Rems-Murr-Kreis

Wie sieht der Kassenbon der Zukunft aus?

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Bon aufs Handy: Das geht auch. © Alexander Roth

Rems-Murr.
Wenn er mal wieder einen Bon über fünf Cent über die Theke schiebt, muss Andreas Wolf den Kopf schütteln. In seiner Bäckerei in Waiblingen ist das seit Jahresbeginn keine Seltenheit, denn durch die benachbarte Schule verkauft die Bäckerei Wolf manchmal auch nur zwei Brausetabletten an einen jungen Kunden. Seit für jeden noch so kleinen Einkauf ein Beleg ausgedruckt werden muss, hat sich der Verbrauch des wenig umweltfreundlichen Thermopapiers verdreifacht. „Das ist weder nachhaltig noch wirtschaftlich“, sagt Wolf.

In größeren Betrieben als seinem (sieben Vollzeitkräfte und ein Azubi) mache sich das noch deutlicher bemerkbar. Laut Handelsforschungsinstitut EHI kommen in Deutschland pro Jahr insgesamt rund 5,7 Millionen Kilogramm zusätzliche Bons zusammen. Die gehören wegen ihrer speziellen Beschichtung nicht in den Papierkorb, sondern in den Restmüll.

Erhitzte Gemüter

Die Bonpflicht erhitzt nicht nur die Gemüter von Bäckern, Umweltschützern und allen, die sich beiden Kategorien zuordnen. Auch Politiker aller Fraktionen beschäftigen sich mit der ungeliebten Zettelflut. Die Union drängt auf Änderungen, Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat vorgeschlagen, Einkäufe unter zehn Euro auszunehmen. Die SPD lehnt das ab, weil sie fürchtet, dann könne Steuerbetrug nicht mehr effektiv aufgedeckt werden. Auch die FDP setzt sich weiter für eine Lockerung der seit diesem Jahr geltenden Bonpflicht ein. Wer eine zertifizierte elektronische Kasse benutze, müsste demnach keinen Beleg ausgeben, geht es nach den Freien Demokraten. Eine derartige Kasse zeichnet jede Transaktion so auf, dass sie für die Finanzbehörden nachvollziehbar ist. Wäre einer dieser Vorschläge die Lösung für Bäcker, Kioskbetreiber und andere Kleinunternehmen, die sich auch im Rems-Murr-Kreis über Papierberge ärgern?

Nur bedingt, findet Andreas Wolf. Denn die meisten Bäcker, auch er selbst, verfügten bereits über solche Kassen. Bis spätestens Ende September müssen ohnehin alle Händler, die es noch nicht gemacht haben, auf neue, zertifizierte Kassen umsteigen, die Fälschungen und nachträgliche Mauscheleien unmöglich machen sollen. Wolf gibt aber zu bedenken: „Gibt ein schwarzes Schaf unter Unternehmern oder Angestellten eine Transaktion gar nicht erst ein, kann die Kasse auch nichts registrieren.“

Auch eine Bagatellgrenze von zehn Euro wäre aus diesem Grund zwar praktisch für Bäcker und andere Kleinunternehmer, würde aber wiederum nicht für höchstmögliche Transparenz sorgen. Sinnvoller fände er deshalb den Vorschlag der Deutschen Steuer-Gewerkschaft DSTG, an manipulationssicheren Kassen eine grüne Lampe anzubringen, die jedes Mal aufleuchtet, wenn ein Umsatz verbucht wird. Das Licht würde allen im Laden zeigen, dass der Inhaber seinen Pflichten nachkommt.

Müll verhindern könnten auch elektronische Kassenbons, die zum Beispiel per QR-Code oder Nahfeldkommunikation (NFC) aufs Handy oder per E-Mail an das Kundenkonto übermittelt werden. Die lässt das Gesetz neben gedruckten Bons ausdrücklich zu. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut kann sich solche digitalen Lösungen gut vorstellen, die meisten Bäcker weniger: „Ich halte das für unpraktisch, impraktikabel und schwer durchsetzbar“, sagt Frank Sautter, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands für das Württembergische Bäckerhandwerk. Man stelle sich vor, wie jemand am Samstagmorgen beim Brezelkauf erst einmal den QR-Code scanne, während hinter ihm die Schlange bis zur Ladentür ungeduldig warte.

Kassen nachrüsten

Außerdem geben Frank Sautter und Andreas Wolf zu bedenken, dass die meisten Kassen dafür zunächst nachgerüstet werden müssten. „Für die Wartung der Software werden 50 bis 60 Euro Lizenzgebühren pro Monat fällig“, sagt Wolf. Auch wenn E-Bons vielleicht heute noch keine Lösung seien, könnte sich das in Zukunft ändern, glaubt er: „Das Barzahlungssystem ist im Endstadium.“ Wenn in einigen Jahren Bezahlen per Handy alltäglich geworden sei, erübrige sich die Frage nach dem Papierbon ohnehin.

Rems-Murr.
Wenn er mal wieder einen Bon über fünf Cent über die Theke schiebt, muss Andreas Wolf den Kopf schütteln. In seiner Bäckerei in Waiblingen ist das seit Jahresbeginn keine Seltenheit, denn durch die benachbarte Schule verkauft die Bäckerei Wolf manchmal auch nur zwei Brausetabletten an einen jungen Kunden. Seit für jeden noch so kleinen Einkauf ein Beleg ausgedruckt werden muss, hat sich der Verbrauch des wenig umweltfreundlichen

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