Rems-Murr-Kreis

Was die Impfpflicht für die Rems-Murr-Kliniken bedeutet - und für die Patienten

Rems-Murr-Kliniken
Nicht nur, dass die Impfquote hoch ist – auch der Zeitfaktor hilft den Rems-Murr-Kliniken. © Benjamin Büttner

Die Impfquote beim Personal der Rems-Murr-Kliniken ist hoch – er rechne nicht damit, dass die Einführung der Impfpflicht zu „größeren organisatorischen Problemen“ im medizinischen Betrieb führen werde, sagt Pressesprecher Christoph Schmale. Ein paar Fragezeichen gibt es aber noch. Wo die Tücken liegen und was dagegen hilft: Der Überblick.

Lage dynamisch, mal wieder: Die Impfquote der Kliniken

Die Lage ist dynamisch – wie oft haben wir diese Phrase schon gedroschen seit Beginn der Pandemie? Nur stimmt der Spruch eben auch oft. Am Freitagmorgen ging Christoph Schmale noch davon aus, dass die Rems-Murr-Kliniken „etwa zehn Prozent der Belegschaft an das Gesundheitsamt melden“ müssen, weil keine Impfnachweise vorgelegt worden seien. Als wir am Freitagnachmittag noch einmal nachfragten, teilte Schmale mit: Weitere Nachweise seien eingetroffen, die Impfquote habe sich dadurch um „zwei Prozent“ erhöht; also auf etwa 92 Prozent.

Die Impfquoten, aufgeschlüsselt nach ärztlichem, pflegerischen und sonstigen Personal, seien „berufsgruppenübergreifend ähnlich hoch“. Ungeimpfte gebe es auch recht gleichmäßig in den verschiedenen medizinischen „Fachbereichen“.

Die Belegschaft der Rems-Murr-Kliniken ist damit fulminant viel besser durchgeimpft als der Rest der Gesellschaft. Denn bundesweit haben wir in der Altersgruppe 18 bis 59 Jahre eine Quote von nur 79,4 Prozent; in Baden-Württemberg liegt sie gar noch etwas niedriger, bei 77,1 Prozent. Näheres zur lahmenden Impfkampagne hier.

Der Unterschied zwischen relativen und absoluten Zahlen

Nun könnte man einwenden: Moment, auch ein relativ geringer Prozentanteil Ungeimpfter kann eine absolut rechte hohe Zahl ergeben. Die Rems-Murr-Kliniken haben rund 2600 Beschäftigte, darunter (Stand Jahresende 2021) 460 Ärztinnen und Ärzte und 1380 Pflegekräfte. Machen wir eine Milchmädchenrechnung auf: Acht Prozent berufsgruppenübergreifende Ausfallquote aufgrund fehlender Impfung – das wären dann ja 37 ärztliche und 110 pflegerische Kräfte! Das könnte doch sehr wohl organisatorische Probleme aufwerfen.

Schon. Aber es gibt sechsfache Entwarnung. Die ersten drei Punkte sind wichtig; die zweiten drei noch wichtiger ...

Entwarnung eins bis drei: Warum die Impfquote noch steigen wird

Erstens: Er gehe davon aus, sagt Schmale, dass in den nächsten Tagen weitere Impfnachweise verspätet eintrudeln werden – das würde die Quote noch mal erhöhen. Und für den Fall, dass irgendwann Ungeimpften tatsächlich „arbeitsrechtliche Konsequenzen“ drohen, rechne er erst recht damit, dass es nicht „bei den jetzt etwa acht Prozent bleiben wird“.

Zweitens: Die Tatsache, dass es keine auffälligen Ballungen von Ungeimpften in einzelnen Spezial-Abteilungen gibt, verringert die Gefahr, dass eine einzelne Station besonders unter Druck gerät.

