Rems-Murr-Kreis

Was tun, wenn die Corona-Warn-App warnt? Und andere drängende Fragen und Antworten

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Die Ämter sind nicht in die Datenerhebung innerhalb der Corona-Warn-App involviert. Eine behördliche Überwachung sei technisch gar nicht möglich. „Eine solche Funktionalität ist in dieser App auch zukünftig nicht vorgesehen“, so das Bundes-Gesundheitsministerium. © Joachim Mogck

Zur Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts kursieren jede Menge Fehldeutungen, Missverständnisse und voreilige Schlüsse. Anbei der Versuch, einige drängende Fragen zur App zu beantworten.

Kann ich mich durch die Teilnahme am Corona-Warn-App-System vor einer Infektion schützen?

Nein. „Sie erhalten keine Echtzeitwarnung, wenn Sie sich näher als zwei Meter einer Corona-positiv getesteten Person nähern“, teilt das Bundesgesundheitsministerium in einem Frage-Antwort-Katalog (FAQ) unmissverständlich mit. Eine Reaktion in Echtzeit dürfe die App aus Gründen des Datenschutzes nicht ermöglichen. „Dadurch würden die Identität einer coronapositiv getesteten Person festgestellt und entsprechende Schutzrechte verletzt. Das eigene Smartphone hat keine Informationen darüber, wer infiziert ist. Es weiß lediglich, dass es in der Nähe eines anderen Smartphones war, auf dem ein verifiziertes positives Testergebnis hinterlegt wurde.“

Absolute Sicherheit für eine nachträgliche Kontaktmeldung gibt es jedoch auch nicht, denn ob ein App-Nutzer sein positives Corona-Testergebnis in die App einspeist oder nicht, „entscheidet grundsätzlich jede Person für sich.“ Auch hier soll Freiwilligkeit herrschen. Die App schützt demnach nicht vor einer Infektion, sondern teilt den Nutzern gegebenenfalls nur im Nachhinein mit, ob sie sich in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben und welches Risiko besteht, dass sie sich selbst infiziert haben könnten.

Was bringt die App dann überhaupt?

Erfolg und Nichterfolg der Warnfunktion der App hängen davon ab, wie viele Menschen am App-System teilnehmen und ihre Testergebnisse einpflegen. Eine Teilnahme wird von der Bundesregierung und dem Robert-Koch-Institut als Akt der Solidarität propagiert.

Erklärtes Ziel ist, ein enggestricktes automatisiertes Warnsystem zu etablieren, die Gesundheitsämter dadurch bei der Kontaktpersonen-Ermittlung zu entlasten und im Idealfall sogar abzulösen. Die Ämter sind nicht im Geringsten in die Datenerhebung innerhalb der App involviert. Eine behördliche Überwachung sei technisch gar nicht möglich. „Eine solche Funktionalität ist in dieser App auch zukünftig nicht vorgesehen“, so das Bundesgesundheitsministerium.

Welche Risiko-Einstufungen gibt es in der App?

„Damit eine Begegnung von der Corona-Warn-App als mögliche Risiko-Begegnung bewertet wird, muss sie epidemiologisch relevant gewesen sein. Das bedeutet, es muss das Risiko einer Ansteckung bestanden haben“, so das Gesundheitsministerium. Die Bluetooth-Technik, mit der die App arbeitet, ermögliche es, mit zwei Parametern zu arbeiten: der Dauer einer Begegnung und der Distanz zwischen den Nutzern. Beide werden mit Hilfe verschiedener Messungen berechnet, ein Schwellenwert wird hinterlegt.

„Kommt es zu einem Zusammentreffen, werden zwischen den betreffenden Nutzern kurzlebige Zufallscodes ausgetauscht. Diese Zufallscodes werden für 14 Tage ausschließlich auf den Smartphones der betreffenden Nutzer gespeichert, die sich begegnet sind, und werden mit sogenannten Positivkennungen von Corona-positiv getesteten Personen direkt auf dem Smartphone der Person abgeglichen“, so das Ministerium. Die App stuft Begegnungen dann als Risiko-Begegnungen mit einer coronapositiv getesteten Person ein, wenn ein Schwellenwert verschiedener Messwerte überschritten wurde. Den Personen, die die App nutzen, wird ihr Risikostatus abhängig von diesen Werten angezeigt. Es gibt drei Statusinformationen (Angaben des Ministeriums im Wortlaut):

