Rems-Murr-Kreis

Wissenschaftler legen Zwischenfazit ihrer Andrea-Berg-Heimspiel-Begleitung vor

Andrea Berg Konzert
Ein Spektakel an vier Konzertabenden mit jeweils 2000 Gästen war’s: Andrea Berg begeisterte beim besonderen Heimspiel 2021. © Weirauch

Schon kurz nach den Veranstaltungsabenden mit den vier kleinen Heimspiel-Konzerten im Rahmen des Modellvorhabens hatte Sängerin Andrea Berg gemeinsam mit Vertretern des Landratsamts, der Gemeinde und der begleitenden Wissenschaftler ein positives Fazit gezogen. „Wir hatten einiges ausprobiert und schnell erste Erkenntnisse gewinnen können“, blickt die Projektleiterin vom Landratsamt, Anika Fritz, zufrieden zurück, und weiter: „Mit dem Modellvorhaben wollten wir ganz gezielt erproben, welche Regelungen bei Großveranstaltungen funktionieren und welche Lockerungen möglich sind. Sicherheit hatte oberste Priorität. Nach knapp eineinhalb Jahren Pandemie haben wir seitens des Landratsamtes aber auch bewusst auf die Eigenverantwortung der Konzertbesuchenden gesetzt.“

Keine Infektionen bekannt

Die ausführliche Ausarbeitung der Evaluation des Modellvorhabens obliegt der Wissenschaftlerin Dr. Beate Kegler und ihrem Team. Der Landkreis hatte das Modellvorhaben mit einer wissenschaftlichen Studie begleitet. Ein Forschungsteam wurde für die Konzerte in Aspach beauftragt. An zwei der vier Konzerte im Juli war das Team persönlich vor Ort und führte Befragungen mit den Besuchern und mit den Mitarbeitern auf dem Gelände durch. Die Konzertgäste konnten jeweils bei allen vier Abenden per QR-Code an der Befragung teilnehmen. Fragen zum allgemeinen Konzerterlebnis, zum Hygienekonzept, zum Sicherheitsempfinden wurden beispielsweise gestellt.

Ebenso konnten Optimierungswünsche und -ideen geäußert werden. Im Rahmen des Projekts spielte auch die Kontaktnachverfolgung per „Luca-App“ eine Rolle. Zusätzlich wurden mit einigen Gästen anlassbezogen kleine Kurzinterviews geführt, anonym und freiwillig.

Es ging darum, besondere Situationen noch einmal von den Zuschauern reflektiert zu bekommen. Beispielsweise ob es Situationen oder Orte gibt, in denen sie sich bezogen auf eine Ansteckung unsicher fühlen, oder inwiefern die Hygienemaßnahmen den Konzertgenuss beeinträchtigen oder aber auch erhöhen.

Rückblickend zieht Landrat Dr. Richard Sigel ein positives Resümee: „Die Veranstaltungsreihe mit insgesamt bis zu 8000 Besuchern hat nach unserem Kenntnisstand zu keinem Infektionsgeschehen geführt. Das war ein Erfolg und vor allem ein Lichtblick. Es zeigt, dass mehr Normalität möglich ist, auch unter besonderen Bedingungen. Erste Erkenntnisse konnten auch noch in den Austausch mit den Machern des Kultursommers in Waiblingen im Vorfeld einfließen, der ja ebenfalls ein Highlight dieses Sommers war.“ Auch das Ergebnis der Befragung, dass 90 Prozent der Konzertbesuchenden Veranstaltungen mit ähnlichem Hygienekonzept wieder besuchen würden, sei ein Erkenntnisgewinn. Das Veranstaltungsgelände betreten durfte nur, wer einen 3G-Nachweis vorgelegt hatte. Eine Maskenpflicht galt beim Einlass sowie im Bereich der Gastronomie und Sanitäranlagen. 393 Besucher nutzten das Angebot der Testmöglichkeiten vor Ort und ließen sich an den vier Abenden von dem geschulten Personal des Deutschen Roten Kreuzes auf das Coronavirus testen.

