Rems-Murr-Kreis

Wie ein Apfel bei der Querdenker-Demo in Schorndorf zum Zankapfel wurde

Apfel Video
Das Video der festgenommenen Apfelesserin in Schorndorf wird auf Youtube verbreitet. © Screenshot YouTube

Die pure Empörung spricht aus den Kommentaren zur Festnahme einer 38-jährigen Frau am Rande der Querdenker-Demo am Freitag vergangener Woche auf dem Marktplatz in Schorndorf: „Schwerverbrecherin! Sie hat einen Apfel gegessen! Unglaublich!“

Polizisten umringen eine Frau, die auf der Treppe eines Hörgerätegeschäftes sitzt. Aus dem Off kommentiert eine weibliche Stimme die Geschehnisse, während diese mit dem Handy gefilmt werden: „Ich warte bloß, dass sie sie wegzerren ...“

Geschäftiges Treiben. Polizeibeamte reden auf die Frau auf der Treppe ein.

„Das müsst ihr euch vorstellen. Wegen einer einzigen Person steht alles voll Polizei! Weil die Frau, die da auf der Treppe sitzt, einen Apfel gegessen hat.“

„Wahnsinn. Die Polizei, mein Freund, pass’ auf, ich helf dir!“

„Die Frau weint schon, aber das macht ja nichts.“

Die Polizei zerrt die Frau recht unsanft von der Treppe weg und verfrachtet sie in ein Polizeiauto. „Unglaublich!“, zetert die Kommentatorin: „Diktatur! Diktatur! Überall nur Diktatur!“

Das knapp zweieinhalbminütige Video zeigt die Festnahme der Frau. Doch die hat eine weit längere Vorgeschichte und stellt sich aus Sicht der Polizei anders dar.

Aus Sicht der Polizei

Die Stadt Schorndorf hatte den „Aufzug mit Kundgebung“ ausdrücklich unter diesen drei Bedingungen genehmigt: Die Teilnehmer mussten erstens ständig Masken tragen, sie mussten zweitens zwei Meter Abstand halten; und drittens war „während der Versammlung der Verzehr von Getränken, Essen sowie Rauchen nicht zulässig“. Wer trotzdem etwas futtern wollte, Durst bekam oder rauchen wollte, sollte sich laut Punkt 14 der 20-seitigen Anordnung mindestens 50 Meter von der Versammlung entfernen. Denn das Schorndorfer Ordnungsamt hat aus den Erfahrungen der vorigen Querdenker-Demos in Schorndorf gelernt: „In der Vergangenheit kam es bereits zu Fällen, in denen Personen Essen oder Getränke konsumiert oder geraucht haben, um die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung zu umgehen.“

Just jene Frau, die später festgenommen wurde, zählte zu dem Personenkreis, die die vermeintliche Ausnahme von der Maskenpflicht sich zur Regel machen wollte. Sie setzte sich von Anfang an demonstrativ über das Verzehrverbot hinweg, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen auf Anfrage. Die 38-Jährige knabberte - unübersehbar für die Polizeibeamten, die die Szenerie beobachteten - wohl eine Stunde lang an ihrem Apfel herum. Und ohne Maske.

Nach dem Ende der Demonstration nahm sich die Polizei derjenigen Teilnehmer an, die sich nicht an die Auflagen gehalten hatten. 22 von ihnen hatte sie ins Auge gefasst und nahm schließlich bei acht Demonstranten die Personalien auf. Beziehungsweise versuchte es. Denn die apfelessende Demonstrantin saß auf der Treppe des Hörgeräteladens und rückte ihre Personalien trotz mehrfacher Aufforderung nicht heraus.

Selbst die Beamten eines Deeskalationsteams, die der Einsatzleiter hinzugezogen habe, bissen bei der Apfelesserin auf Granit. Schließlich wurde die Frau abgeführt und zur Wache gebracht. Laut Polizeisprecher erwartet die Frau zwei Verfahren, zum einen das Ordnungswidrigkeitsverfahren, weil sie keine Maske getragen hat; zum anderen aber eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte im besonders schweren Fall, weil sie ein Messer bei sich getragen habe.

Die pure Empörung spricht aus den Kommentaren zur Festnahme einer 38-jährigen Frau am Rande der Querdenker-Demo am Freitag vergangener Woche auf dem Marktplatz in Schorndorf: „Schwerverbrecherin! Sie hat einen Apfel gegessen! Unglaublich!“

Polizisten umringen eine Frau, die auf der Treppe eines Hörgerätegeschäftes sitzt. Aus dem Off kommentiert eine weibliche Stimme die Geschehnisse, während diese mit dem Handy gefilmt werden: „Ich warte bloß, dass sie sie wegzerren

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