Rems-Murr-Kreis

Wende nicht in Sicht: Immer mehr Verbrenner auf Rems-Murr-Straßen unterwegs

Stausperrung
Jede Menge Autos, hier zum Beispiel während eines Waiblinger Staus im Oktober. © Gaby Schneider

Noch liegt die Bilanz nicht komplett vor, aber egal, was sich auf den letzten Drücker noch getan haben sollte – es steht im Grunde bereits fest, dass im Rems-Murr-Kreis 2022 mehr Pkw neu zugelassen worden sind als 2021; von einer Mobilitätswende, die wegführt vom Individualverkehr, kann demnach keine Rede sein.

In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres wurden im Rems-Murr-Kreis 12.174 Pkw neu zugelassen, die Daten für Dezember fehlen noch. Im Jahr 2021 waren es 12.274.

Blick auf ganz Deutschland: So viele Pkw wie noch nie

All das ordnet sich in ein größeres Panorama ein: Laut Umweltbundesamt gibt es derzeit in Deutschland etwa 48,7 Millionen zugelassene Pkw. Der Bestand ist seit 2008 nach einer Delle 2007 durchgehend alljährlich gewachsen; er war noch nie so hoch wie heute. Statistiker weisen darauf hin, dass die Zahl der in Deutschland zugelassenen Autos binnen zehn Jahren deutlich stärker zugenommen habe als die Bevölkerung. Mehr als ein Viertel der Haushalte hat zwei Pkw oder mehr.

Die Internetseite www.welt-in-zahlen.de spannt einen noch breiteren Horizont auf: In Deutschland gebe es 573 Pkw pro 1000 Einwohner – auf höhere Werte kommen weltweit nur einige kleine Länder wie Andorra (Rekordhalter mit 926 Pkw pro 1000 Einwohner), Monaco oder Liechtenstein, außerdem Brunei in Asien und in Europa Italien. Alle anderen Länder, und zwar sogar einschließlich der Vereinigten Staaten, reihen sich dahinter ein. In vielen Ländern, vor allem in Afrika, gibt es hingegen nur zwischen einem und zehn Pkw pro 1000 Einwohner. Zwischenbilanz: Davon, dass die Deutschen sich vom Individualverkehr ab- und dem ÖPNV zuwenden, kann nicht im Mindesten die Rede sein. Aber wie sieht es bei den Elektro-Autos aus?

Boom bei den E-Autos? Eher gut schwäbisch ein Boomle

Richten wir zunächst wieder die Lupe auf den Rems-Murr-Kreis: Zum 30. November lag hier der E-Auto-Bestand bei insgesamt 5779 Fahrzeugen. Die Entwicklung:

  • 2022 wurden bis zum Stand Ende November 2029 E-Pkw neu zugelassen.
  • 2021 waren es 2354.
  • 2020 waren es 1156.
  • 2019 waren es 366.
  • 2018 waren es 226.

In gewisser Weise kann man angesichts dieser Zahlenreihe durchaus von einem Boom sprechen. Die Kurzfristperspektive verstärkt diesen Eindruck: Im November wurden im Rems-Murr-Kreis 320 E-Pkw neu zugelassen; im Vormonat waren es nur 233 gewesen. Bei den Plugin-Hybrid-Fahrzeugen waren es im November 266 (und im Vormonat 246).

Der Anteil der reinen E-Wagen an der Gesamtflotte: knapp zwei Prozent

Weiten wir nun erneut den Blick: In der Bundesrepublik waren zum 1. Oktober 2022 knapp 841 000 Elektroautos zugelassen, hinzu kamen rund 745 000 Plugin-Hybrid-Fahrzeuge. Damit kann man zwar sagen, dass die Technologie sich seit 2012 (damals waren es noch lediglich 4541 Elektroautos) gewaltig entwickelt hat – der Anteil der reinen E-Wagen an der deutschen Pkw-Gesamtflotte liegt aber immer noch nur bei etwa 1,7 Prozent. In anderen Ländern sieht das drastisch anders aus. Ziemlich spektakuläre Daten dazu hat der Marktbeobachter Jato Dynamics ermittelt.

Den höchsten E-Auto-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen in Europa im dritten Quartal des kürzlich zu Ende gegangenen Jahres 2022 weist der Auswertung nach Norwegen mit 74 Prozent auf, gefolgt von Island (35 Prozent) und Schweden (30 Prozent). Deutschland lag in dieser Statistik bei 9,7 Prozent.

„Die große Mehrheit“ in Norwegen wolle „grün fahren“, hat Øyvind Solberg Thorsen vom dortigen Verkehrsinformationsrat unlängst erklärt. Die Entwicklung, mutmaßte er, schritte sogar noch deutlich schwungvoller voran, wenn es keine Lieferprobleme gäbe: „Wir wissen, dass viele Tausend Leute schon vor einiger Zeit einen Vertrag für ein neues Elektroauto unterschrieben haben und immer noch auf die Autos warten.“

Ganz anders sieht's beispielsweise in Norwegen aus

Auf der Internetseite www.visitnorway.de heißt es: Es sei das erklärte politische Ziel des Landes, „die gesamte norwegische Autoflotte bis 2025 emissionsfrei (Elektro oder Wasserstoff) zu machen. Deshalb gibt es alle möglichen Anreize rund um den Kauf von E-Autos: Subventionen, billigeres Parken, günstigere Maut- und Fährtickets sowie die Nutzung von Bus- und Taxispuren.“

Auf der Seite wird auch Christina Bu zitiert, Generalsekretärin des Norwegischen Elektroauto-Verbands: „Aber der stärkste Anreiz könnte sein, dass wir den Kauf von umweltschädlichen Benzin- und Dieselautos stark besteuern.“

Von einer auch nur ansatzweise vergleichbar schwungvollen Wende hin zur E-Mobilität gibt es in Deutschland überhaupt keine Spur. Im Juni hat Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, erklärt: Ein EU-weites Verbot von Verbrennungsmotoren bei Neuwagen ab dem Jahre 2035 käme „schlichtweg noch zu früh“.

Andere fahren grün, wir fahren SUV

Das Umweltbundesamt weist derweil auf einen ganz anderen Megatrend hin: „Bei der Absatzentwicklung der Pkw-Segmente“ zeige sich eine Tendenz „vor allem zu Geländewagen und SUVs“.

Der Anteil der Vans, SUVs und Utilities am Gesamtbestand stieg binnen zehn Jahren von 17 auf 28 Prozent. Im November 2022 hatten Geländewagen und SUV bei den Neuzulassungen gar einen Marktanteil von 40 Prozent.

Noch liegt die Bilanz nicht komplett vor, aber egal, was sich auf den letzten Drücker noch getan haben sollte – es steht im Grunde bereits fest, dass im Rems-Murr-Kreis 2022 mehr Pkw neu zugelassen worden sind als 2021; von einer Mobilitätswende, die wegführt vom Individualverkehr, kann demnach keine Rede sein.

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In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres wurden im Rems-Murr-Kreis 12.174 Pkw neu zugelassen, die Daten für Dezember fehlen noch. Im Jahr 2021 waren es

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