Rems-Murr-Kreis

Warum wir alle uns mit dem Tod beschäftigen sollten: Hospizbegleiterin aus Schorndorf über Leben und Sterben

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Symbolbild. © Pixabay License

Bei ihrem ersten Einsatz wurde Adelheid Frank aus Schorndorf zu einer Sitzwache in ein Pflegeheim gerufen. Zu einer Frau, die nicht mehr sprechen konnte. „Ich habe ihr die Stirn gekühlt und ihr die Hand gehalten, sie wurde ruhiger.“ Etwas davon kam bei der Sterbebegleiterin an. Bei einem weiteren Besuch hat sie etwas Mundpflege gemacht gegen die Trockenheit im Mund ein Stäbchen in Tee getaucht. „Dann habe ich Psalmen gelesen und für sie gebetet, weil die Frau sehr gläubig war und religiös gelebt hat.“

Adelheid Frank ist eine von 15 Frauen und Männer, die ihren halbjährigen Kurs zu ehrenamtlichen Hospizbegleitern beendet haben. „Es ist Ihr Wunsch, schwerkranke und sterbende Menschen zu begleiten und in der letzten Lebenszeit für sie da zu sein. Danke, dass Sie sich mit ganzem Herzen auf diese Menschen einlassen und ihnen zur Seite stehen wollen“,sagte Susanne Stolp-Schmidt, Hospizreferentin der Hospizstiftung Rems-Murr, bei einem ökumenischen Aussendungs-Gottesdienst.

Wir alle müssen einmal gehen. Unsere Gesellschaft tue aber immer noch so, als ob dies nicht der Fall ist. Die Frage ist für Adelheid Frank darum nicht, warum sie sich mit dem Thema Tod beschäftigt. „Jeder Mensch sollte es tun, denn es ist unnatürlich, sich nicht damit zu befassen.“ Es sei „völlig widersinnig“, dass es verdrängt wird. Ihre Einsätze empfindet sie als „große Aufgabe“, auch wenn sie nichts „Greifbares“ mehr für den Menschen tun kann. „Ich kann einfach nur da sein, die Hand halten, auch die Angehörigen entlasten.“ Und vielleicht noch einen letzten Herzenswunsch erfüllen. Das „Herz der Hospizarbeit“ bedeutet für sie, „dass ich das Dunkle mit aushalte“. Mit dieser Einstellung befindet sie sich in nicht allzu großer Gesellschaft.

Insbesondere Männer (75 Prozent) verdrängen die Gedanken an das Thema, bei den Frauen sind es 63 Prozent. Dies ergab eine Erhebung in Deutschland zur Frage „Was denken Sie über das Sterben und den Tod?“ der Identity Foundation Düsseldorf in Kooperation mit der Universität Hohenheim. An den im Jahr 2006 ermittelten Zahlen hat sich nach Einschätzung von Susanne Stolp-Schmidt nicht groß etwas geändert. Ein wesentlicher Grund dafür könnte die Ungewissheit vor dem sein, was kommt. „Das Thema ist mit Schmerz und Trennung belegt.“ Vor der damit oft verbundenen Leidenszeit habe jeder Angst. „Daher halte ich mir das Thema auf Abstand, weil es unangehm ist“, so Susanne Stolp-Schmidt.  

Für die Hospizbegleiterin Adelheid Frank ist er mit Händen greifbar, der Weg bis zum Gehenkönnen. „Man weiß genau, dass man zu jemandem geht, der im Sterben liegt.“ Um sich ganz einzulassen und die eigenen alltäglichen Aufgaben hinter sich zu lassen, könne sie auf Rituale zurückgreifen, die sie in dem halbjährigen Kurs gelernt habe. Einmal pro Monat trifft sich ihre Ortsgruppe. „Jeder kann schildern, was ihn beschäftigt. Die Gruppe trägt einen auch.“ Sie wisse nie, was auf sie zukommt und von welchen Gefühlen sie erfasst wird. Sie wisse aber, dass jeder Mensch in Würde seinen Weg zu Ende gehen darf. „Wir wünschen es uns umgekehrt doch auch, dass einen jemand einmal würdevoll behandelt, dass wir angenommen werden in jeder Situation, mit Schmerzen, unabhängig von äußeren Sachen.“

Die Entscheidung fiel nach dem Tod einer Freundin, die sie im Hospiz Bietigheim besucht hatte. Danach sei der Wunsch gewachsen, in den Hospizdienst einzutreten. „Ich habe gemerkt, wie gut die Menschen versorgt werden, sowohl palliativ medizinisch als auch menschlich behütet.“ Nun möchte sie einen Beitrag leisten, dass andere Menschen geborgen und friedlich gehen können. „Es ist eine sinnvolle Tätigkeit für meine Rentenzeit.“ In Wochenendseminaren und Weiterbildungen der Hospizstiftung lernen die Teilnehmer lebenslang. Davon profitiere ihre eigene persönliche Weiterentwicklung, die sie hier „ganz menschlich fortsetzen“ könne durch die Menschen, die sie kennenlernt. Vor allem aber lerne sie, sich selbst zurückzunehmen. „Ausschließlich der Sterbende ist maßgeblich, auf ihm liegt die volle Aufmerksamkeit.“ Sie habe kein mulmiges Gefühl, eher Respekt vor der neuen Aufgabe. Wie schützt sie sich davor, jedes Leid mit nach Hause zu nehmen? „Über Gespräche mit Familie und Freunden kann ich wieder Abstand gewinnen. Und indem ich alltägliche Dinge tut, die nichts mit Schmerzen und Trauer zu tun haben.“ Denn: „Die Menschen sterben zwar, aber die Begleiterin stirbt nicht mit.“ An der Gewissheit könne sie wieder in den Alltag zurückfinden. 

Bei ihrem ersten Einsatz wurde Adelheid Frank aus Schorndorf zu einer Sitzwache in ein Pflegeheim gerufen. Zu einer Frau, die nicht mehr sprechen konnte. „Ich habe ihr die Stirn gekühlt und ihr die Hand gehalten, sie wurde ruhiger.“ Etwas davon kam bei der Sterbebegleiterin an. Bei einem weiteren Besuch hat sie etwas Mundpflege gemacht gegen die Trockenheit im Mund ein Stäbchen in Tee getaucht. „Dann habe ich Psalmen gelesen und für sie gebetet, weil die Frau sehr gläubig war und religiös

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