Rems-Murr-Kreis

Wohninvest: Die spektakuläre gastronomische Einkaufsoffensive des Fellbachers Harald Panzer

Panzer
Harald Panzer, Gründer des Fellbacher Immobilien-Unternehmers Wohninvest. © Benjamin Büttner

Immobilien-Unternehmer Harald Panzer, 56, legt mit seiner Fellbacher Firma Wohninvest einen sagenhaft stürmischen Kaufschwung an den Tag – wer zuhört, wie Panzer seine Anschaffungen aufzählt, dem flattern die Ohren im Fahrtwind. Aktuelles Projekt: eine Gastronomie-Offensive für schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Euro.

  • Die Alte Post in Schmiden, zuletzt geführt als Ristorante Elisa: gekauft. Panzer will das Gebäude ab 2021 unterm Namen „Die Mitte“ als „politisches Wirtshaus“ betreiben; eine prominente Rolle dabei spielt ... der Fellbacher Ex-OB Christoph Palm. Dazu später mehr.
  • Das In-Lokal Yosh in Stuttgart, das Genusshotel Schwarzer Adler im Tannheimer Tal, das Hotel Villa Hirzel in Schwäbisch Gmünd, berühmt für seine Einrichtung im Stil der 20er Jahre: gekauft, gekauft, gekauft; der Pfauen in Schorndorf, Bachofer und Hotel Koch in Waiblingen: noch mal, noch mal, noch mal gekauft.
  • Das Weinhaus Schachner auf Sylt, einst eine Pilgerstätte für Vinophile, dann aber in Insolvenz gegangen: gekauft; desgleichen das Weingut Meuschel in Kitzingen bei Würzburg. Der Fellbacher Wengerter Markus Heid bewirtschaftet es jetzt unterm Namen „Gut Wilhelmsberg“.
  • Die Gourmet-Tempel Speisemeisterei und Ritzi in Stuttgart hat die Wohninvest-Gruppe zwar nicht erworben, wird dort künftig aber als Betreiber fungieren.

Was gehört mittlerweile zum Fellbacher Wohninvest-Imperium? Die Frage ist wohl falsch gestellt und müsste eher lauten: Was gehört eigentlich nicht dazu? Nur ein paar beispielhafte Deals aus jüngerer Zeit:

  • Im Mai 2019 offenbarte Panzer, dass er jener Investor sei, der die Neue Ortsmitte in Schwaikheim gekauft habe: 46 Wohnungen und ein Edeka-Markt. 38 Wohnungen, die auf dem Areal des ehemaligen Waiblinger Kreiskrankenhauses die Kreisbaugruppe hochzieht: gekauft.
  • Beiläufig lüftet Panzer ein Geheimnis, das im Landkreis Ludwigsburg derzeit für heftiges Gerüchteln sorgt: Er ist der Käufer des Schlosses Freudental bei Bietigheim. Das Barock-Schmuckstück diente Anfang des 19. Jahrhunderts dem württembergischen König Friedrich I. als Sommerresidenz, war in den Weltkriegen ein Lazarett, später ein Altenheim, zuletzt in Privatbesitz – und soll nun eine psychiatrische Einrichtung werden.
  • Am Weserstadion Bremen hat Panzer die Namensrechte erworben: Der Bundes-, Pardon, Zweitliga-Tempel heißt zehn Jahre lang Wohninvest-Weserstadion. Kosten: drei Millionen Euro – per anno.

Wohninvest und Harald Panzer: Eine Nahaufnahme

Panzer, aus einfachen Verhältnissen stammend, ist ein hemdsärmeliger Typ. Wenn er erzählt, wie die Bremer Werder-Ultras in ihre Fankurve mal ein Riesentransparent mit einem nicht ganz der Etikette am Hofe König Friedrichs I. gehorchenden Wortlaut hängten – „F ... [Zensur-Pieps] dich, Panzer“ –, dann klingt er nicht empört, sondern eher, als wisse er ein zünftiges Argument unter Fußballfreunden sportlich zu nehmen.


Panzer hat Wohninvest erst 2005 gegründet und binnen anderthalb Jahrzehnten zu einer irrsinnig dynamischen Kraft am Immobilienmarkt gemacht. Jahresumsatz 2020: voraussichtlich 300 Millionen Euro. Viele staunen; und manche munkeln, das könne nicht mit rechten Dingen zugehen. Dass bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart seit etwa einem Jahr ein – offenbar allerdings nicht recht vom Fleck kommendes – Ermittlungsverfahren wegen Untreue-Verdachts läuft, sei auch nicht verschwiegen.

Panzer selber erklärt seinen Erfolg indes anders. Seine Ausführungen sind dem journalistischen Erbsenzählerhirn zwar nicht immer in allen Details nachvollziehbar – die Quintessenz aber ist durchaus laienverständlich: Wenn er, rechnet Panzer vor, eine große Immobilie für – nur mal so als Hausnummer – 53 Millionen Euro kaufe und für 69,5 Millionen wieder verkaufe, bleibe halt was hängen.

„Die Mitte“ in Schmiden: Jeden Sonntag politischer Aschermittwoch

Nicht das teuerste, aber eindeutig das originellste Gastro-Projekt Panzers ist „Die Mitte“ in Schmiden, vormals Alte Post. Etwa zwei Millionen setzt der Wohninvest-Macher für den Kauf und einen fulminanten Umbau ein. Den Auftrag übernimmt der Stuttgarter Baukunstguru Alexander Brenner, den das Goethe-Institut mal in eine Liste der zehn besten Architekten Deutschlands aufgenommen hat.

Bei der „Mitte“ kommt auch ein spektakulärer Lokalpromi-Faktor ins Spiel: „Zu meinen Rathauszeiten“, sagt der Fellbacher Ex-Oberbürgermeister Christoph Palm, „hatte ich ein gutes, aber rein professionelles Verhältnis“ zum Gewerbesteuerzahler Panzer – „in den letzten zwei Jahren“ indes sei „eine Freundschaft entstanden“. Das Konzept für „Die Mitte“ haben Panzer und Palmer gemeinsam erdacht.


Sie wollen hier ab Frühjahr 2021 die gute, alte, von den asozialen Medien schwer malträtierte Wirtshaus-Streitkultur wiederbeleben: „Jeden Sonntag um 11 Uhr“ soll „politischer Aschermittwoch“ sein! Palm wird als „ehrenamtlicher Kurator“ fungieren: drängende Fragen der Zeit identifizieren, dazu passende Vortragsredner einladen. „Die Mitte“, hofft Palm, könnte ein Ort werden, wo die Gäste zwar „Schaum vorm Mund“ haben, aber „nur beim ersten Schluck vom frisch gezapften Bier“; ein Ort, wo man „unterschiedlicher Meinung“ sein kann, „ohne dass man gleich wegläuft und den anderen sonst was heißt“.

Immobilien-Unternehmer Harald Panzer, 56, legt mit seiner Fellbacher Firma Wohninvest einen sagenhaft stürmischen Kaufschwung an den Tag – wer zuhört, wie Panzer seine Anschaffungen aufzählt, dem flattern die Ohren im Fahrtwind. Aktuelles Projekt: eine Gastronomie-Offensive für schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Euro.

Die Alte Post in Schmiden, zuletzt geführt als Ristorante Elisa: gekauft. Panzer will das Gebäude ab 2021 unterm Namen „Die Mitte“ als „politisches
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