Rems-Murr-Kreis

Wie spricht man mit Kindern über den Ukraine-Krieg?

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Symbolfoto. © pixabay.com

"Mama, bei so einem Krieg, benutzt man da auch Waffen, ich meine Messer?", fragt ein vierjähriger Junge. "Und warum kann man denen die Waffen nicht einfach wegnehmen, dann wäre der Krieg doch gar nicht schlimm." Und: "Mama, wenn der Krieg dann auch zu uns kommt, darf ich den dann auch sehen?" Auch der siebenjährige Bruder weiß bereits aus der Schule, dass ein großes Land die Ukraine angegriffen hat, weil es das Land zurückhaben und einen Friedensvertrag nicht mehr einhalten will. Die Eltern der beiden Jungen wundern sich, denn sie haben mit ihren Kindern noch nie über den Ukraine-Krieg gesprochen. 

Szenen wie diese spielen sich in vielen Familien ab. Kinder erhalten über Medien und Außenstehende Zugang zu Informationen, die sich der Kontrolle ihrer Eltern entziehen. Oder sie spüren lediglich, dass etwas nicht stimmt, und stellen Fragen. Nicht leicht für Erwachsene, jetzt die richtigen Worte zu finden. Einige Tipps, aus verschiedenen Quellen zusammengetragen:

Die Initiative sollte von den Kindern ausgehen

Besonders im Kindergartenalter sollten Eltern den Ukraine-Krieg nicht von sich aus thematisieren, sondern auf Fragen des Kindes warten. Diese geben dann auch einen Hinweis darauf, wie viel das Kind bereits weiß und welche Ängste es hat. Gerade Kindergarten-Kinder haben eine sehr lebhafte Fantasie und reagieren besonders emotional. Unausgesprochenes kann sie sehr belasten. Kinder spüren, wenn ihre eigene Familie unruhig wird und die Situation den Erwachsenen nahegeht. Die Pädagogen sind sich einig: Tabuisieren, um die Kinder vor einer Konfrontation mit dem Thema Krieg zu bewahren, ist keine gute Idee. Wenn Eltern ihrem Kind auf Fragen nicht antworten oder das Thema herunterspielen, werden kindliche Ängste und Fantasien eher genährt.

Ehrlich antworten, aber keine Vorträge halten

Eltern sollten ihre Kinder daher auf keinen Fall anlügen. Viel wichtiger ist, wie man die Wahrheit beschreibt. Jüngere Kinder können Krieg noch nicht wirklich verstehen und sind mit Informationen oder gar Bildern schnell überfordert. Gerade deswegen brauchen sie Erwachsene, die ihnen in möglichst kurzen Worten, sachlich und präzise auf ihre Fragen antworten, dabei aber keine weiteren Informationen hinzufügen und ihnen soweit möglich auch ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.  Wenn ein Kind eine Frage zum Krieg stellt, sollten Erwachsene am besten erst einmal nachfragen und Rückfragen stellen, um zu verstehen, auf welchem Stand das Kind ist (zum Beispiel: "Wie kommst du auf diese Frage?", "Was glaubst du denn, was das Wort bedeutet?"),  und dann sollten sie auf Augenhöhe antworten. Aber eben nur auf die gestellte Frage. Keine Vorträge halten.

Altersgerechte Bilderbücher und Medien

Wenn das Kind immer weiter fragt, sind auch Bilderbücher zum Thema eine gute Idee. Mit zunehmendem Alter werden der Erfahrungsradius und das weltpolitische Verständnis der Kinder größer. Mehr und mehr können sie auch Informationen, die nicht unmittelbar mit ihrer Erfahrungswelt zu tun haben, verstehen. Nun können auch Bidlschirm-Medien in die Aufklärungsarbeit einbezogen werden. Eltern sollten bei der Auswahl aber sehr kritisch sein. Jugendliche haben ohnehin Zugang zum Internet. Wichtig ist, sie mit verstörenden Nachrichten und Bildern nicht allein zu lassen, und dass sie Erwachsene haben, mit denen sie sprechen können. Und die sie vielleicht auch für die Situation ukrainischer Jugendlicher sensibilisieren.

Gefühle ernst nehmen

Angst und Unsicherheit müssen altersgerecht begleitet werden. Das bedeutet, Kinder wollen mit ihren Gefühlen ernst genommen werden. Vielleicht sind sie traurig, wütend oder haben Angst. Nehmen Sie diese Gefühle ernst und fragen genauer nach, was sie traurig oder wütend macht, was ihnen Angst macht.  Auch Erwachsene sollten ihre eigenen Gefühle ihren Kindern möglichst sachlich und präzise vermitteln. Denn Kinder spüren sie ohnehin. Im nächsten Schritt gilt: zuhören und sich eingestehen, dass man auch keine einfachen Antworten oder eine Erklärung hat. Aber nicht vergessen: Der Krieg in der Ukraine ist bislang  keine Bedrohung, die uns unmittelbar, sondern nur mittelbar betrifft. Dieses Gefühl von Sicherheit sollte man auch den Kindern vermitteln.

Aktiv werden

Um Trauer und Angst zu verarbeiten, kann es hilfreich sein, aktiv zu werden. Dabei sollten keineswegs falsche Hoffnungen geschürt werden, allerdings können Sie dem Kind zeigen, wie es sich ausdrücken kann, wie es mit den Emotionen umgehen kann. Malen, basteln, in die Natur gehen oder auch Spenden-Aktionen können Kindern das Gefühl geben, etwas tun zu können.

"Mama, bei so einem Krieg, benutzt man da auch Waffen, ich meine Messer?", fragt ein vierjähriger Junge. "Und warum kann man denen die Waffen nicht einfach wegnehmen, dann wäre der Krieg doch gar nicht schlimm." Und: "Mama, wenn der Krieg dann auch zu uns kommt, darf ich den dann auch sehen?" Auch der siebenjährige Bruder weiß bereits aus der Schule, dass ein großes Land die Ukraine angegriffen hat, weil es das Land zurückhaben und einen Friedensvertrag nicht mehr einhalten will. Die Eltern

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