Rems-Murr-Kreis

Welche Auswirkungen hat die Freigabe für Astrazeneca auf die Impftermine im Kreisimpfzentrum, Herr Holzwarth?

Impfzentrum
„Es wäre fatal, Termine ins Blaue hinein auszumachen, die dann wieder abgesagt werden müssten“, sagt Gerd Holzwarth. © Gabriel Habermann

Bund und Länder haben am Donnerstag (6.5.) entschieden, den Astrazeneca-Impfstoff "für alle" freizugeben, also die Priorisierungen nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe fallenzulassen. Stimmt das überhaupt? Und: Welche Auswirkungen hat das auf die sowieso schon angespannte Impftermin-Vergabe in Baden-Württemberg und im Rems-Murr-Kreis?

Zunächst einmal: Die Landesregierung hat den Freigabe-Beschluss feinjustiert und die Priorisierung für den Impfstoff von Astrazeneca vorerst nur für die Impfungen in den Arztpraxen aufgehoben, so eine Mitteilung am Freitag (7.5.). Dies, weil Rückmeldungen aus der Ärzteschaft kamen, dass man auf bestellten Dosen sitzenbleibe, weil sich Patienten weigerten, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen. Daher auch die Sonderimpfaktionen in Pforzheim am vergangenen Mittwoch (5.5.) und in Oppenweiler an diesem Wochenende (8./9.5.). Es gibt offenbar einerseits nicht wenige Impfberechtigte, die Astrazeneca gegenüber weiter skeptisch sind. Andererseits gibt es aber auch Impfwillige, die Astrazeneca sofort nehmen würden, jedoch entweder noch nirgends einen Termin bekommen haben oder noch nicht impfberechtigt sind.

Im gesamten Baden-Württemberg wurden laut Corona-Impfindex des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) in der Kalenderwoche 17 (26. April bis 2. Mai) 280 712 Corona-Impfungen in Arztpraxen durchgeführt. Davon 275 807 mit Biontech und 4824 mit Astrazeneca (sowie 81 mit Moderna). Mit Stand 2. Mai wurden nur 77,5 Prozent der von Ärzten bestellten Impfstoffe auch verimpft, so das ZI.

In den Impfzentren keine "Freigabe für alle"

In den baden-württembergischen Impfzentren gilt für alle Impfstoffe, auch für Astrazeneca, weiterhin die Priorisierung, denn die Impfstoffmenge reicht noch nicht für alle Impfwilligen, so das Sozialministerium in einer Mitteilung. Zudem gebe es aus den Impfzentren keine Hinweise, wonach es bei Astrazeneca-Terminen zu ungewöhnlich vielen Absagen oder Nichterscheinen kommt.

Das kann Gerd Holzwarth, der für das Kreisimpfzentrum (KIZ) in Waiblingen zuständige Dezernent im Landratsamt, nur bestätigen. „Die Astrazeneca-Liefermengen ans KIZ sind aber momentan eh sehr gering.“ In der laufenden KW 18 (3. bis 9. Mai) und in der KW 19 (10. bis 16. Mai) würden dem Plan nach jeweils nur 400 Dosen Astrazeneca ans KIZ geliefert, in der KW 20 sollen es nur noch 100 Dosen sein.

„Wir führen momentan bis auf weiteres auch gar keine Erstimpfungen mit Astrazeneca mehr durch. Die letzten Astra-Erstimpfungen im KIZ waren am 30. April.“ Seit 28. April laufen die Zweitimpfungen für mit Astrazeneca Erstgeimpfte. „Hier entscheiden sich rund 20 Prozent der Leute ausdrücklich für Astrazeneca. Den anderen vermitteln wir Biontech für die Zweitimpfung“, sagt Holzwarth.