  • Niedriges Risiko: Die Person wird darüber informiert, dass die Risiko-Überprüfung ihrer Begegnungs-Aufzeichnung keine Begegnung mit nachweislich coronapositiv getesteten Personen ergeben hat oder dass etwaige Begegnungen nicht über dem definierten Schwellenwert lagen. Die Person wird über allgemein geltende Abstandsregelungen und Hygiene-Empfehlungen informiert.
  • Erhöhtes Risiko: Die Person wird darüber informiert, dass die Risiko-Überprüfung ihrer Begegnungs-Aufzeichnung ein erhöhtes Infektionsrisiko ergeben hat, da innerhalb der vergangenen 14 Tage Begegnungen mit mindestens einer coronapositiv getesteten Person stattgefunden haben. Die Person erhält die Verhaltenshinweise, sich, wenn möglich, nach Hause zu begeben, beziehungsweise zu Hause zu bleiben sowie mit ihrem Hausarzt, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder dem Gesundheitsamt Kontakt aufzunehmen und dort das weitere Vorgehen abzustimmen.
  • Unbekanntes Risiko: War die Risiko-Ermittlung durch die Person nicht lange genug aktiviert, konnte zu diesem Zeitpunkt kein Infektionsrisiko berechnet werden. Die Person erhält die Statusanzeige „unbekanntes Risiko“.

Was soll ich tun, wenn ich von der App gewarnt werde?

Der Hinweis „Erhöhtes Risiko“ der Corona-Warn-App informiert den Nutzer allein darüber, dass aufgrund der Nähe und der Dauer einer Begegnung mit einer Person, die über die App ein positives Testergebnis gemeldet hat, ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht und empfiehlt dem Nutzer die telefonische Kontaktaufnahme mit seinem Hausarzt, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (Tel. 116 117) oder dem Gesundheitsamt. „Die Entscheidung über eine Krankschreibung oder die Anordnung einer häuslichen Absonderung (Quarantäne) trifft der behandelnde Arzt beziehungsweise das zuständige Gesundheitsamt nach einer entsprechenden eigenen Einschätzung“, teilt das Gesundheitsministerium mit.

Wird mein Lohn fortgezahlt, wenn ich wegen einer Warnung durch die App zu Hause bleibe?

Nein. Die alleinige Warnung durch die App ist nicht als Erlaubnis zu verstehen, zu Hause bleiben zu dürfen. Die Warnung dient als Hinweis, um Kontakt zum Gesundheitswesen aufzunehmen. „Wenn Sie durch die App gewarnt werden, sollten Sie ärztliches Fachpersonal kontaktieren und das weitere Vorgehen abklären. Wenn Sie dann positiv auf Corona getestet werden, können Sie eine Krankschreibung erhalten und haben (erst dann) Anspruch auf Lohnfortzahlung. Ordnet das Gesundheitsamt eine Quarantäne für Sie an, zahlt Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt weiter. Ihr Arbeitgeber wird dafür wiederum vom Gesundheitsamt entschädigt“, so das Bundesgesundheitsministerium.

Und wo werde ich dann auf Corona getestet?

Der Meldeweg ändert sich bei einem Infektionsverdacht nicht, sondern bleibt beim Alten, wie er auch schon in Vor-App-Zeiten zu beschreiten war: Anruf beim Arzt oder Gesundheitsamt. Wenn Arzt oder Gesundheitsamt einen Corona-Test anordnen, so erfolgt dieser mittlerweile übrigens im Rems-Murr-Kreis in der Regel direkt beim Arzt beziehungsweise in sogenannten Schwerpunktpraxen. Wie berichtet, hat das Corona-Testzentrum in Schorndorf seinen Betrieb heruntergefahren.

Weiterhin wichtig: In den Schwerpunktpraxen werden Patienten nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung bei ihrem Hausarzt behandelt. Falls erforderlich, wird in den Schwerpunktpraxen auch ein Abstrich auf Sars-CoV-2 durchgeführt. Betroffene, die keinen Hausarzt haben oder ihren Hausarzt nicht erreichen können, erhalten über die zentrale Rufnummer 116 117 Zugang zu einer der Corona-Schwerpunktpraxen.

Insbesondere am Wochenende und an Feiertagen übernimmt die Corona-Ambulanz (Fieberambulanz) in der Rems-Murr-Klinik Schorndorf die ambulante Versorgung von Corona-Infizierten und Verdachtsfällen. Sie versorgt von der Klinik räumlich getrennt gemeinsam mit der Notfallpraxis medizinisch dringende Fälle. Die Fieberambulanz ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet und kann direkt oder nach telefonischer Voranmeldung aufgesucht werden. Zu erreichen ist die Corona-Ambulanz über die Telefonnummer (07181) 67-31 24 oder über die zentrale Rufnummer 116 117.

Zur Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts kursieren jede Menge Fehldeutungen, Missverständnisse und voreilige Schlüsse. Anbei der Versuch, einige drängende Fragen zur App zu beantworten.

Kann ich mich durch die Teilnahme am Corona-Warn-App-System vor einer Infektion schützen?

Nein. „Sie erhalten keine Echtzeitwarnung, wenn Sie sich näher als zwei Meter einer Corona-positiv getesteten Person nähern“, teilt das Bundesgesundheitsministerium in einem

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