Rems-Murr-Kreis

Wie Corona die Fantasie der Wengerter im Remstal anregt

Adventskalender
Margret und Daniel Kuhnle beim Dekorieren des Adventskalenders. © Benjamin Büttner

Weinproben online, Feinkost-Verkauf in der Weinbar, Lieferservice an die Haustür... Die Coronapandemie wirbelt den Weinmarkt gehörig durcheinander. Die traditionellen Vermarktungsstrategien der Weingüter und Genossenschaften sind Corona und den Kontaktbeschränkungen zum Opfer gefallen. Statt von Weinfest zu Weinfest zu eilen, Weinproben am laufenden Band zu veranstalten und Präsenz bei Hocketsen zu zeigen, hatten die Wengerter seit Frühjahr plötzlich leere Terminkalender. Das hat ihre Fantasie angeregt.

So hockten sich schon Anfang April Peter Jung und Heike Schmalzried von der Remstalkellerei in ihren adretten Holzfasskeller vor die Kamera und veranstalteten ihre erste Weinprobe online. Die Weine hatte den Mitverkostern die Post frei Haus geliefert. Die Winzerin Silvie Häfner-Hutt verlegte die traditionelle Frühjahrsverkostung ihres Remshaldener Weinguts Häfner ebenfalls ins Internet – und legte den Weinpaketen ein paar Rezepte für Pesto, Dips und Brot bei – damit die Mitverkoster etwas Passsendes im Magen hatten, während sie zu Hause Häfners Weine probierten.

Mit einem Jungwinzer-Cup haben 16 junge Wengerter aus Stuttgart und dem Remstal im Sommer die Brücke geschlagen zwischen der echten und der virtuellen Weinwelt – und eine Alternative für die ausgefallene Fußballeuropameisterschaft geschaffen. Motto: „16 Jungwinzer, vier Weinkategorien, ein Turnier“. Das Finale wurde live aus dem Fellbacher Soccer-Olymp im Internet übertragen. Den Sieg holte sich Mitinitiator Daniel Kuhnle vom Stümpfelbacher Weingut Kuhnle.

Von seinem Vater Werner Kuhnle hat er offenbar die Lebensweisheit in die Wiege gelegt bekommen: „Wenn man nichts macht und nur mault, hilft es auch nichts!“ Also hat sich Junior Daniel Kuhnle ein paar Gedanken gemacht, wie trotz Corona die Geschäfte am Laufen gehalten werden können. Und herausgekommen ist ein Adventskalender, der es in sich hat. Nicht nur im alkoholischen Sinne.

24 Wein- und Sektflaschen zu verpacken, das wäre Daniel Kuhnle freilich viel zu langweilig gewesen. In den Kisten finden sich außer Weinen aus dem Hause Kuhnle auch Liköre und spezielle Biere, Wein- und Likörperlen, regionaler Honig und und und. Der Adventskalender hat einen stolzen Preis. 149 Euro. Dennoch zeigt sich Daniel Kuhnle überzeugt, dass nach dem flotten Anlauf des Verkaufs der Kalender kein Ladenhüter wird. „80, 100 Kisten, die schaffen wir.“

Der Lockdown habe ihn aus dem Alltagstrott gerissen, sagt Daniel Kuhnle. Ohne Weinproben, ohne Stände bei Weinfesten, ohne Ausschank bei Hocketsen oder Weinproben in Kuhnles rustikalem Esszimmer sei es schwierig geworden, neue Kunden anzusprechen. Auch in der Gastronomie machen derzeit nicht mehr so viele Weintrinker Bekanntschaft mit Weinen. Umso wichtiger seien deshalb die Bestandskunden, umso reger wolle er sich um sie kümmern, die Kuhnle-Weine schon kennen. Regelmäßig werden ihnen Probierpakete angeboten. Und deshalb fährt Daniel Kuhnle die Kundschaft auch öfters an und bringt ihr die Weine ins Haus.

„Das war nie meine Strategie“, räumt sein Vater Werner Kuhnle ein. Ihm war lieber, wenn die Kunden zu ihm ins Weingut kommen. Das tun sie immer noch. Aber weniger. Die guten alten Zeiten, als sich treue Kunden zweimal im Jahr den Kofferraum im Hof mit Trollinger & Co. vollluden und ihre Weinkeller auffüllten, sind vorbei. Das freilich seien sie schon vor Corona gewesen, wissen die Kuhnles. Weine werden seltener en gros gekauft, schon weil in modernen Wohnungen oft die Lagermöglichkeiten fehlen. Stattdessen geht der Weintrinker in den Supermarkt und kauft seinen Wein flaschenweise. Sofern er am Morgen im Adventskalender nicht auf eine 2019er Riesling Auslese gestoßen ist oder sich bereits auf einen 2016er im Eichenfass gereiften Spätburgunder freut.

Weinproben online, Feinkost-Verkauf in der Weinbar, Lieferservice an die Haustür... Die Coronapandemie wirbelt den Weinmarkt gehörig durcheinander. Die traditionellen Vermarktungsstrategien der Weingüter und Genossenschaften sind Corona und den Kontaktbeschränkungen zum Opfer gefallen. Statt von Weinfest zu Weinfest zu eilen, Weinproben am laufenden Band zu veranstalten und Präsenz bei Hocketsen zu zeigen, hatten die Wengerter seit Frühjahr plötzlich leere Terminkalender. Das hat ihre

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