Rems-Murr-Kreis

Wohninvest Panzer, Opernstar Melanie Diener - und die Klinik Schloss Freudental

Eröffnung Libermenta Kliniken Schloss Freudental
Die Waiblinger Sopranistin Melanie Diener auf der Bühne im Schlosshof – rechts auf dem Monitor: Schloss Freudental. © Tom Weller / 24passion

Eine Klinik-Eröffnung. Eine Klinik-Eröffnung?! Dies mutet eher an wie eine jener glamourösen Abendgesellschaften beim "Großen Gatsby"! Fest auf Schloss Freudental bei Bietigheim – es treten auf: Eine Opern-Virtuosin. Ein Millionen-Erbe. Eine Schwimm-Weltmeisterin. Robert Enkes Witwe. Ein singender Super-Turner. Und: Harald Panzer, der umraunte Wohninvest-Immobilienzar. Was geht hier vor?

London, Tokio, Freudental: Opernstar als Musikheilerin

Cosi fan tutte: An der Londoner Royal Opera war sie die Fiordiligi. Don Giovanni: Als Donna Elvira glänzte sie in Salzburg und Tokio. Lohengrin: Auf dem Bayreuther Hügel gab sie die Lisa. Sie hat ihren Sopran in Cirrostratuswolkenhöhen geschraubt unter dem Dirigat von Claudio Abbado, Kurt Masur, Lorin Maazel. Und nun steht sie im roten Gala-Kleid – ein Traum aus Faltenwurf und Raffung, der Saum küsst den Boden – auf der Bühne im Freudentaler Schlosshof. „Begrüßen Sie ganz herzlich“, schwelgt der Ansager: „Melanie Diener!“

Waiblingens weltschönste Stimme flutet in die Abendluft, an diesem „Sehnsuchtsort der Kraft und Ruhe“, wie es auf der Freudental-Homepage heißt. Drei Seen betten sich in die zehn Hektar große Parkanlage des Barockschlosses, und die Baumriesen sehen so altehrwürdig aus, als hätten sie schon zu Mammuts Zeit ihr Haupt im Wind gewiegt.

Melanie Diener aber, schwärmt nun der Ansager, ist: die „zukünftige Musiktherapeutin“ hier! „Da dürfen sich die Patienten auf große Dinge freuen“ – ob sie nun wegen Depression oder Burn-out, Autismus oder ADHS, Schlafstörung oder Schizophrenie, Sex-, Spiel-, Alkohol- oder Nikotinsucht in Behandlung sind.

Das Investorenduo Panzer und Bühler

Als Schlossherren hinter all dem aber stehen die Besitzer Freudentals: Harald Panzer, Gründer der Fellbacher Immobilienfirma Wohninvest, und sein Kompagnon Dr. Matthias Bühler, Sohn der legendären Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz.

Vom Maybach V12 auf dem Parkplatz bis zum Flügel im Schlossfoyer: Nichts an dieser offiziellen Eröffnung – eigentlich läuft der Betrieb schon, der erste Patient sei bereits entlassen worden und, schwärmt der Moderator, „sehr glücklich“ gegangen – wirklich nichts hier ist gewöhnlich.

Allein die Ehrengäste: Teresa Enke, Witwe des ehemaligen Nationaltorhüters, nimmt einen 5000-Euro-Scheck für ihre Stiftung entgegen. Evelyn Reißmann, Miss Germany der Altersgruppe 50 plus, ist „Testimonial“ der Klinik, Botschafterin.

Zum Team gehört auch eine Schwimm-Weltmeisterin: Die Ärztin Petra Dallmann, die 2001 mit der Freistil-Staffel triumphierte, wird in Freudental eine „spezifische stationäre Behandlung für Leistungssportler“ aufbauen. Und Lucas Fischer, einst als Turner Vize-Europameister für die Schweiz, bevor eine epileptische Erkrankung ihn stoppte, verbiegt erst auf der Showbühne den Körper wider alle Logik der Sofasportler-Anatomie, bevor er auch noch furios zu singen anhebt: „Immer wieder aufgestanden, neue Ziele angestrebt, viele Narben davongetragen, schwere Zeiten überlebt!“

Rundgang: Auf Parkett und über Teppiche, vorbei am Säulenspalier der Treppenaufgänge, durchs Schloss zu den Patientenzimmern – vier Meter Deckenhöhe, Kaffee-Maschine, Obst-Etagere, Säfte-Bar, Kissen mit Brokat-Bordüre. Hauptbau, Försterei, Remise, Kesselhaus, Ochsenbraterei: alles erlesen saniert, renoviert, modernisiert. Und in der Sport-Therapie gibt es eine zehn Meter hohe Kletterwand.

