Rems-Murr-Kreis

Was die Gaskrise für Mieter bedeutet: Gigantisch steigende Nebenkosten drohen

Kreisbau
Die 32 künftigen Mieter des Hauses E im Winnender Schelmenholz müssen sich wegen horrend gestiegener Gaspreise keine Sorgen machen. Sie ziehen in ein BEG-40-plus-Haus, das mehr Energie erzeugt, als die Bewohner verbrauchen. © Gabriel Habermann

Der Blick auf die Zapfsäule der Tankstellen ist derzeit tröstlich. Der Preis für E-10-Benzin ist wieder auf dem Niveau von vor dem Krieg in der Ukraine. Von einer Entspannung auf den Energiemärkten kann aber keine Rede sein. Den Mietern der Kreisbau-Gruppe werden im September die künftigen Abschlagszahlungen für ihre Nebenkosten präsentiert. Für viele Haushalte dürfte dies ein Schock werden. Am Rande des finanziellen Absturzes werden viele von ihnen viel Trost brauchen. Wie allen Haushalten im Rems-Murr-Kreis drohen enorme Steigerungen der Nebenkosten aufgrund der Gaspreise, die sich seit Februar um rund 300 Prozent erhöht haben. Fein raus sind freilich Mieter, deren Wohnung nicht mit Erdgas geheizt wird, sondern beispielsweise mit Wärmepumpen oder Fernwärme. Das sind bei der Kreisbau immerhin schon vier von zehn. Ein Wert, auf den Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune mächtig stolz ist. Er zeige, dass die Kreisbau sich bereits vor der Gaskrise auf dem richtigen Weg befunden hat, nämlich raus aus den fossilen Energieträgern.

Temperaturen in den Mietwohnungen senken

Dirk Braune kündigte darüber hinaus an, die Temperaturen in den 900 Mietwohnungen tagsüber auf die gesetzlich gerade noch erlaubten 20 Grad und nachts auf 18 Grad zu senken. Für die 3000 Eigentumswohnungen, die darüber hinaus verwaltet werden, hat es die Kreisbau nicht in der Hand, die Raumtemperaturen anzupassen. Doch ist Braune sicher, dass keine Eigentümerversammlungen aufgrund der horrenden Kosten, die auf Bewohner zukommen, „25 Grad beschließen wird“. Zumal 90 Prozent dieser Wohnungen noch mit Gas beheizt werden.

Investitionen in die Nachhaltigkeit zahlen sich aus, betonte Landrat Richard Sigel als Aufsichtsratsvorsitzender der Kreisbau-Gruppe bei einem Pressegespräch. Der Energieverbrauch des Immobilienbestandes der Kreisbau sei schon heute besser als der Durchschnitt in Deutschland. Zu dem zählen außer rund 900 Mietwohnungen der Kreisbau vor allem die Liegenschaften des Rems-Murr-Kreises wie Büros des Landratsamtes, die drei Gesundheitszentren oder die Berufsschulen.

Flüchtlingsunterkünfte: Miserable Energiebilanz

Der insgesamt gute Durchschnitt beim Energieverbrauch wird jedoch von den 29 Flüchtlingsunterkünften gedrückt, bedauert Richard Sigel. Die oft teuer angemieteten Bestandsgebäude und Container weisen eine miserable Energiebilanz auf. Weshalb der Rems-Murr-Kreis bei der Flüchtlingsunterbringung neue Wege gehen will und zusammen mit den Städten und Gemeinden Standorte sucht, auf denen für 800 bis 1000 geflüchtete Menschen moderne, energieeffiziente Gebäude errichtet werden können.

Bei der Kreisbau haben Nachhaltigkeit und Klimaneutralität hohe Priorität. Schließlich hat der Landkreis für sich proklamiert, bis 2030 klimaneutral werden zu wollen. Ein Schlüssel dazu ist eben die Kreisbau, die ihre Bestandsgebäude Zug um Zug energetisch sanieren will und bei Neubauten strikt auf Klimaneutralität achtet.

Ein Beispiel ist das sogenannte „Haus E“ mit frei finanzierten Mietwohnungen in Winnenden-Schelmenholz, für das der Grundstein gelegt ist und das im Sommer 2023 bezogen werden kann. Der BEG-40-plus-Standard des Gebäudes in Holzbauweise bedeutet, dass die Energieerzeugung über dem Bedarf liegt. Ermöglicht wird das durch eine Fotovoltaikanlage, eine Luft-Wärme-Pumpe und den Anschluss an die örtliche Fernwärmeversorgung. Zusammen mit den Stadtwerken Winnenden bekommt das „Haus E“ eine Ladestation für Car-Sharing-E-Autos, die ihren Strom von der PV-Anlage beziehen.

Rund 500 Sozialwohnungen bis 2027

Ökologische Nachhaltigkeit sei das eine, eine soziale Nachhaltigkeit das andere, wies Dirk Braune auf die öffentlich geförderten Wohnungen hin, die die Kreisbau gebaut hat und noch weiter bauen wird. Das Ziel bis 2027 sind rund 500 Sozialwohnungen, deren Mieten ein Drittel unter den örtlichen Vergleichsmieten liegen. Doch die Defizite der geförderten Wohnungen müssten gegenfinanziert werden. Weshalb die Kreisbau darauf angewiesen sei, eben auch frei finanzierte Mietwohnungen und Gewerbeeinheiten zu bauen und zu behalten.

In Sachen Grundstückspolitik haben Landkreis und Kreisbau 2021 eine Kehrtwende vollzogen. Statt Grundstücke in öffentlicher Hand – wie zum Beispiel auf dem ehemaligen Klinikareal in Waiblingen oder die Hangweide in Kernen – nur zu entwickeln und dann an private Investoren zu verkaufen, werden diese nun selbst bebaut. So verbleiben die Wertsteigerungen im Kreiskonzern und das Angebot an günstigen Wohnungen wird vergrößert. In Waiblingen und Kernen sind rund 290 Wohnungen geplant, was durch den Kreis mit 20 Millionen Euro Eigenkapital unterstützt wird.

„Was wir als Landkreis machen, ist außergewöhnlich“, so Landrat Sigel über die Wohnungspolitik des Rems-Murr-Kreises, die eigentlich nicht zu den Kernaufgaben eines Kreises gehört. „Wohnen ist weiterhin die soziale Frage unserer Zeit schlechthin“, begründete Sigel im Vorwort zum neuen Geschäftsbericht der Kreisbau-Gruppe dieses Engagement. „Die Ukraine-Krise zeigt uns dabei umso mehr, wie wertvoll ein sicheres und lebenswertes Zuhause ist.“

Der Blick auf die Zapfsäule der Tankstellen ist derzeit tröstlich. Der Preis für E-10-Benzin ist wieder auf dem Niveau von vor dem Krieg in der Ukraine. Von einer Entspannung auf den Energiemärkten kann aber keine Rede sein. Den Mietern der Kreisbau-Gruppe werden im September die künftigen Abschlagszahlungen für ihre Nebenkosten präsentiert. Für viele Haushalte dürfte dies ein Schock werden. Am Rande des finanziellen Absturzes werden viele von ihnen viel Trost brauchen. Wie allen Haushalten

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