Rems-Murr-Kreis

Wirtschaftsjunioren aktiviert

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Das IHK-Gebäude in Waiblingen. © Zürn

Waiblingen. Der Verein der Wirtschaftsjunioren im Rems-Murr-Kreis ist wieder aktiv. Der Vorsitzende Sven Scholz möchte ein Netzwerk von jungen Unternehmern und Führungskräften aufbauen. Die Themen des Vereins sollen nicht nur Wirtschaft, sondern auch Bildung, Familie und Ressourcenbewusstsein sein.

Sven Scholz, 32, trägt einen tadellosen dunkelblauen Anzug, weißes Hemd und hellblaue Krawatte. Sein Bart passt nicht zu dem akkuraten Auftreten des hochgewachsenen Mannes. Der Bart macht ihn sympathisch – lässt ihn nicht aalglatt erscheinen. Seine braunen Augen blicken freundlich, voll Tatendrang.

Seit Ende November vergangenen Jahres ist Sven Scholz der Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren im Rems-Murr-Kreis. „Es ist viel mehr Arbeit, als ich mir vorgestellt habe“, sagt Scholz. „Glücklicherweise gibt mir mein Arbeitgeber genügend Freiraum, damit ich mich um die Wirtschaftsjunioren kümmern kann.“ Er ist Teamleiter bei der RTS Steuerberatergesellschaft in Backnang und Stuttgart.

Der Verein besteht seit 1994, war in den vergangenen Jahren zwecks mangelnder Beteiligung jedoch inaktiv. Die IHK-Bezirkskammer Rems-Murr suchte im vergangenen Jahr engagierte Führungskräfte und Unternehmer, die sich dem Verein wieder annehmen. Sven Scholz und seine beiden Vorstandskollegen Jens Oswald, Fotograf in Schorndorf, und der Rechtsanwalt Steffen Häussler aus Weinstadt waren von der Idee begeistert.

„Unser Ziel ist es, zuerst ein Netzwerk aufzubauen, dafür brauchen wir mehr Mitglieder“, sagt Scholz. Momentan hat der Verein 15 Mitglieder, bis Ende des Jahres sollen es 50 sein. Jeder, der unter die breite Definition von Führungskraft und Unternehmer fällt, kann Mitglied werden. Sofern er unter 40 Jahre alt ist. Es gibt zwar auch ältere Mitglieder, diese sind jedoch nur Fördermitglieder und haben kein Stimmrecht.

Die Wirtschaftsjunioren wollen keineswegs nur wirtschaftliche Themen behandeln: Bildung, Familie, soziales Engagement und Ressourcenbewusstsein sind ebenfalls Themen des Vereins. „Wir möchten beispielsweise mit Kniggekursen, Bewerbungs- und Rhetoriktraining sozial benachteiligte Jugendliche unterstützen“, sagt Scholz.

Er möchte Jugendlichen seine Hilfe anbieten und ein Ansprechpartner für sie werden. „Unternehmen haben eine Verantwortung in der Gesellschaft: Neben der Gewinnmaximierung dürfen Nachwuchs, Umwelt und Familie nicht vergessen werden.“

„Meine Familie geht immer vor“

Sven Scholz ist seit 17 Monaten selbst Vater; Sohn Elian ist sein ganzer Stolz. Spricht Scholz über seine Familie, leuchten seine Augen: „Meine Familie geht immer vor.“ Durch sein Ehrenamt als Vorsitzender sei es jedoch schwieriger geworden, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.

In letzter Zeit komme er abends oft erst spät nach Hause, wenn sein Sohn schon schlafe. „Jedes Mal bin ich etwas enttäuscht, habe Angst, seine Fortschritte zu verpassen“, sagt Scholz.

Seine Frau Sarah hat er bereits auf dem Gymnasium kennengelernt – dreizehn Jahre sind sie zusammen, drei davon verheiratet. Als Spießbürger würde er sich jedoch nicht bezeichnen: „Ich möchte meiner Familie Sicherheit bieten können, das ist doch ganz natürlich. Ob wir in einer Wohnung oder einem Haus leben, macht keinen Unterschied.“

Zielstrebig ist Sven Scholz seinen Weg gegangen: Schon in der Realschule wusste er, dass er „etwas mit Wirtschaft“ machen wolle. Deshalb besuchte er ein Wirtschaftsgymnasium in Schorndorf und studierte anschließend Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim. Mit einem Freund gründete er während des Studiums ein kleines Unternehmen: eine mobile Cocktailbar. „Seit ich 16 Jahre alt bin habe ich in der Gastronomie und dem Catering gejobbt. Irgendwann dachte ich mir: Das kannst du besser.“

Über die Jahre hinweg wurde aus der mobilen Cocktailbar eine kleine Eventagentur mit mehreren Mitarbeitern. „Es war anstrengend neben dem Studium nachts auf Festen zu arbeiten, aber es war eine tolle Zeit.“ Nach dem Studium haben sie die Agentur jedoch verkauft. „Ich hätte meine Frau, die tagsüber arbeitet, kaum noch gesehen – das war es mir nicht wert. Und durch die Wirtschaftskrise sind wichtige Aufträge weggefallen, da haben wir beschlossen zu verkaufen.“

Gerade in Wirtschaftskrisen seien Vereine wie die Wirtschaftsjunioren wichtig. „Ein großes Netzwerk in der Region hilft: Unternehmer und Führungskräfte können sich austauschen, helfen und unterstützen“, erläutert Scholz. Unterschiedliche Branchen träfen dabei aufeinander, neue Kontakte könnten geknüpft werden. „Hier hat man die Möglichkeit, viele Menschen aus anderen Bereichen kennenzulernen; neue Einblicke und Sichtweisen.“

Der Standort Rems-Murr-Kreis sei genau geschaffen für die Wirtschaftsjunioren. Der Verein bräuchte nur noch mehr aktive Mitglieder, die an den Themen mitarbeiten. „Die Wirtschaftsjunioren im Rems-Murr-Kreis sind erst seit November wieder aktiv“, sagt Scholz, fast entschuldigend. „Wir sind noch in der Findungsphase, verteilen die Aufgaben und planen die ersten Projekte.“ Die IHK und Wirtschaftsjunioren aus anderen Kreisen helfen den Junioren, geben ihnen Tipps. Dennoch geht es leider nicht so schnell voran wie erhofft.

Das Vorbild von Sven Scholz ist Jack Welch, der zwei Jahrzehnte Generaldirektor von General Electric war. Als Sohn eines Schaffners hat sich Welch von ganz unten bis zur Spitze hochgearbeitet. „Wir jungen Führungskräfte und Unternehmer haben die Energie und den Ehrgeiz etwas zu bewegen, zu verändern“, sagt Scholz.

Die nötige Kraft und Energie bekomme Scholz von seiner Familie und vom Angeln. „Das ist mein Ruhepol – nur die Natur und ich. Da bekomme ich den Kopf frei, habe Zeit zum Nachdenken.“

Es fällt schwer, sich den geschniegelten Mann in Anglerhosen, Gummistiefeln und Sonnenhut vorzustellen.