Rems-Murr-Kreis

Wie sich die Coronakrise auf den Wohnungsmarkt im Rems-Murr-Kreis auswirkt

SymbolfotoBaustelle
Landauf, landab werden neue Wohnungen gebaut. Foto: © Gaby Schneider

Die weltweite Corona-Pandemie trifft die Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis ins Mark: geschlossene Läden und Fabriken, Kurzarbeit, Sorgen um den Arbeitsplatz. Sorgt das Virus für ein Ende des Immobilienbooms? Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der Volksbank Stuttgart Immobilien GmbH, schüttelt den Kopf. Die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen sei noch immer größer als das Angebot. Wenn ein Interessent anfängt, um den Preis zu feilschen, stehen zwei, drei andere Käufer vor der Tür. Noch beißen die Schnäppchenjäger auf den sprichwörtlichen Granit - genauer gesagt: auf dem Immobilienmarkt eher aber auf Beton.

Wie hat sich der Corona-Lockdown auf den Immobilienmarkt ausgewirkt?

Die Coronakrise ist nicht spurlos am Geschäft mit Immobilien vorübergegangen, sagt Jürgen Schäfer bei der Vorstellung des Wohnmarktberichts für den Rems-Murr-Kreis. Wurden im März und April noch alte, vor der Krise angebahnte Verkäufe und Vermietungen abgewickelt, so geht seit Mai das Angebot an Häusern und Wohnungen merklich zurück. Ein Grund: Wer seine Immobilie verkaufen wollte, hielt und hält sich zurück. Zum Beispiel aus Angst vor einer Infektion, zeigt Schäfer Verständnis für die Vorsicht der Verkäufer - oder auch die Mieter -, in dieser Zeit keine fremden Menschen in der Wohnung haben zu  wollen.

Wie können Besichtigungstermine vermieden werden?

Die Alternative sind virtuelle Rundgänge durch die Wohnungen und Häuser, die die Makler der Volksbank nun verstärkt anbieten. Corona hat der Digitalisierung des Maklergeschäftes einen deutlichen Schub verpasst. Wurden virtuelle Rundgänge vor Corona nur vereinzelt angeboten, werden es seither mehr und mehr. Sofern dies der Verkäufer wünscht, dass seine Immobilie mit den 360-Grad-Kameras en detail erfasst werden - und Fremden damit Einblicke in die Wohnung gewährt. Die Lösung der Volksbank ist, dass nicht jeder Interessent gleich auf virtuellen Rundgang gehen darf, sondern sich zuvor anmelden muss. Ein weiterer Vorteil der virtuellen Vorabbesichtigung ist, dass ausschließlich die wirklichen Interessenten selbst die Immobilie in Augenschein nehmen, sagt Schäfer.



In welchen Städten und Gemeinden zwischen Rems und Murr lässt es sich am besten leben?

Der Wohnmarktbericht, den das Dr.-Hettenbach-Institut alljährlich für die Volksbank erstellt, ist mehr als ein Preisspiegel. Ziel sei nicht, konkrete Objektbewertungen vorzunehmen, sondern die wichtigsten Marktentwicklungen aufzuzeigen. So werden alle 31 Kommunen zwischen Rems und Murr porträtiert, Angebot und Nachfrage in den einzelnen Segmenten aufgelistet und analysiert. Und abschließend wird bewertet, wo es sich als Seniorin oder Senior, als Familien oder als Freizeitmenschen am besten leben lässt. Senioren sind in Waiblingen, Schorndorf und Murrhardt am Besten aufgehoben, Familien in Backnang, Waiblingen und Felbach und Freizeitmenschen in Spiegelberg, Alfdorf und Großerlach. In den Zeiten von Home-Office zeigt der Wohnmarktbericht, wo es bei der digitalen Versorgung klemmt - oder auch nicht. Der digitale Alltag lässt sich am Einfachsten in Schwaikheim, Winnenden und Weissach im Tal bewältigen. Dort ist die Versorgung mit schnellem Internet und Mobilfunk hervorragend. Große Funklöcher tun sich hingegen in Kaisersbach oder Alfdorf auf.

Wie haben sich Immobilienpreise im vergangenen Jahr entwickelt?

Im vergangenen Jahr haben sich die Preise der Immobilien im Rems-Murr-Kreis zwar weiter erhöht, aber der Anstieg hat sich verlangsamt und ist in manch ländlichen Bereichen inzwischen an seine Grenzen gestoßen, sagt Jürgen Schäfer. „Der Kreis profitiert davon, dass Stuttgart ausverkauft ist“, bringt er die Situation im Umland der Landeshauptstadt auf den Punkt. Für Kapitalanleger lohnen sich bei einer durchschnittlichen Mietrendite von 3,95 Prozent (2018: 4,0 %) die Investitionen vielerorts nicht mehr.