Rund 30 Millionen Euro haben Panzer und Bühler für Kauf und Umbau Freudentals zur „Libermenta“-Klinik eingesetzt (Hintergründe dazu hier). Lateinisch liber: frei. Und mens: der Geist. Das Angebot richtet sich, wie es auf der Homepage heißt, an „Privatpatienten, Beihilfeberechtigte, privat Zusatzversicherte, Selbstzahler“. Na gut, dass du als Max Mustermann von der AOK hier fremdeln würdest, war dir schon vorher klar.

Nachdenken über ein zartes Lächeln im Gesicht

Die Nacht hat ihr samtenes Tuch über die Szenerie gebreitet, die Gäste speisen, trinken, plaudern auf der Schloss-Terrasse. Die Fassade und das Glitzerspiel der Brunnen sind in zaubrisches Leuchtwerk aus Orange- und Pink-Tönen gehüllt. Da steht der Journalist nun rum, hält sich am Sektglas fest und sinniert den Eindrücken hinterher.

„Ein zartes Lächeln im Gesicht ist euer Lohn“, hat in seiner Rede Harald Panzer allen Beteiligten verheißen. Dr. Bühler hat die Hand auf die Brust gelegt, als er sprach: Dies sei ihm eine „Herzensangelegenheit“.

Und der Journalist erleidet einen Fieberschub jener bösen alten Berufskrankheit, die ihn zuverlässig zu plagen beginnt, wann immer es zu pracht- und salbungsvoll wird – er fragt sich: Wo ist der Haken?

Bis zu 83 Patienten können im Haupthaus wohnen. Die Tagessätze variieren je nach Behandlung (tagesklinisch oder vollstationär) zwischen 200 und 500 Euro; nicht wenig, aber in der Branche auch nicht maßstabslos viel. Dem stehen rund 100 Psychologen, Psychiater, Therapeuten und andere Mitarbeitende gegenüber, die eher nicht für den Mindestlohn arbeiten, selbst wenn es obenauf als Sondervergütung manch zartes Lächeln geben sollte. Und dann muss die Klinik-Gesellschaft ja auch Schloss-Miete an Wohninvest zahlen, denn sonst wäre all das für Panzer und Bühler ja ein astreines Multimillionengrab der Barmherzigkeit. Also, wie geht das? Ist es von Dauer?

Schlösserpläne: Eins, zwei, drei und dann vier, fünf, sechs?

Sei’s drum. Dass Panzer nicht rechnen könne, hat noch nie jemand behauptet. Und eins immerhin ist klar: Solch eine Klinik hat die Welt noch nicht gesehen.

Pardon: die Schwabenwelt. Andernorts gibt’s derlei schon. Panzers und Bühlers Libermenta-Klinik Schloss Gracht bei Köln ist längst in Betrieb.

Nummer drei – Schloss Tremsbüttel bei Hamburg, wo die Beatles nächtigten – startet im Herbst. Vier, fünf und sechs, so heißt es, sind in Planung.

Eine Klinik-Eröffnung. Eine Klinik-Eröffnung?! Dies mutet eher an wie eine jener glamourösen Abendgesellschaften beim "Großen Gatsby"! Fest auf Schloss Freudental bei Bietigheim – es treten auf: Eine Opern-Virtuosin. Ein Millionen-Erbe. Eine Schwimm-Weltmeisterin. Robert Enkes Witwe. Ein singender Super-Turner. Und: Harald Panzer, der umraunte Wohninvest-Immobilienzar. Was geht hier vor?

London, Tokio, Freudental: Opernstar als Musikheilerin

Cosi fan tutte: An der Londoner

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