Es seien insbesondere Ü-60-Jährige, die der Stiko-Empfehlung folgend sich auch bei der Zweitimpfung für Astrazeneca entscheiden, ergänzt Dr. Stephanie Haaf vom ärztlichen Leitungsteam des KIZ. „Aber das ist von Fall zu Fall ganz unterschiedlich. Ein 50-Jähriger, der schon nach der Erstimpfung mit Astrazeneca keine Probleme hatte, wird sich eher wieder für Astrazeneca entscheiden als jemand, der zum Beispiel schlimmen Schüttelfrost hatte.“

Der Druck auf die Impftermin-Vergabe steigt weiter

Die erweiterte Freigabe des Astrazeneca-Impfstoffes hat deshalb allenfalls insofern Auswirkungen auf das KIZ, weil sich der Druck auf die Terminvergabe dadurch nochmals erhöhen wird, und das nach der sowieso schon für Druck sorgenden Freigabe aller Corona-Impfungen für die Priogruppe drei. „Die Leute können das ja alles nicht so unterscheiden, und überlesen womöglich, dass die Astrazeneca-Freigabe ‘für alle’ sich nur auf die Arztpraxen bezieht und nicht auf die Impfzentren. Die Arztpraxen haben aber mit den Impfzentren nichts zu tun. Die Ärzte beziehen ihre Impfstoffe ja auch nicht vom Land wie die Impfzentren, sondern über die Apotheken, die ihn über den Pharma-Großhandel direkt vom Bund geliefert bekommen“, sagt Holzwarth. In den Impfzentren gebe es nicht mehr Impfstoff, aber nun eben noch viel mehr Menschen, die ihn haben wollen.

„An diesem Freitag (7.5.) haben wir gegen 10 Uhr rund 750 neue Impftermine im KIZ ins Vergabesystem eingespeist“, sagt Dr. Stephanie Haaf. „Die waren innerhalb von anderthalb Stunden gebucht und vergeben.“ Die Impfstofflieferungen und verlässliche Zusagen seitens des Landes für künftige Lieferungen kämen zu ganz unterschiedlichen Zeiten, weshalb auch Termine zu unterschiedlichen Zeiten freigegeben werden. Impfberechtigten Leserinnen und Lesern dieser Zeitung könne sie deshalb leider auch keinen stets gültigen zeitlichen Tipp geben, wann man ins Vergabesystem schauen oder die 116117 anrufen sollte.

An Biontech-Impfstoff seien im KIZ in der KW 18 (3. bis 9. Mai) 4680 Dosen angekommen und eine Zusatzlieferung von 1170 Dosen aufgrund der nunmehr durchs Land hergestellten größeren Transparenz der Impfquoten, sagt Holzwarth. „Der Rems-Murr-Kreis liegt auf Platz 31 der 44 Stadt- und Landkreise.“ Die folgende KW 19 sollen 3510 Biontech-Dosen inklusive einer Zusatzkiste geliefert werden und ab der KW 20 pro Woche nur noch 2340 Biontech-Dosen. Wir hoffen natürlich auf weitere Zusatzlieferungen und stellen auch sofort Termine ein, sobald wir sichere Zusagen haben.“

"Wir verimpfen alles und so schnell wie möglich"

Rund 800 Impfungen werden derzeit im KIZ in Waiblingen täglich verabreicht (Erst- und Zweitimpfungen), so Dr. Stephanie Haaf. „Wir würden mehr schaffen, bis zu 1500 pro Tag. Die dazu benötigte EDV wird am kommenden Montag (10.5.) vom Land geliefert. Es fehlt an Impfstoff.“

Und Gerd Holzwarth ergänzt: „Es ist keinesfalls so, dass im KIZ Impfstoff länger liegenbleibt. Wir verimpfen alles und so schnell wie möglich. Wir können aber nicht mehr Termine ins Vergabesystem einspeisen, wenn nicht sicher ist, dass dafür auch der Impfstoff da ist. Es wäre fatal, Termine ins Blaue hinein auszumachen, die dann wieder abgesagt werden müssten. Das wollte, glaube ich, niemand.“

Bund und Länder haben am Donnerstag (6.5.) entschieden, den Astrazeneca-Impfstoff "für alle" freizugeben, also die Priorisierungen nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe fallenzulassen. Stimmt das überhaupt? Und: Welche Auswirkungen hat das auf die sowieso schon angespannte Impftermin-Vergabe in Baden-Württemberg und im Rems-Murr-Kreis?

Zunächst einmal: Die Landesregierung hat den Freigabe-Beschluss feinjustiert und die Priorisierung für den Impfstoff von Astrazeneca vorerst nur

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