Sehnsucht nach dem Ende aller Auflagen

Die ersten Erkenntnisse bei den Berg-Heimspielen schilderte Dr. Beate Kegler wenige Tage nach den Konzerten. Insgesamt schien es gut gelungen, die Gratwanderung zwischen Sicherheitsbedürfnis und Erlebnishunger zu beschreiten. Der überwiegende Anteil an Menschen hatte das Konzert sichtlich genießen können und hatte sich freiwillig und problemlos an die vermittelten Hygienemaßnahmen gehalten. Bei den Interviews wurde die Freude darüber, „dass man endlich wieder feiern kann“, deutlich. Zum Teil habe es aber auch Wünsche nach detaillierterer Information oder strengeren Auflagen gegeben – weniger aus Sorge vor eigener Ansteckung als ganz generell aus dem Wunsch nach klarer Orientierung und eindeutigen Vorgaben. „Andererseits war auch die Sehnsucht nach einem Ende aller Auflagen und größerer Freiheit und Selbstbestimmung klar geäußert worden. Dies spiegelte sich sowohl in den Aussagen des Publikums als auch in denjenigen der dort Beschäftigten wider“, so Kegler weiter.

Anika Fritz: „Wir nehmen die kritischen Anmerkungen sehr ernst“

Genau diese Ersteinschätzung hat sich nun im Zwischenergebnis der wissenschaftlichen Studie weitestgehend bestätigt. Kegler: „Das Konzept, das neben wenigen Regeln stark auf eine Eigenverantwortung im respektvollen Miteinander setzte, wurde von den meisten Besuchern geschätzt.“ Anika Fritz nennt Zahlen: Besonders erfreulich sei, dass rund 98 Prozent der Befragten mit dem Konzerterlebnis zufrieden waren und die schon fast außergewöhnlichen Freiheiten genossen haben. Mit der Umsetzung des Hygienekonzeptes seien rund 85 Prozent einig gewesen.

Allerdings habe es einen signifikanten Anteil an Gästen gegeben, deren Sicherheitsbedürfnis nicht „ausreichend befriedigt“ werden konnte und die sich zu einem nicht unerheblichen Teil auch in ihrem Konzertgenuss beeinträchtigt sahen. „Die meisten Unzufriedenheiten entstanden allerdings nicht durch das Konzept an sich, sondern durch das als rücksichtslos empfundene Verhalten anderer und ein Gefühl, hier zu wenig Möglichkeiten und Unterstützung erhalten zu haben, das eigene Sicherheitsbedürfnis ohne Einschränkungen des Konzertgenusses berücksichtigt zu finden“, erläutert die Wissenschaftlerin.

Und Anika Fritz fügt hinzu: „Wir nehmen die teils kritischen Anmerkungen der Teilnehmenden sehr ernst.“ Dankbar seien die Verantwortlichen für die Rückmeldungen, in welchen Situationen Optimierungsbedarf gesehen wird.

Die Projektleiterin: „Eine Erkenntnis des Modellvorhabens ist zum jetzigen Stand, dass eine freie Sitzplatzwahl das Sicherheitsgefühl vieler Konzertbesuchenden geschmälert habe. Ein zu sorgloses Verhalten anderer Gäste haben 56 Prozent der Befragten unter anderem als Grund hierfür genannt.“ Aus diesen Erkenntnissen resultiere daher die Empfehlung, bei Veranstaltungen unter Pandemiebedingungen eine Sitzplatzreservierung mit Abstandsgarantie zu ermöglichen und deren Einhaltung konsequent zu kontrollieren.

Die Fertigstellung der Begleitstudie ist Ende September/Anfang Oktober geplant.

Schon kurz nach den Veranstaltungsabenden mit den vier kleinen Heimspiel-Konzerten im Rahmen des Modellvorhabens hatte Sängerin Andrea Berg gemeinsam mit Vertretern des Landratsamts, der Gemeinde und der begleitenden Wissenschaftler ein positives Fazit gezogen. „Wir hatten einiges ausprobiert und schnell erste Erkenntnisse gewinnen können“, blickt die Projektleiterin vom Landratsamt, Anika Fritz, zufrieden zurück, und weiter: „Mit dem Modellvorhaben wollten wir ganz gezielt erproben, welche

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