Rems-Murr-Kreis

Warum unser Wildschwein-Fleisch auf Strahlung untersucht wird

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Wildschweine wühlen gerne nach einer ihrer Lieblingsspeisen – dem Hirschtrüffel. © ZVW/Gabriel Habermann

Fellbach/Waiblingen.
Herbstzeit ist Jagdzeit, und in den Remstäler Gaststätten steht Wildschwein auf der Speisekarte – lecker. Wildschweine aber fressen gern Hirschtrüffel. Und diese für den Menschen ungenießbaren Pilze reichern Cäsium-137 an. Was bedeutet: Das radioaktive Element landet direkt im Wildschwein. Sollten wir lieber verzichten?

Es sind vor allem die Wildschweine, die die Fachleute vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach auf dem Tisch haben, um – 33 Jahre nach der Katastrophe – nach atomarer Strahlung zu fahnden. Denn Wildschweine lieben Hirschtrüffel. Und dieser Pilz, der unter Bäumen wächst, reichert sich mit Cäsium-137 an, jenem radioaktiven Element, das bei der Kernspaltung entsteht und nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl über uns kam.

Vor allem auf Wildschweine hoffen die Jäger, die vor allem jetzt im Herbst mit Drück- und Treibjagden in den Wald gehen. Denn der Wildschweinbestand – seit Jahren sehr hoch – soll verringert werden. Es droht nach wie vor die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Mal ganz abgesehen davon, dass so ein Braten auch wirklich lecker schmeckt.

Doch kann das Fleisch ganz unbesorgt gegessen werden?

Die baden-württembergische Landesregierung hat gemeinsam mit dem Landesjagdverband im Jahr 2006 ein Überwachungsprogramm für Wildschweinfleisch eingerichtet, heißt es aus dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach. So soll sichergestellt werden, dass Wild, das Cäsium-137 in seinem Fleisch angereichert hat, nicht in den Handel kommt und nicht gegessen wird. Der Richtwert liegt bei 600 Becquerel pro Kilogramm Fleisch.

Die radioaktive Strahlung und damit auch die Verseuchung des Fleisches ist nicht überall gleich stark. Das liegt am Wetter und den Winden, die die Tschernobyl-Wolke unterschiedlich übers Land verteilten. Es gibt nach wie vor Überwachungsgebiete, in denen eine radioaktive Belastung verstärkt auftreten kann. Hier muss jedes Wildschwein untersucht werden. In den übrigen Landesteilen wird stichprobenhaft gearbeitet. Außerdem werden Stichproben von Wildschweinfleisch aus dem Handel, also aus Gaststätten oder Metzgereien, untersucht. Sehr hohe Werte registrierte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt zum Beispiel im Jagdjahr 2009/2010: Etwa 9000 Becquerel pro Kilogramm Fleisch wurden in den Kreisen Ravensburg und Rastatt gemessen. In 2012 wurden bei einer Probe aus dem Kreis Biberach 4496 Becquerel pro Kilo Wildschwein gefunden. Die Baden-Württemberg-Karte mit den Maximalmesswerten des Jahres 2017/2018 zeigt: Nach wie vor sind Wildsauen aus Oberschwaben sowie dem Nord- und dem Südschwarzwald strahlungsmäßig über dem Grenzwert von 600 Becquerel und damit im roten Bereich.

Ein blaues Strahlungs-Fleckchen – was das bedeutet

Im Rems-Murr-Kreis dagegen weist die Karte recht zentral ein kleines blaues Fleckchen auf. Blau steht für eine Strahlung von 100 bis 499 Becquerel pro Kilo. Ganz im Westen leuchtet’s noch ein bisschen grün: 1 bis 99,9 Becquerel pro Kilo Schweinebraten. Vernachlässigenswert.

Das heißt: Wer immer Gulasch, saftigen Braten, Keule, Ripple, Rücken, Steak oder Wurst aller Arten vom Wildschwein liebt, der wende sich vertrauensvoll an seinen Jäger oder Metzger. Wild von hier kann ganz ohne Angst gegessen werden.


Fellbach/Waiblingen.
Herbstzeit ist Jagdzeit, und in den Remstäler Gaststätten steht Wildschwein auf der Speisekarte – lecker. Wildschweine aber fressen gern Hirschtrüffel. Und diese für den Menschen ungenießbaren Pilze reichern Cäsium-137 an. Was bedeutet: Das radioaktive Element landet direkt im Wildschwein. Sollten wir lieber verzichten?

Es sind vor allem die Wildschweine, die die Fachleute vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in

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