Rems-Murr-Kreis

Wechselunterricht?  Dieses Chaos kann entstehen

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Viele Kinder sind seit einem Jahr immer wieder im Fernunterricht. Eltern stellt das teils vor große Herausforderungen. Symbolfoto. © Büttner

Ganz gleich, wie schnell und hoch die Sieben-Tage-Inzidenz steigt, ganz gleich, ob der Rems-Murr-Kreis zum Hotspot-Kreis wird – der sogenannte „Wechselunterricht“ kommt nicht automatisch, nicht gezwungenermaßen überall gleichzeitig und keinesfalls ohne kritische Abwägungen.

Ein Satz von Sabine Hagenmüller-Gehring, Schulamtsleiterin in Backnang, zeigt das Dilemma, in das die steigenden Infektionszahlen die Schulen stürzen. Sie schreibt, es sei „sicher unstrittig, dass Fernunterricht und Präsenzunterricht trotz aller Bemühungen weder qualitativ noch von der Wirkung her gleichgestellt werden können“.

Mit anderen Worten: Wenn die Corona-Infektionen so überhandnehmen, dass die Schulen nicht regulär geöffnet bleiben können, wird das Lernen und Leben der Kinder leiden.

Dennoch: Der Wechselunterricht, jenes System, bei dem Klassen geteilt werden und die Kinder wechselweise jeweils eine Woche zu Hause lernen und die andere Woche in die Schule gehen dürfen, steht im Raum. Die neue Corona-Verordnung für die Schulen, erlassen am 7. Dezember, sieht ihn vor. Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.

  • Die Sieben-Tage-Inzidenz muss mindestens drei Tage lang über 200 je 100 000 Einwohner liegen.
  • In der Gemeinde, in der die Schule, die in den Wechselunterricht geschickt werden soll, liegt, muss ein „besonderes Infektionsgeschehen“ feststellbar sein.
  • Beide Voraussetzungen müssen durch das Gesundheitsamt festgestellt werden.
  • Doch damit ist noch nichts entschieden: Ob tatsächlich auf Wechselunterricht umgestellt werden soll, das beschließen nämlich die Schulleitungen.
  • Die wiederum müssen sich dafür das Okay des Staatlichen Schulamts in Backnang beziehungsweise, für die Gymnasien und die Beruflichen Schulen, des Regierungspräsidiums holen.

Es sei tatsächlich so, erklärt Sabine Hagenmüller-Gehring, dass jede Schule für sich entscheide. Es gebe „keine allgemein umzusetzende Vorgabe für alle Schulen des Kreises zum selben Zeitpunkt“. Es kann also passieren, dass im einen Ort Wechselunterricht durchgeführt wird, im Nachbarort nicht. Es kann sogar so laufen: Innerhalb einer Kommune geht die eine Schule in den Wechselunterricht, die andere aber nicht. Oder noch krasser: Innerhalb eines Schulcampus hat die eine Schule Wechselunterricht beschlossen, während die direkt daneben liegende Schule im Präsenzunterricht weitermacht. Es mache „durchaus Sinn, immer den Einzelfall zu betrachten“, schreibt Sabine Hagenmüller-Gehring. Beispielsweise könnten in der einen Schule die Klassen kleiner sein als in der anderen – die Präsenz-Unterrichtsbedingungen wären dann besser.

Doch es gibt noch mehr Voraussetzungen, die in Bezug auf den Wechselunterricht erfüllt sein müssen.

  • Wechselunterricht gibt es grundsätzlich erst ab Klasse 8.
  • Keinen Wechselunterricht gibt es außerdem in den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren.
  • Ebenso sind alle Schülerinnen und Schüler, die am Ende dieses Schuljahres eine Abschlussprüfung machen werden, vom Wechselunterricht ausgenommen.

Sabine Hagenmüller-Gehring ist für die Gemeinschafts-, Werkreal- und Realschulen sowie die Sonderpädagogischen Bildungszentren zuständig. Für diese Schulen bedeutet das: Es können nur die achten Klassen vollständig auf Wechselunterricht umstellen. Denn sowohl an den Werkrealschulen als auch an den Real- und den Gemeinschaftsschulen gibt es in Klassenstufe 9 Schülerinnen und Schüler, die den Hauptschulabschluss anstreben. Andere Klassenkameraden dagegen werden erst in der 10. Klasse Prüfungen machen.

Das bedeutet für diese neunten Klassen: Nur ein Teil der Jugendlichen kann in den Wechselunterricht übergehen.

Es könnte also der unglaubliche Fall passieren, dass in einer Klasse die einen wochenweise zu Hause lernen müssen, während die Nebensitzer täglich in die Schule gehen.

All dies ist denkbar, „theoretisch“. „In der Realität hoffe ich natürlich, dass wir Lösungen finden, die nachvollziehbar und vertretbar sind“, schreibt Sabine Hagenmüller-Gehring.

Die zehnten Klassen der Gemeinschafts-, Werkreal- und Realschulen sind dann, wegen der Abschlussprüfungen, schon wieder ganz vom Wechselunterricht ausgenommen.

Der Wechselunterricht unterliegt noch weiteren Bedingungen:

  • Mindestens 50 Prozent des Unterrichts muss im Präsenzunterricht erfolgen.
  • Die Schülerinnen und Schüler dürfen längstens eine Woche im Fernunterricht sein.
  • Klassenarbeiten dürfen nur in den Präsenzzeiten geschrieben werden. Das kann bedeuten, dass ein Teil der Klasse die Arbeit in der einen Woche schreibt, der andere Teil der Klasse ist eine Woche später dran.

Überhaupt bringt die Corona-Situation die Schulen, die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler in Nöte: Im Kreis seien Schulen, schreibt Sabine Hagenmüller-Gehring, an denen Klassen schon mehrmals in den Fernunterricht wechseln mussten. Andere dagegen waren noch verschont. Können die Schulen, die die Jugendlichen schon mehrfach heimschicken mussten, den Stoff des Lehrplans überhaupt noch schaffen? Gibt es in den Schulen, den Klassen des Kreises noch einen irgendwie vergleichbaren Lernstand? Diese Frage wird, so die Schulamtsleiterin, im Februar mit allen Schulleitungen erörtert werden.

Ganz gleich, wie schnell und hoch die Sieben-Tage-Inzidenz steigt, ganz gleich, ob der Rems-Murr-Kreis zum Hotspot-Kreis wird – der sogenannte „Wechselunterricht“ kommt nicht automatisch, nicht gezwungenermaßen überall gleichzeitig und keinesfalls ohne kritische Abwägungen.

Ein Satz von Sabine Hagenmüller-Gehring, Schulamtsleiterin in Backnang, zeigt das Dilemma, in das die steigenden Infektionszahlen die Schulen stürzen. Sie schreibt, es sei „sicher unstrittig, dass Fernunterricht

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