Rems-Murr-Kreis

Wie die Johanniter Gaffern einen Strich durch die Rechnung machen wollen

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Gaffer erwischen sich selbst auf frischer Tat. Mit einem neuen QR-Code-Design für Geräte und Einsatzwagen klären die Johanniter über die Folgen von Gaffen auf. © André Wagenzik

Immer wieder behindern Schaulustige die Rettungskräfte an einer Unfallstelle. Dabei ist Gaffen längst kein Kavaliersdelikt mehr. Seit Januar 2021 kann das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belangt werden. Mit einem Pilotprojekt will die Johanniter-Unfall-Hilfe Gaffern jetzt einen Strich durch die Rechnung machen.

Social Media hat die Problematik verschärft

Mit einem Design auf Basis der QR-Code-Technologie, das an Rettungsfahrzeugen angebracht wird, sollen Schaulustige, die mit ihrem Smartphone das Geschehen festhalten wollen, davon abgehalten werden. Er löst auf dem Handy der Fotografierenden den automatischen Warnhinweis „Gaffen tötet!“ aus. So soll Gaffern ihre Tat unmittelbar bewusst gemacht werden. „Wir unterstützen das Projekt, denn immer wieder erleben unsere Rettungskräfte, dass ihre Arbeit durch Schaulustige behindert wird. Die Veröffentlichungsmöglichkeiten durch Sozialen Medien haben die Problematik noch verschärft“, sagt Johanniter-Regionalvorstand Yves-Patrick Wörner laut einer Mitteilung vom Mittwoch (09.02.).

Auch Johanniter aus Baden-Württemberg beteiligen sich an dem Projekt. Ein Rettungswagen der Wache Ludwigsburg ist seit Ende November 2021 in der Region zu sehen. „Ein Handy am Unfallort kann jedoch auch sinnvoll eingesetzt werden: Werden Passanten Zeugen eines Unfalls, kann durch Erste Hilfe Leben gerettet werden. Dazu gehört auch, die 112 zu wählen“, so Wörner. Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist mit rund 25.000 Beschäftigten, mehr als 43.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und 1,2 Millionen Fördermitgliedern eine der größten Hilfsorganisationen in Deutschland

Wissenschaftliche Begleitung

Parallel zum praktischen Test auf der Straße werden das „Gaffen“-Phänomen und die Reaktionen auf die beklebten Rettungswagen von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaft wissenschaftlich untersucht. Ein fünfköpfiges Team um Prof. Dr. Marisa Przyrembel bezieht sich dabei auf Aspekte der Notfall-, Sozial- und Motivationspsychologie, um dem Phänomen „Gaffen“ näher zu kommen. Ausgewertet werden Daten aus den jeweiligen Rettungseinsätzen, Klickzahlen, die durch den QR-Code generiert werden und Daten, die aus Befragungen des Rettungsdienstpersonals sowie der Bevölkerung erhoben werden.

Zusätzlich zu den Standorten, deren Rettungswagen mit dem neuen Design ausgestattet werden, wurden 43 regulär beklebte Fahrzeuge in die Studie einbezogen, die als Vergleichswerte hinzugezogen werden.

Immer wieder behindern Schaulustige die Rettungskräfte an einer Unfallstelle. Dabei ist Gaffen längst kein Kavaliersdelikt mehr. Seit Januar 2021 kann das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belangt werden. Mit einem Pilotprojekt will die Johanniter-Unfall-Hilfe Gaffern jetzt einen Strich durch die Rechnung machen.

Social Media hat die Problematik verschärft

Mit einem Design auf Basis der QR-Code-Technologie, das an

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