Drittens: Permanent und auch derzeit stellen die Rems-Murr-Kliniken „neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein“; in einer Einrichtung dieser Größe gibt es immer eine gewisse Fluktuation. Ins Team aufgenommen aber wird nur, wer geimpft ist. „Auch so“, sagt Schmale, „verstärken wir die Personaldecke an geimpften Mitarbeitenden“.

So weit das Wichtige. Es folgt das noch Wichtigere.

Entwarnung vier bis sechs: Wie die Umsetzung der Impfpflicht aussieht

Viertens: „Zunächst“ ist ja „nur die Meldung vorzunehmen“, sagt Schmale. Mit anderen Worten: Vorerst wird niemand aus dem Spiel genommen, wenn er keinen Impfnachweis vorlegt. Zwischen der Bestandsaufnahme und möglichen Konsequenzen aber liegt ein bürokratischer Marathon – das führt uns zu ...

Fünftens: Das Landratsamt deutet an, dass das Kreisgesundheitsamt viel zu tun habe. Die ganzen aus Altenheimen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern eingehenden Impfstatus-Meldungen abzuarbeiten, wird „eine gewisse Zeit“ dauern, teilt eine Sprecherin des Kreishauses mit.

Danach gehe zunächst „ein automatisiertes Schreiben“ raus an alle, die keinen Impfnachweis vorgelegt haben. In einer Handreichung des Landesgesundheitsministeriums heißt es dazu: Wer seinen Status noch nicht offengelegt hat, bekommt eine „angemessene Frist“ gewährt, Belege nachzureichen. „Regelhaft sollte“ die Frist zwei Wochen betragen; aber wir beachten, dass da nicht steht: „Unbedingt muss“ die Spanne so kurz sein.

Erst danach folgt die „Einzelfallprüfung“: Kontaktaufnahme mit den Ungeimpften, Gespräche mit den Einrichtungsleitungen. „Regelmäßig“, schreibt das Ministerium, sollte das binnen weiteren zwei Wochen abgewickelt werden – aber dass es da zu Unregelmäßigkeiten kommen könnte, ist den Verfassern der Handreichung offenbar klar.

De facto kann sich das alles über Monate hinziehen (was sich übrigens schon früh so angedeutet hat). Konservative Prognose: Vor Mai wird das Kreisgesundheitsamt kein Betretungsverbot aussprechen; wenn überhaupt. Denn nun kommen wir zu ...

Sechstens: Das Gesundheitsministerium spricht explizit von einer „Ermessensentscheidung“. Die Gesundheitsämter sollen unter anderem darauf achten, dass die „Funktionsfähigkeit der betroffenen Einrichtungen“ gewährleistet bleibt, und prüfen, ob ungeimpfte Personen „für die Aufrechterhaltung des Betriebes“ wirklich entbehrlich sind. Die Sprecherin des Landratsamtes sagt dazu: „Wir würden natürlich keine Einrichtung lahmlegen. Davon hätte ja niemand was.“

Botschaft an die Patienten: Kein Grund zur Sorge

Fazit: Es ist nicht auszuschließen, dass ungeimpften Klinik-Beschäftigten irgendwann „arbeitsrechtliche Konsequenzen“ drohen, aber momentan liegt überhaupt keine Eskalation in der Luft. Und Sorgen, dass unter der Impfpflicht die medizinische Versorgung in den Rems-Murr-Kliniken leiden könnte, muss sich definitiv kein Patient machen.

Die Impfquote beim Personal der Rems-Murr-Kliniken ist hoch – er rechne nicht damit, dass die Einführung der Impfpflicht zu „größeren organisatorischen Problemen“ im medizinischen Betrieb führen werde, sagt Pressesprecher Christoph Schmale. Ein paar Fragezeichen gibt es aber noch. Wo die Tücken liegen und was dagegen hilft: Der Überblick.

Lage dynamisch, mal wieder: Die Impfquote der Kliniken

Die Lage ist dynamisch – wie oft haben wir diese Phrase schon gedroschen seit Beginn

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