Höhere Renditen lassen sich derzeit nur noch in ländlichen Gemeinden wie Spiegelberg, Großerlach, Alfdorf oder Kaisersbach erzielen, wo die Kaufpreise niedrig sind. Allerdings ist nicht jedermanns Sache, in diesen nicht an den S-Bahnen gelegenen Kommunen zu leben, auf schnelles Internet verzichten zu müssen oder kein gutes Mobilfunknetz zu haben. Wohl aber ist dort der Freizeitwert hoch. In den verkehrsgünstig gelegenen, begehrten Städten und Gemeinden sind die Renditen bereits deutlich unter vier Prozent gefallen und für Investoren auf der Kippe. „Das Immobilienpreis-Steigerungspotenzial kommt an seine Grenzen“, heißt es im Wohnmarktbericht. „Die Preise stabilisieren sich auf hohem Niveau.“

Wie hoch sind die Mieten?

Gleiches gilt für die Mieten. Zwischen neun und 16 Euro pro Quadratmeter werden derzeit verlangt. Mietwohnungen sind Mangelware im Rems-Murr-Kreis. Besonders knapp sind sie auf dem Lande, wo der Mietmarkt an Bedeutung verliert, heißt es im Wohnmarktbericht. Wer dort eine Mietwohnung findet, lebt relativ günstig und die vier Wände kosten um oder sogar unter sieben Euro je Quadratmeter. Die höchsten Mieten werden in Fellbach, Waiblingen, Kernen und Korb verlangt. Dort liegen die durchschnittlichen Quadratmeter-Mieten bei über zehn Euro.

Vermehrt werden Wohnung auch möbliert vermietet, um auf diese Weise die Vergleichsmiete oder künftig auch die Mietpreisbremse auszuhebeln. Jürgen Schäfer beobachtet ein weiteres interessantes Phänomen. Kleinere Ein- oder Zweizimmer-Wohnungen wurden bisher von Kapitalanlegern eher links liegen gelassen. Inzwischen sind sie von Leuten begehrt, wenn zwar Geld übrig ist, dies aber nicht für die Finanzierung einer größeren reicht. Motto: „Wenn schon keine Zinsen, dann ein paar Mieteinnahmen“.

Wie lang dauert es, bis eine Wohnung verkauft ist? Oder: Wie schnell müssen Käufer zugreifen?

Bestimmt wird der Markt jedoch von den Eigennutzern. Sie bilden das Gros der Käufer von Immobilien. Und deren Nachfrage ist deutlich größer als das Angebot, sagt Schäfer. Das lässt sich an den Vermarktungszeiten ablesen, die 2019 weiter gesunken sind. In weniger als zwei Monaten ist in aller Regel eine Immobilie verkauft. Am schnellsten sind übrigens Drei-Zimmer-Wohnungen weg, die um die 300 000 Euro kosten. Teure Immobilien dauern etwas länger, bei denen Schäfer auch beobachtet, dass für hochpreisige und überteuerte Objekte nicht mehr jeder Preis gezahlt wird, sondern die Käufer wieder beginnen zu verhandeln.



In welche Richtung geht der Immobilienmarkt mittel- und langfristig nach der Coronakrise?

Nach Einschätzung von Dr. Peter Hettenbach hat die Coronakrise den Immobilienmarkt nicht gekippt. Der Markt zeige sich derzeit robust und stabil. Hettenbach und Jürgen Schäfer vermeiden jedoch eine Aussage, wie es in ein, zwei Jahren ausschauen wird, sollte sich der Schockzustand, in dem sich die Wirtschaft befindet, zu einer Rezession auswachsen. Seriöse Aussagen ließen sich derzeit nicht treffen. Im Wohnmarktbericht werden drei Aspekte genannt, von denen die weitere Entwicklung abhängt: Je länger der Lockdown dauert, desto größer sind die wirtschaftlichen und psychologischen Folgen. Ohne sichere Einkommen kein Interesse an Immobilien. Und nicht zuletzt müssen das Eigenheim und die Eigentumswohnung finanziert werden können, was von den Banken abhängt. Ungewiss ist, wie sich die Bauzinsen mittelfristig entwickeln, sagt Schäfer und weist auf die Geldschwemme hin, mit der die Europäische Zentralbank die Märkte flutet.

Die weltweite Corona-Pandemie trifft die Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis ins Mark: geschlossene Läden und Fabriken, Kurzarbeit, Sorgen um den Arbeitsplatz. Sorgt das Virus für ein Ende des Immobilienbooms? Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der Volksbank Stuttgart Immobilien GmbH, schüttelt den Kopf. Die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen sei noch immer größer als das Angebot. Wenn ein Interessent anfängt, um den Preis zu feilschen, stehen zwei, drei andere Käufer vor der Tür. Noch beißen die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper