Rems-Murr-Kreis

Was nun, Jens Spahn? Gesundheitsminister zu Gast bei Winnender Kandidat Lorek - Neues zu Impfungen, Astrazeneca, Schnelltests

Politascher
Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister. © Benjamin Büttner

Er war ein Star der Coronakrise, mittlerweile gilt er vielen eher als Prügelknabe: Gesundheitsminister Jens Spahn, CDU. Jetzt hat er sich im Online-Gespräch mit dem Winnender Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek zu den weiteren Aussichten geäußert. Schlüsselthemen: Impfungen, Schnelltests und die Wirksamkeit von AstraZeneca ...

Erfolgsminister, Pannenminister? Jens Spahn unter der Lupe

Weil Deutschland im Frühjahr 2020 die erste Coronawelle fast schon rätselhaft gut gemeistert hat und, was Todesfälle betraf, glimpflicher davonkam als fast alle Nachbarländer, tanzte Jens Spahn förmlich auf der Gischtkrone. Medien diskutierten seine Kanzlertauglichkeit. Die zweite Welle seit dem Herbst aber hat nicht nur die deutsche Krisenkompetenz gründlich entzaubert, sondern auch Spahn schwer getroffen.

Die Impfkampagne? War erst ein glatter Fehlstart, bevor daraus ein Schneckenrennen wurde. Schnelltests als Krisenjoker? Selbst Spahns Unionsfreund Markus Blume, Generalsekretär der CSU, ist dazu brutal deutlich geworden – solche Tests seien zwar tatsächlich „die Brücke bis zum Impfangebot für alle, aber leider sehen wir auch hier wieder: Es wurde zu spät, zu langsam, zu wenig bestellt. Man muss deutlich sagen, es sind wohl Fehler im Bundesgesundheitsministerium passiert.“ Zu spät, zu langsam, zu wenig: Das klingt hart. Die erbarmungsloseste Wortfolge in dem Zitat ist aber eine andere: „auch hier wieder“.

Auch Spahns Weg durch die erste Welle liegt mittlerweile wieder unterm Brennglas. Erst gab es zu wenig Schutzausrüstung, dann beauftragte das Gesundheitsministerium mit dem Antransport von eilig aufgekauftem Material aus dem Ausland und der Verteilung im Inland nicht Branchenpromis wie DHL oder Schenker; sondern eine Firma namens Fiege aus Greven im Münsterland, Spahns Heimatrevier; für etwa eine Milliarde Euro. Ein Fiege-Mitgesellschafter sitzt im CDU-Wirtschaftsrat. „Der demaskierte Minister“, schlagzeilte „Die Zeit“.

Aber Politik ist kurzatmig. Der Winner von gestern kann heute der Loser sein; und morgen der Comebacker des Jahres. Spahn klingt recht entspannt beim Gespräch mit Siegfried Lorek. Botschaft: Ab jetzt läuft's!

Jens Spahn zu Schnelltests, Impfungen und Astrazeneca

Schnelltests? Der Bund könne „ab Montag die Kosten übernehmen“, verkündet Spahn, jeder Bürger könne sich dann „mindestens einmal pro Woche“ kostenlos testen, „wenn er will“. Genug Material sei „jetzt da“. Die Test-Infrastruktur aber müsse „vor Ort“ aufgebaut werden, das lasse sich nicht „zentral aus Berlin“ schaffen. Mit anderen Worten: Falls es auch künftig nicht rundlaufen sollte, begehrt Spahn, daran nicht mehr schuld zu sein.

Impfen? Etwa „sechs Prozent der Deutschen sind durchgeimpft“, und „die Geschwindigkeit nimmt zu“. Wir liegen damit zwar weit hinter Großbritannien, aber innerhalb der EU so etwa im Schnitt. Und vor allem: Es funktioniert, „Impfen schützt!“ Die Infektionszahlen in Pflegeheimen gehen „sehr deutlich zurück“, und wenn sich doch noch da und dort Alte anstecken, verlaufen die Krankheiten „viel milder“.

Astrazeneca? „Ein Super-Impfstoff“, schwärmt Spahn, die Zahlen seien eindeutig, in Schottland und England werde er erfolgreich eingesetzt. In der Tat: Mehrere schottische Universitäten und die dortige Gesundheitsbehörde haben Daten von 5,4 Millionen Menschen ausgewertet, die zwischen Anfang Dezember und Mitte Februar in Schottland geimpft worden waren. Bereits nach der Erstimpfung und vor Verabreichung der zweiten Dosis habe sich das Risiko eines Klinikaufenthalts wegen Covid-19 um mehr als 90 Prozent reduziert.

Astrazeneca hilft „auch bei den über 65-Jährigen“, sagt Spahn, die „Akzeptanz“ des anfangs scheel beäugten Serums beginne sich „deutlich“ zu verbessern. Jens Spahn schätzt, dass „im Laufe der kommenden Woche“ dieser Impfstoff auch in Deutschland für die Ü-65-Gruppe freigegeben wird. Klare Botschaft zu Astrazeneca: „Wenn's das Angebot gibt – am besten annehmen!“

„Viel Impfstoff im Zulauf“: Jens Spahn und die Zukunft

Es geht voran, das ist Spahns Mantra: „In den nächsten Tagen und Wochen“ werde die Impfkampagne für die Altersgruppe unter 80 anlaufen; „ab Anfang April werden wir die Hausärzte mit einbinden“ und 70 000 Praxen mit Impfstoff ausstatten; und es sei „viel Impfstoff im Zulauf“, das Vakzin von Johnson & Johnson werde wohl Mitte März zugelassen, bis Mitte April wolle die Firma lieferfähig sein.

Erfolg und Misserfolg sind immer vorläufig, in der Politik wie im Sport. Ob Spahn als Versager oder Macher in die Coronageschichte eingehen wird – dieses Urteil ist noch nicht gesprochen. Wie es aussieht, werden wir bis spätestens zur Bundestagswahl im September klarer sehen.

Er war ein Star der Coronakrise, mittlerweile gilt er vielen eher als Prügelknabe: Gesundheitsminister Jens Spahn, CDU. Jetzt hat er sich im Online-Gespräch mit dem Winnender Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek zu den weiteren Aussichten geäußert. Schlüsselthemen: Impfungen, Schnelltests und die Wirksamkeit von AstraZeneca ...

Erfolgsminister, Pannenminister? Jens Spahn unter der Lupe

Weil Deutschland im Frühjahr 2020 die erste Coronawelle fast schon rätselhaft gut

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