Rems-Murr-Kreis

Was das Ende der Home-Office-Pflicht für Unternehmen im Rems-Murr-Kreis bedeutet

Home-Office-Angebotspflicht
Noch hat das Home-Office nicht ausgedient, auch wenn es nicht mehr verpflichtend ist. © ALEXANDRA PALMIZI

Mit dem Ende der Bundesnotbremse endete zum 30. Juni auch die Home-Office-Angebotspflicht. Seit Ende April waren einerseits Arbeitgeber verpflichtet, überall dort Home-Office zu ermöglichen, wo es möglich war und andererseits Arbeitnehmer in der Pflicht, dieses Angebot auch anzunehmen. Für beide Seiten galt, dass nur aus triftigen Gründen im Büro gearbeitet werden sollte. Seit 1. Juli können Unternehmen freiwillig weiter die Arbeit im Home-Office ermöglichen, müssen es aber nicht. Muss also jeder jetzt wieder ins Büro?

Regelungen im Arbeitsvertrag gelten wieder

„Der Arbeitgeber kann fordern, dass Arbeitnehmer wieder vor Ort arbeiten“, sagt der Waiblinger Anwalt für Arbeitsrecht, Sven Mühlberger. „Es greifen wieder die arbeitsvertraglichen Regelungen.“ Das bedeutet: Ist im Arbeitsvertrag ein Arbeitsort festgelegt, muss seit 1. Juli dort wieder gearbeitet werden. Aus der Home-Office-Angebotspflicht ist kein Recht entstanden, Home-Office einzufordern, auch nicht aus Sorge vor einer Infektion.

Arbeiten Mitarbeiter wieder im Büro, gilt dort nun wieder die Corona-Arbeitsschutzverordnung. Sie sieht beispielsweise vor, dass Beschäftigten, die vor Ort arbeiten, wieder zwei Corona-Schnelltests pro Woche anzubieten sind. Außerdem spielen betriebliche Hygienekonzepte nach wie vor eine wichtige Rolle. Die meisten Arbeitgeber drehten nach Mühlbergers Erfahrung das Rad nun nicht zurück, hätten gute Erfahrungen mit dem mobilen Arbeiten gemacht. Wie gehen Unternehmen im Rems-Murr-Kreis mit dem Ende der Home-Office-Angebotspflicht um?

Kaum mehr Präsenz vor Ort bei Stihl

Beim Waiblinger Motorsägenhersteller Stihl hält man trotz rückgängiger Infektionszahlen weiterhin eine reduzierte Bürobelegung für notwendig. „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Tätigkeit und deren häusliche Situation es erlaubt, sind deshalb weiterhin dazu aufgerufen, von mobilem Arbeiten Gebrauch zu machen“, sagt Sabrina Haufler, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. Diese Möglichkeit werde auch genutzt. „Wir verzeichnen daher aktuell keine signifikant höhere Präsenz vor Ort.“

Bei der Kreisverwaltung ist das etwas anders: „Das Landratsamt ist seit dem 28. Juni wieder im Normalbetrieb. Wir ermöglichen aber weiterhin großzügig, Home-Office zu nutzen“, sagt Landrat Richard Sigel. Das biete einerseits Sicherheit, etwa vor Ansteckungen mit der Delta-Variante. Aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfordere Flexibilität des Arbeitgebers. Schon 2017 hatte die Landkreisverwaltung mit einer Dienstvereinbarung die Weichen für Home-Office gestellt. Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie waren daher für rund ein Drittel der 1800 Mitarbeitenden alle Voraussetzungen geschaffen, um mobil zu Hause zu arbeiten. Mit der Anschaffung von 800 Laptops, 230 iPads und 150 Token für sichere Remote-Arbeit über den eigenen Computer konnten während der Corona-Krise zeitweise mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden im Home-Office arbeiten.

Das habe insgesamt gut funktioniert, es habe sich aber auch gezeigt, dass viele Bereiche einer Landkreisverwaltung nicht oder zumindest nicht vollständig ins Home-Office verlagert werden können, sagt Pressesprecherin Martina Keck. Zu den Arbeiten, die sich nicht an den heimischen Computer verlegen lassen, zählen etwa die Aufgaben der Straßenmeistereien, die Kontrollen im Ordnungsbereich oder auch Dienstleistungen wie die der Zulassungsstelle. Auch viele beratende Angebote im Jugend- und Sozialamt erforderten Präsenz.

Neue Arbeitsformen bei der Kreisverwaltung

Dennoch: „Wir setzen auch zukünftig überall dort auf Digitalisierung, auf moderne Arbeitsplätze und neue Formen des Arbeitens, wo es möglich ist“, sagt Sigel. Eine Mitarbeiterumfrage habe ergeben, dass viele gerne wieder in ihrem Büro und nicht mehr dauerhaft im Home-Office arbeiten wollen. Rund 75 Prozent der Befragten könnten sich aber vorstellen, weiterhin mindestens einen Tag in der Woche im Home-Office zu arbeiten. Das werde bei der Planung des neuen Gebäudes bedacht, es soll bewusst mobiles Arbeiten innerhalb des Landratsamts geben: Je nach Bedarf können Mitarbeiter dann ihren Arbeitsplatz innerhalb des Fachbereichs wählen und etwa in Teamzonen, Ruhezonen oder Besprechungsräumen arbeiten.

SDK ermöglicht Home-Office und Rückkehr ins Büro

Auch in die Büros der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) in Fellbach kehren mehr Mitarbeiter zurück: „Aufgrund der sinkenden Inzidenz und der steigenden Impfquote lassen wir das gemeinsame Arbeiten im Büro seit dieser Woche wieder zu“, sagt Philipp Blatt, Notfallbeauftragter der SDK. Für Sicherheit sorgen Schnelltests, Maskenpflicht auf allen Verkehrswegen, Abstandsvorgaben und ein Lüftungskonzept. Die Rückmeldungen der Mitarbeitenden seien sehr unterschiedlich, einige nutzten das Angebot gerne, andere blieben weitgehend im Home-Office. „Insofern steht für die SDK fest, dass das mobile Arbeiten Teil der zukünftigen Arbeitsweise sein wird und den Mitarbeitenden nach der Corona-Pandemie ein hohes Maß an Flexibilität ermöglicht werden soll.“ Die konkrete Ausgestaltung werde zurzeit geplant.

Mit dem Ende der Bundesnotbremse endete zum 30. Juni auch die Home-Office-Angebotspflicht. Seit Ende April waren einerseits Arbeitgeber verpflichtet, überall dort Home-Office zu ermöglichen, wo es möglich war und andererseits Arbeitnehmer in der Pflicht, dieses Angebot auch anzunehmen. Für beide Seiten galt, dass nur aus triftigen Gründen im Büro gearbeitet werden sollte. Seit 1. Juli können Unternehmen freiwillig weiter die Arbeit im Home-Office ermöglichen, müssen es aber nicht. Muss also

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper