Rems-Murr-Kreis

Was Mülldeponien im Rems-Murr-Kreis fürs Klima tun wollen – und was nicht

Deponie Lichte
In Kaisersbach-Lichte soll die Fotovoltaikanlage vergrößert werden. © AWRM

Die Altpapierpreise erhöhten sich um 230 Prozent, Altmetall kostet fast 70 Prozent mehr, die Energie verteuerte sich um mehr als das Doppelte. Die Inflation geht an der Abfallwirtschaft nicht vorüber. Für die Haushalte sind immerhin die inflationären Wertstoffpreise ein Segen. Denn die satten Erlöse aus dem Altpapier und -metall fließen in die Bilanz der Abfallwirtschaft Rems-Murr und entlassen die Gebührenzahler. „Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass die Gebühren stabil bleiben“, sagte Marcus Siegel, Vorstandsvorsitzender der Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM).

Ende vergangenen Jahres hat der Kreistag ein neues Abfallwirtschaftskonzept verabschiedet, das mit „Neue Wege in der Abfallwirtschaft“ überschrieben ist. Dessen Ziel ist, die Müllentsorgung nachhaltiger und klimafreundlicher zu machen. Die AWRM soll darüber hinaus jedoch einen nennenswerten Beitrag leisten, den Landkreis bis 2030 auf klimaneutral zu trimmen. Denn mit einer besseren Energieeffizienz in den kreiseigenen Liegenschaften ist es nicht getan. Voraussetzung für Klimaneutralität ist, dass der Rems-Murr-Kreis selbst Strom erzeugt und auf diese Weise seine Klimabilanz aufpoliert.

Klimaschutz auf den Deponien

Zum Beispiel auf den ehemaligen Deponien. So soll in Kaisersbach-Lichte die Fotovoltaikanlage vergrößert werden und die Stromproduktion von derzeit 650 kWp auf 1650 kWp mehr als verdoppelt werden. Auf der Deponie Eichholz in Winnenden ist eine PV-Anlage mit 1500 kWp Leistung geplant. Die AWRM und die Stadtwerke Winnenden denken dort darüber nach, mit dem Strom Wasserstoff zu erzeugen. Was einen doppelten Nutzen hätte. Zum einen ist die Energie in Form von Wasserstoff speicherbar, zum Zweiten entsteht bei der Erzeugung von Wasserstoff Abwärme, die ins lokale Fernwärmenetz eingespeist werden kann, sagte Dr. Lutz Bühle, der im AWRM-Vorstand die Technik verantwortet.

Eine Absage erteilt die AWRM jedoch der Idee, auf den Deponien Windräder zu errichten, wie es die Grünen im Kreistag vorgeschlagen haben. Eine in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie habe ergeben, „dass auf den Standorten im Rems-Murr-Kreis keine ausreichende Eignung für die Windenergienutzung besteht“, heißt es in einer Vorlage für den am kommenden Montag tagenden Umwelt- und Verkehrsausschuss. „Aufgrund des geringen Windangebots und angesichts der vergleichsweise hohen Kosten für die Gründung auf einem Deponiestandort ist eine Wirtschaftlichkeit nicht gegeben beziehungsweise zu gering.“ Hinzu komme, dass sich drei der vier Standorte am Hang beziehungsweise am Fuß einer angrenzenden Erhöhung befinden und damit ungeeignet erscheinen. Als weiterer Faktor sprächen die geringen Abstände zur Wohnbebauung gegen die Standorte.

Neue Wege bei der Abfallvermeidung

Neue Wege will die Abfallwirtschaft Rems-Murr bei der Abfallvermeidung einschlagen. Vom kommenden Jahr an müssen größere Imbissbuden und Lieferdienste, Restaurants und Cafés, Bäckereien und Metzgereien ihren To-go-Kunden außer der Wegwerfverpackung auch eine Mehrweg-Alternative anbieten. Das ist Gesetz. Wie sie es tun, ist ihnen überlassen. Für den Rems-Murr-Kreis haben die AWRM, das Amt für Umweltschutz und die Wirtschaftsförderung ein Konzept für ein einheitliches Mehrweggeschirr entworfen. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, das Bewusstsein für die Alternativen zum Einweg zu stärken“, wird Wirtschaftsförderer Dr. Timo John zitiert. Favorisiert wird das Recup-System, das an Rems und Murr bereits wiederverwertbare Kaffeebecher anbietet. Die AWRM ist mit Gastronomen und der Fleischerinnung im Gespräch und bietet am kommenden Montag eine weitere Infoveranstaltung an.

