Feiern wie Hochzeiten.

Körpernahe Dienstleistungen sind bei stabiler U-100-Inzidenz unter folgenden Bedingungen erlaubt: Nur mit vorheriger Terminbuchung; während des gesamten Aufenthalts in der Einrichtung und der Dauer der Dienstleistung müssen alle Beteiligten medizinische Masken tragen; ist das Maskentragen nicht möglich (zum Beispiel bei einer Rasur), wird ein tagesaktueller Schnell- oder Selbsttest der Kunden/-innen benötigt. Weiterhin geschlossen ist das Prostitutionsgewerbe.

Bei einer stabilen Inzidenz von unter 100 darf die Gastronomie von 6 bis 21 Uhr im Innern einen Gast pro 2,5 Quadratmeter bewirten, die Tische müssen im Abstand von mindestens 1,5 Metern stehen. In der Außenbewirtung hingegen gibt es dann „keine“ Einschränkungen mehr, die AHA-Regeln müssen freilich eingehalten werden.

Touristische Übernachtungen in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, auf Campingplätzen und Wohnmobilstellplätzen sind bei einer U-100-Inzidenz wieder erlaubt, aber: Gäste ohne Genesenen- oder Impfnachweis müssen alle drei Tage einen negativen Coronatest vorlegen.

Einzelhandel und Baumärkte

Unter Hygieneauflagen öffnen dürfen neben den Geschäften des täglichen Bedarfs bei einer stabilen Inzidenz von unter 100 auch die Baumärkte. Der restliche Einzelhandel darf unbeschwerteres Einkaufen als Termin-Shopping (Click & Meet) anbieten: Es darf auf 40 Quadratmeter Ladenfläche ein Kunde ohne aktuellen Coronatest kommen. Dieser Kunde muss sich dann aber angemeldet haben. Ohne Voranmeldung dürfen zwei Kunden pro 40 Quadratmeter Ladenfläche eintreten – mit aktuellem Coronatest. Nachweislich Genesenen oder Geimpften darf das Einkaufen auch ohne Test erlaubt werden.

Warum sinkt die Inzidenz in Baden-Württemberg und im Rems-Murr-Kreis weniger schnell als anderswo? Die Frage stellen sich viele angesichts der Grenzmarke 100, die dieser Tage teils im Zickzack-Kurs unter- und wieder überschritten wurde. Wie ist nun also die Lage im Rems-Murr-Kreis, bei unseren Nachbarn und im gesamten Land?

Die landesweite Inzidenz betrug am Dienstag (25.5.) laut Landes-Gesundheitsamt 59. Über 100 liegen nur noch der Zollernalbkreis (125), die Landkreise Tuttlingen

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