Der beste Müll ist der, der gar nicht entsteht. Für Feste bietet die AWRM deshalb ihr Geschirrmobil an, dass seit Donnerstag noch einfacher gebucht werden kann, nämlich online über die neu gestaltete Internetseite (www.awrm.de). Für dennoch anfallenden Abfall gibt’s zudem Wertstoffinseln zu leihen, in denen der Müll nicht nur gesammelt, sondern zugleich sortiert wird.

Service und Öffnungszeiten: „Wir wollen die Menschen mitnehmen und die Abfallentsorgung einfach und unkompliziert gestalten“, sagt Landrat Richard Sigel. Mit der Umbenennung der Deponien in Entsorgungszentren, der Recycling- in Wertstoffhöfe und der Häcksel- in Grüngutplätze ist es nicht getan. Die vier Entsorgungszentren an den ehemaligen Deponien in Winnenden, Schorndorf, Kaisersbach und Backnang sind ab 1. Juli werktäglich von 8 bis 12 und 13 bis 16.30 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet.

Längere Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe

Bei den Wertstoffhöfen ist Waiblingen mit einer langen Öffnungszeit bis 19 Uhr (Dienstag bis Freitag) der Vorreiter. Wer etwas zu entsorgen hat, soll nämlich nicht länger samstags vor den Eingängen im Stau stehen müssen, sondern kann auch mal nach Feierabend seine Kartonagen, das Grüngut oder den Sperrmüll loswerden. Bis Ende 2023 sollen die Wertstoffhöfe Welzheim und Winterbach erweitert werden.

Alle Jahre wieder sorgen nicht nur zum Jahreswechsel überquellende Glas- und Papierbehälter für Ärger bei den Anwohnern. Schließlich müssen die Kartonagen, in denen die online bestellten Weihnachtsgeschenke angeliefert wurden, entsorgt werden – egal wie und wo. Testweise hat die AWRM deshalb 2021/2022 erlaubt, Kartonagen neben die Blaue Altpapiertonne zu legen. Gleichwohl haben sich auch im Jahr 2021 Bürgerinnen und Bürger fast 800-mal bei der AWRM über Sauereien rund um die Container beschwert, zumeist über überquellende Altpapiercontainer (452 Meldungen), jedoch auch über wilden Müll (242) und volle Glascontainer (103).

„Auffällig hierbei war, dass zumindest aus den standortbezogenen Meldungen kein kausaler Zusammenhang zwischen den Vollmeldungen und den wilden Müllablagerungen erkennbar war“, so die AWRM.

Reinhaltung der Containerstandorte

Um die Bürgerschaft für die Reinhaltung der Containerstandorte zu sensibilisieren und die Hemmschwelle für wilde Müllablagerungen zu erhöhen, will die AWRM drei Standorte aufwerten, an denen besonders häufig Müllablagerung gemeldet wurden. Es geht um die Standorte

  • Korb, Mansler Straße/Remstalhalle,
  • Waiblingen, Im Sämann/Bushaltestelle, sowie
  • Welzheim, Hundsberger-/Industriestraße.
An diesen drei Standorten soll zunächst der gesamte Standort gereinigt und mit neuen Containern ausgestattet werden.

Die neuen Container erhalten jeweils einen Aufkleber, der wie gehabt die bisherigen Pflichtangaben zur Befüllung und zu den Füllzeiten enthält. Zusätzlich sollen aber die Aufkleber „auf ansprechende Weise“ weitere Hinweise zur Nutzung der Container und deren Folgen bei Nichtbeachtung enthalten. Außerdem werde eine Hinweistafel an den Containerstandorten die Thematik der wilden Müllablagerung und den Folgen daraus aufgreifen. Sollte diese Maßnahme erfolgreich sein, könnten weitere problematische Standorte schrittweise entsprechend neu gestaltet werden, kündigt die AWRM an.

Die Altpapierpreise erhöhten sich um 230 Prozent, Altmetall kostet fast 70 Prozent mehr, die Energie verteuerte sich um mehr als das Doppelte. Die Inflation geht an der Abfallwirtschaft nicht vorüber. Für die Haushalte sind immerhin die inflationären Wertstoffpreise ein Segen. Denn die satten Erlöse aus dem Altpapier und -metall fließen in die Bilanz der Abfallwirtschaft Rems-Murr und entlassen die Gebührenzahler. „Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass die Gebühren stabil bleiben“, sagte

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